Mit Strohbären den Winter austreiben
Eine Tradition, die auf Urzeiten zurückgeht, sind die Strohbären von Bedheim, die am Aschermittwoch durch die Dorfstraßen zogen.
Bedheim – Man hat genug vom Winter und will endlich Frühling, Sonne und eisfreie Straßen, eben ein Frühlingserwachen. Dieser Wunsch scheint in diesem Jahr stärker als sonst bei vielen Leuten ausgeprägt zu sein, waren sie doch schon etliche Jahre einen solchen zählebigen Winter nicht mehr gewohnt. Da möchte man den uralten Bräuchen, die etwas mit dem Winteraustreiben zu tun haben, so wie der Brauch der „Strohbären“, gerne wieder mehr Glauben schenken, wenn sie denn noch gepflegt werden. Früher wurden sie in oder durch die „Lichtstuben“ aufrechterhalten. Doch die gibt es längst nicht mehr und so geraten sie allmählich in Vergessenheit. Gerade junge Menschen haben manchmal ihre Schwierigkeiten mit dem Brauchtum, weil es oft eng mit dem Begriff „Tradition“ verbunden ist. Doch ohne Brauchtum oder auch Tradition (Kirmes, Fastnacht, Backhausfeste oder Sonnenwendfeuer und –feier) wäre unser Leben um vieles ärmer und trockener. Eng mit diesem Brauch am Aschermittwoch verbunden ist die an diesem Tag beginnende vierzigtägige Fastenzweit, die bis auf das 7. Jahrhundert zurückgehen soll. In manchen Gegenden gibt es deshalb auch den Brauch des „Geldbeutelwaschens“, womit symbolisch die Befreiung von irdischen Gütern (Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch ect.) ausgedrückt werden soll, um sich auf das Wesentliche zu besinnen. Heute wird das Fasten allerdings sehr vielseitiger und weitreichender betrachtet (Verzicht auf Fernsehen, Auto, Handy usw.).
Heimat- und Feuerwehrverein hält Tradition aufrecht
In Bedheim bemühen sich Jahr um Jahr die Mitglieder des Heimat- und Feuerwehrvereins immer wieder darum, den alten Brauch der „Strohbären“ neues Leben einzuhauchen. Mit dem Begriff Fastnacht (bei uns auch Fosenocht) verband man das „Fest der Fruchtbarkeit und des Frühlungs“, mancherorts auch als das Winteraustreiben bekannt. Dazu gehört eben auch der „Strohbären“-Brauch am Aschermittwoch. An diesem Tag erscheinen in Bedheim die Strohbären. Zwei in Stroh vollkommen eingewickelte junge Männer, die von den Bärenführern durchs Dorf geführt werden, begleitet von Musik. Sofern die Bereitschaft zum Mitmachen überwiegt, gehören zum Gefolge auch noch zwei Hexen sowie eine Marketenderin. Letzteres war historisch gesehen eine Frau, die Truppen begleitete und die Soldaten mit Lebensmitteln oder Getränken versorgte. Heute begleitet sie in manchen Regionen noch Musikkapellen bei traditionellen Festen oder Aufmärschen. Den Brauch betreffend, wissen die Vereinsmitglieder aus den überlieferten Erfahrungen, wurden von den Einwohnern auch Butter, Mehl, Eier und Geld gesammelt. Heute beschränkt es sich auf eine kleine Geldspende, die von den erreichbaren Einwohnern gerne gegeben wurde.
Intensive und aufwändige Vorbereitung
„Die Bewahrung dieser Tradition uns Mitgliedern des Heimat- und Feuerwehrvereins sehr wichtig, auch wenn eine solche Aktion mit den Strohbären mit viel Mühe, Arbeit und Zeit verbunden“, sagte Wolfgang Juch und erntete Zustimmung. Das beginnt bereit bei dem Problem, in heutiger Zeit noch langes Stroh zu bekommen, um die nötigen Strohmatten zu binden. Dazu gehören außerdem die Vorbereitungen Tage zuvor sowie die Einkleidung der Strohbären selbst. Das nimmt schon mal zwei Stunden in Anspruch bis Arme, Beine und der gesamte Körper fachgerecht eingebunden sind. Da gehören auch Helfer dazu, wie Silvio Plonne, Sven Dötsch oder Vera Juch, die nicht unmittelbar zum eingekleideten Gefolge gehören.
Dann ist es soweit und die beiden Männer (René Simon und Robert Vogler) sind in ihrem „warmen Strohanzug“ für Stunden verschwunden. Damit ist die kleine Gesellschaft startklar, denn auch das Gefolge hat inzwischen sein Kostüm angezogen. Die beiden Strohbären werden von ihren Bärenführern (Andreas Opitz und Thomas Bretschke) an die Kette gelegt. Und auch die drei Hexen (Ami Plonne, Gertraud und Sarah Dötsch) sowie Wolfgang Juch als Marketender mit Handwagen stehen inzwischen bereit. Für die passende und stimmungsvolle Musik sorgt die moderne Technik von Ami Plonne. Und so ziehen die Bärenführer mit Strohbären und Gefolge von Haus zu Haus, soweit jemand da ist und bitten um eine kleine Gabe als Lohn für die Aufrechterhaltung eines wunderbaren Brauches.