Ein bunter Bilderbogen zum 230-jähriges Chorjubiläum
Was es heißt, eine Dorfgemeinschaft zu sein, das demonstrierten die Milzer am vergangenen Freitag (10.04.2026) beim Jubiläumsabend des Milzer Männerchores „Liederkranz“ eindrucksvoll.
Milz – Alphornklänge der Milzer Alphornbläser erfüllten den Saal im Kulturhaus und stimmten die Besucher auf einen wunderschönen Abend ein. In einer solchen angenehmen Atmosphäre fiel es auch Ekkehard Graf (1. Chorvorstand) und Sangesfreund Georg Klopf nicht schwer, in freudiger Stimmung alle Gäste zu begrüßen, unter ihnen Landrat Sven Gregor, Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus und Pfarrer Lukas Rinecker. Und Ekkehard Graf stellte an den Anfang seiner Laudation die Frage: „Was wäre das Dorfleben ohne unsere Vereine?“ Eine Frage, die sich im Laufe des abendlichen Programms fast von selbst beantwortete.
Er unterlegte seine Antwort mit Aktivitäten der Vereine über das gesamte Jahr. Es beginne gewissermaßen mit dem Karnevalsverein (MCV), der den Alltag der Menschen mit Humor aufheitert und im Laufe des Jahres weitere Veranstaltungen folgen lassen. Als eine echte Bereicherung für das Dorfleben habe sich die neu gegründete „Storchenbühne“ erwiesen sowie die wieder ins Leben gerufene Trachten-Tanzgruppe Milz. Mit dem beginne die Saison der Geflügelzüchter und Imker, während der SV 07 Milz für sportliche Aktivitäten sorgt. Im Herbst schließlich komme die Zeit der Mädels und Jungs des Kirmesvereins. Keinesfalls vergessen hatte Ekkehard Graf den Feuerwehrverein, der immer zur Stelle sei, die Jagdgesellschaft, die viele Aktivitäten finanziell unterstütze (Albert Seifert - seit 1990 durch die Jagdpacht), der Heimatverein, der die Milzer Geschichte festhält sowie die rührige Kirchgemeinde. Und mit ihr schloss sich der Kreis wiederum zum Jubiläum des Männerchores „Liederkranz“ mit einem Dank an Chorleiter Rudi Frank.
Denn die Magdalenen-Kirche war schließlich der Ausgangspunkt für den Chorgesang, der bis heute das dörfliche Leben mit prägt. Und dass der Männerchor „nicht nur drei Lieder“ kenne, meinte Chorleiter-Anwärter Georg Klopf scherzhaft, bewiesen die Chorbrüder eindrucksvoll. Zu ihrem Repertoire gehört natürlich „Milz, meine Heimat“, Text und Satz von Rudi Frank, in dem sie ihr Milz im schönen Grabfeld besangen, „wo die Spring in die Milz reinfließt“. Nach dem „Bierlied“ meinte der Chorleiter, dass bei solch schönen Liedern doch auch junge Männer wieder Lust bekommen müssten, dem Chor beizutreten. Und vielleicht verspürte der oder die andere im Saal Lust, in der Trachten-Tanzgruppe Milz in ihrer Freizeit mitzuwirken, die viel Beifall ernteten. An Anregungen, auf die eine oder andere Art das Dorfleben mitzugestalten, ließ es der Abend nicht fehlen.
Singt, liebe Milzer, singt
Natürlich gab es zwischenzeitlich Grußworte, Glückwünsche und Geschenke zum Jubiläum. So gratulierte die Kirchgemeinde Gleichamberg mit einem Präsentkorb für die Chorunterstützung, eine Linde hatte die Braugemeinde Gleichamberg dabei. Der Sportverein, der MCV und die Storchenbühne hielten ebenfalls reichlich feste und flüssige Nahrung für die Sänger bereit. Imker und Geflügelzüchter schlossen sich der Gratulationskur an. In seinem Grußwort drückte Bürgermeister Heiko Bartholomäus seine Freude darüber aus, dass „Traditionen nicht nur gepflegt, sondern weiter getragen werden“. Bereits als Kind habe er den Chor bei vielen Anlässen erleben können, erinnerte er sich als Milzer. Und auch Landrat Sven Gregor, dem der Abend sichtlich Spaß machte, dankte für das großartige Engagement des Chores, sah natürlich in der nun 230-jährigen Tradition eine Verpflichtung. Beide Gäste kamen natürlich auch nicht mit leeren Händen zum Jubiläum. Dem schloss sich auch Pfarrer Lukas Rinecker mit seinem „homöopathischen Mittel“ an. Was ihre Sangesfreude betraf, so habe er „keinen Feiertag in der Kirche ohne Chor erlebt“. Und so rief er alle auf „Singt, liebe Milzer, singt auch für euch selbst, Singen macht gesund und glücklich“.
Diesen Gedanken setzte Stefanie Schmidt, eine junge Frau mit Talent für Gesang und den richtigen Worten um, die meinte, „nichts ist so tolerant wie eine Hand voll Glücklichkeit“. Musikalisch schlug sie vor: „Komm wie bau’n zusammen eine Utopie, komm wir verändern jetzt die Welt mit ein kleines bisschen Liebe“. Nicht nur verneigt, sondern regelrecht verbogen hatten sich die „Drei Tenöre des Milzer Karnevalsverein“ (Sascha Lautensack, Michael Thoms und Christian Hözer) bei ihrem ganz besonderen Gesangsvortrag vor ihren Chorfreunden. Da hallten die Zugaberufe bei „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ durch den Saal. „Nach einem solchen Auftritt haben wir es natürlich schwer“, meinte Katrin Eppler, Leiterin der Gesangsgruppe „Da Capo“. Doch weit gefehlt. Mit ihren herausragenden Einzelstimmen ließen sie die „Europahymne erklingen“ und feierten im wahrsten Sinne „ein Fest der Freude“. Seit über 25 Jahren sind sie auch schon bei verschiedenen Anlässen in der Kirche mit dabei“ erklärte Katrin Eppler. Mitgebracht hatten sie auch ein Lied aus der Singebewegung aus der DDR-Zeit, ungeachtet politischer Barrieren. Erinnern sie sich noch, als es hieß: „Jedermann liebt den Samstagabend…“, das schließlich der ganze Saal mit sang, nachdem es abwechselnd englisch, russisch und japanisch gesungen wurde. Musik kennt eben keine Grenzen. Nicht zu vergessen der Vortrag von Lukas Klopf von der Kirmesgesellschaft, der Anekdoten aus dem Archiv in lustigen Versen dem Publikum servierte.
Schließlich war es am Chor, diesen Abend auf spielerischer und gesanglicher Art mit einer kleinen Reise durch ihre Chorgeschichte zu beschließen. „Jahre kommen und Jahre geh’n“ passte ebenso dazu wie das Brauhauslied von Milz oder die frühere Entlohnung des Chores mit „Ein Heller und ein Batzen“. Einen kleinen Sketch hatten sich Frank Pommer und Dietmar König ausgedacht. Schließlich stellte Rudi Frank seinen Chorleiter-Nachwuchs Georg Klopf vor, der mit „Arcobaleno“ (Regenbogen) ein buntes Programm ausklingen ließ. Da blieb Ekkehard Graf nur, allen zu danken, die diesen wundervollen Abend mitgestaltet haben, bevor das Rennsteiglied lautstark durch den Saal hallte. Am Samstag schloss sich schließlich ein großer Chorabend mit neun Gastchören an.