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Ortsbeleuchtung

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in den vergangenen 2 Wochen kam es in unsere Einheitsgemeinde gleich 2mal zu nächtlichen Gebäudebränden. Am Osterwochenende ereilte es den Ortsteil Milz und in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag den Ortsteil Westenfeld.

Beide Brände wurden in der Nacht gemeldet und unsere Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus den verschiedensten Ortsteilen wurden zum Einsatz alarmiert und sind ausgerückt.

Durch die vorherrschende Dunkelheit und die fehlende Ortsbeleuchtung kam es in beiden Brandfällen zu deutlichen Behinderungen und Beeinträchtigungen unsere Einsatzkräfte.

Bei beiden Brandereignissen wurde mir von den Vor-Ort befindlichen Einsatzleitern und auch vielen Kammeraden deutlich gemacht, dass es gerade am Anfang der Einsätze und beim Anfahren der Einsatzkräfte zu enormen Orientierungsschwierigkeiten am Einsatzort kommt und damit im Zweifelsfall zu deutlichem Zeitverlust beim Retten und Bergen sowie beim Anlauf der Löscharbeiten kommt. Ich habe durch meine Anwesenheit bei den Brandfällen selbst miterlebt, dass diese Situation nach meiner Auffassung unhaltbar ist.

Wir gefährden im Zweifelsfall mit dieser Situation Menschenleben!

Ich habe deshalb mit sofortiger Wirkung angeordnet, dass bis auf weiteres alle Ortsbeleuchtungen in unseren Ortsteilen bei Nacht wieder eingeschaltet werden.

Der Schutz von Menschenleben hat und muss oberste Priorität bei unserem Handeln und unseren Entscheidungen genießen.

 

Heiko Bartholomäus

Bürgermeister

Konnten die Amerikaner nicht 30 Stunden früher kommen

Erstellt von Kurt Lautensack | |   News | GleichambergChronik

Der II. Weltkrieg hinterließ auch in Gleichamberg für seine Bewohner schmerzliche Spuren und sie mussten noch in den letzten Kriegstagen schwere Brandschäden hinnehmen.

Gleichamberg – Vor 75 Jahren am 8. Mai war der Krieg in Europa endgültig zu Ende, „Deutschland hat bedingungslos kapituliert“, heißt es in einer Gleichamberger Chronik. Denn wie Gleichamberg die Jahre des Krieges und sein Ende erlebte, das geht aus den handschriftlichen Schilderungen der namentlich leider nicht immer genannten Chronisten jener Zeit hervor. Zeitzeugen aus jenen Tagen des Krieges aber werden rar und die heute über 80-jährigen werden sich mehr an die Erzählungen der Eltern als an das eigene Erleben erinnern können. Doch die Gleichamberger Chronikschreiber haben die ereignisreichen Tage, Wochen und Jahre aus ihrer Sicht festgehalten. Eine solche Chronik mit handschriftlichen Tagesaufzeichnungen umfasst den Zeitraum vom 01.01.1938 bis zum 08.04.1957, die damit leider enden..

Je nach Chronisten wurden in unterschiedlichen Handschriften, davon allerdings ein Großteil in der früheren Sütterlin-Schrift geschrieben und die nur noch wenige lesen können, das dörfliche Geschehen festgehalten. Auf der ersten Seite schreibt dazu der damalige Lehrer Walter Haaß: „Bürgermeister Otto Kaiser hat diese Chronik angelegt. Sie soll unserem Dorfe ein Denkmal sein und künden von Menschen und Schicksalen unserer Gemeinde auch für die entferntesten Tage. Durch rechte Kenntnis der Ortsgeschichte wird die Liebe zur Heimatscholle geweckt, die Tradition alter Bauerngeschlechter erforscht, werden Blut und Boden eng verbunden“.

Die Chronik-Aufzeichnungen beginnen auch exakt am 1.1.1938, denn da heißt es: „In der vergangenen Silvesternacht, die ruhig verlief, ist starker Schneefall eingetreten. Das neue Jahr wurde mit Glockenläuten und Choralblasen vom Turm begrüßt…“. Es folgen verschiedene örtliche Ereignisse, darunter ausführlich Informationen zur „Wahl zu Großdeutschland“ am 10. April 1938, an der „alle 439 Wahlberechtigten“ teilgenommen und zu 99% mit ja gestimmt hätten. Außerdem wird über den Baubeginn des Kindergartens am 7. Mai 1938 (heute älterer Teil mit modernen Anbau verbunden) berichtet und über die feierliche Einweihung am 16. Juli 1939, bei der Bürgermeister Otto Kaiser allen am Bau Beteiligten seinen Dank aussprach. Welcher Zeitgeist zu jener Zeit herrschte, brachten die Chronisten durch viele, manchmal kurze Eintragungen zum Ausdruck.

So heißt es beispielsweise in einem Eintrag vom 1. September 1939: „Heute Vormittag 5:45 Uhr wurde der Krieg gegen das größenwahnsinnig gewordene Polen begonnen“. Dann folgen 35 namentlich aufgeführte Männer, die „zu den Waffen gerufen“ wurden, während sich Lehrer Haaß bereits im August 1939 freiwillig zum „Heeresdienst“ gemeldet hatte. Ein in der „Thüringer Tageszeitung“ abgedruckte Feldpostbrief vom Oktober 1939 wird auch in der Chronik wiedergegeben. Darin ist noch von großer Euphorie und Erfolgen die Rede, obwohl bereits die ersten Todesnachrichten eingetroffen waren. Von diesen 35 aufgeführten jungen Männern sollten 16 aus dem Krieg nicht wieder zurückkehren. Dass sich bereits zu dieser Zeit Widerstand gegen den Krieg regte, erfuhren (nicht nur) die Gleichamberger aus abgeworfenen Flugblättern des „Gegners“.

Und durch einen Chronistenwechsel sollten im Verlaufe der Aufzeichnungen auch so manche Formulierungen ändern. Der bisherige Chronist (geht nicht genau hervor) wurde im Januar 1940 einberufen und Willy Schüler setzt die Chronikaufzeichnungen fort. Huldigungen wichen eher einer nüchternen Schilderung der dörflichen und Kriegsereignissen sowie den Nachrichten über die Gefallenen. Zu Beginn des Jahres 1941 waren es laut Chronisten bereits 90 Männer, die eingezogen wurden und die Namen derer, die nicht mehr zurückkehrten, sollten steigen. Am Ende waren es 56 Namen, an die das Denkmal am Fuße des Großen Gleichberges erinnert.

Die Aufzeichnungen zwischen 1941 und 1945 waren geprägt von den Kriegsereignissen, auch die Hinrichtungen von Poppenhausen wurden genannt, von Meldungen über gefallene Gleichamberger sowie zwischenzeitlich von Wettermeldungen und Tätigkeiten der Bauern. Besonders ereignisreiche Wochen erlebte Gleichamberg vor und nach Kriegsende, wie aus der Chronik hervorgeht. Hier einige besonders tiefgreifende Tagesereignisse, die durch die geschriebenen Zeilen wohl in Erinnerung bleiben werden. Da ist für den Sonnabend, 7.4.1945 u.a. zu lesen: „Seit gestern bleibt der Strom weg. Nachmittags wurden vom Volkssturm in Linden Panzersperren gebaut.… Eine Gefechtsabteilung Nebelwerfer mit Geschützen standen im Tannig hinter der Kirscheleite (Anm.: nördlich des Ortes)…. Die Amerikaner sind in Hildburghausen. Am Spätnachmittag hört man deutlich die Abschüsse und Einschläge der feindlichen Artillerie… Die nötigsten Sachen bringen wir in den Keller. Diese Nacht wollen wir in Kleidern schlafen“.

Der nächste Eintrag ist vom Montag, 9. April 1945: „ 4 Uhr nachmittags sind die ersten amerikanischen Panzer durch unser Dorf gefahren…Die zweie Abteilung hält vor unserem Haus (Anm.: Gleicherwieser Straße), sind meistens Spähwagen, lauter stramme Kerle, schwer bewaffnet. Konnten die Amerikaner nicht 30 Stunden früher kommen, dann wäre unser Dorf noch ganz“. Was veranlasste den Chronikschreiber zu diesem Satz, was war geschehen? In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag sei der Tross mit Nebelwerfern abgerückt, aber zwei Geschütze hätten noch am Bahndamm an der Kirscheleite zur Gegenwehr gestanden (Anm.: Eine Bahnlinie führte vom Brecherwerk zur Anlage nach Simmershausen). Der Chronist schreibt: „Der gestrige Sonntag war ein Schreckenstag für Gleichamberg“. Bereits am Vormittag habe es eine mächtige Schießerei gegeben, der ein „feindlicher Artilleriebeschuss“ folgen sollte. „Nun wird es ernst, alle in den Keller. Einschlag folgte auf Einschlag. Da kamen Tiefflieger und beschossen das Dorf. 14 Gehöfte wurden in Brand geschossen“. Es folgte eine Spur der Verwüstung vom Unterdorf bis weit über das Pfarrhaus hinaus ins Oberdorf. „Die Gehöfte von Karl Hegler und Robert Meininger brannten ganz ab“, heißt es, wobei eine Aufzählung der Gehöfte, Scheunen und Ställe namentlich in der Chronik erfolgt. U.a. brannten auch die Scheunen von Kaiser und Semm nieder.

Diese Angaben wurden auch von Bärbel Semm bestätigt, weil sie auch in den privaten Aufzeichnungen ihres Vaters Willy Schüler standen. Sie selbst könne sich zwar an das „Vorfahren der Amerikaner“ als damals Achtjährige erinnern, aber „viele Dinge hat man versucht, von uns Kindern fernzuhalten“, so Bärbel Semm. So seien es meisten die Worte aus den Erzählungen der Eltern, Verwandten oder anderer Dorfleute, die weitergegeben wurden. Das kann ebenso der Enkel von Otto Kaiser, Manfred Lindstädt aus dem Erzählten und beim Kramern in alten Fotoalben bestätigen Umso bedeutungsvoller sind die tagaktuell geschriebenen Worte in der Chronik, die ein Stück Gleichamberger Geschichte wiedergeben.

Die Ereignisse der folgenden Wochen und Monate mit dem Einzug der Amerikaner finden sich natürlich auch in den Niederschriften. Hier noch einige wenige Sätze aus der Feder von Willy Schüler. Er schreibt, dass er „am 25.5.1945 von Landrat Keding zum 1. Bürgermeister von Gleichamberg berufen“ wurde. Es sei eine aufregende und arbeitsintensive Zeit gefolgt, in der schließlich die Amis am 4.7. 1945 aus Gleichamberg abgezogen und die Russen eingezogen wären. Am 8.9.45 schreibt Willy: „Heute klingelt der Polizeidiener: Willy Schüler ist seines Amtes enthoben und Emil Brödner als Bürgermeister eingesetzt. Nun ist wieder Ruhe in unserem Haus“. Und weiter: „Unter der russischen Besatzungsmacht als Bürgermeister zu arbeiten, geht auf die Nerven“. Es folgen Aufzeichnungen über Veränderungen, über Feldarbeit, den Straßenbau und darüber, dass die Russen das Fernkabel ausgraben und die Bahnschienen abgebaut und fortgeschafft hätten, aber auch über das extreme Dürrejahr 1947 usw. Die letzte Chronikeintragung ist vom 8.4.1957: „Ein zeitiges Frühjahr, der Lenz ging gut von statten“.

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