Stiftskirche

Sie wurde urkundliche im Jahre 1341 erstmalig erwähnt und ca. 60 Jahre später unter der in Römhild residierenden Linie der Grafen von Henneberg zu einer selbständigen Pfarrkirche erhoben. Als das Henneberger Grafenpaar Georg I. und Johannetta zusammen mit anderen vermögenden Familien ihrer Grafschaft ein Chorherrenstift gründeten, erfolgte in der Zeit von 1450 – 1470 ein Um- und Neubau der Kirche in ihrer heutigen Gestalt, seitdem ist auch der Name Stiftskirche gebräuchlich. Geweiht wurde sie der Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer. Mit dem letzten Henneberger Grafen der Römhilder Linie ist sie seit 1548 evangelisch. Von 1555 – 1918 kam sie unter sächsische Hoheit und gehört seit 1920 zur evang.-luth. Landeskirche in Thüringen.

Die Kirche im spätgotischen Baustil hat die Jahrhunderte relativ unbeschadet überstanden. Der verheerende Stadtbrand 1609 vernichtete Turmhelm, Uhr und Glocken sowie Teile des Kirchendaches, ließ jedoch das Kirchenschiff unversehrt. Der Wiederaufbau ab1610 brachte der Kirche eine andere, zeitgenössische Turmhaube. Der Anbau an der Südseite der Kirche, den Herzog Jahann Casimir von Coburg im Jahr 1585 errichten ließ, ist über 100 Jahre jünger als der Kirchenbau, paßt sich aber dem spätgotischen Stil der Kirche an. Das Innere der Kirche, die seit 1465 auch Grabstätte der Grafen von Henneberg - Römhild ist, ist in seiner baulichen Ausführung wie das Äußere in spätgotischem Stil erhalten und als dreischiffige Stufenhalle ausgeführt. Netz-, Stern- und Kreuzgewölbe zieren die Decke des Gotteshauses.

Das Mittelschiff endet jeweils in einem Chrorraum: einem Ostchor, der die gesamt Höhe des Mittelschiffes einnimmt und in einem in zwei Geschosse unterteilten Westchor. Im Ostchor befinden sich die steinernen Grabplatten der Grafen von Henneberg - Römhild sowie ein barocker Hochaltar von 1692, geschnitzt von J. A. Lux aus Neustadt/Saale und bemalt von Hofmaler J. Gedeler aus Bayreuth. Weiterhin zu sehen sind ein Chorgestühl aus der Zeit des Chorherrenstiftes sowie Tafel- und Glasmalereien aus der Zeit der Kirchengründung.

Auf der Empore des Westchoreshat seit 1682 die barocke Orgel von Johann Moritz Weiße aus Gotha mit einem Prospekt des Römhilder Hoftischlers Esajas Sterzing ihren Platz. Im Untergeschoß befindet sich die Einganshalle des westlichen Kircheneingangs Eine steinerne Inschrift über diesem Eingangsportal gibt Zeugnis vom Bau der Kirche und der Stiftung. Die wertvollsten Ausstattungsstücke der Kirche sind die bronzenen Grabdenkmäler der Henneberger Grafen, die in der Werkstatt des Nürnberger Erzgießers Peter Vischer und seiner Söhne entstanden sind. Es sind eine freistehende Statue von Otto IV. von Henneberg und der Sarkophag des Henneberger Grafenpaares Hermann VIII. und Elisabeth von Brandeburg. Beides aus der Zeit von 1490 – 1510. Weitere Ausstattungsstücke lassen den Besuch der Kirche zu einem lohnenswerten Erlebnis werden. Wir wünschen Ihnen deshalb einen angenehmen Aufenthalt in unserem schönen Gottenshaus!