Drei Hypochonder von Zimmer 13
Die umfangreichen Vorbereitungen und intensiven Proben zum neuesten Stück der Theatergruppe „Lampenfiebär e.V.“ sind vergessen. Am vorigen Samstagabend (28.3.26) war Premiere im Kulturhaus Roth.
Roth – „Wenn ein Theaterprojekt entsteht, dann ist es kein Selbstlauf und entsteht nicht von allein“, gesteht Beatrix Frank zur Begrüßung dem Publikum in einem voll besetzten Saal, die zusammen mit Yvonne Scherch die Regie zum Stück übernommen hat. Da gehören zunächst viele Helfer dazu, die Laienspieler selbst, die für ihr Hobby viel Zeit opfern würden und natürlich der Förderverein „Kulturhaus Roth e.V.“, der die Theatergruppe unterstütze, so Frank weiter. Ein Dank galt auch ihren beiden Mitstreiterinnen Doris Leipold und Heidrun Bretschke, die sich um organisatorische Dinge kümmerten. Glücklicherweise hat die Theatergruppe mit Mathias Gottschalk einen Handwerker in ihren Reihen, der u.a. eigens für die drei Hypochonder die Betten baute und selbst mitwirkt.
Die gute Zusammenarbeit zwischen Theatergruppe und Förderverein kann auch Vereinsvorsitzender Sven Nawrath in einem Gespräch am Rande der Vorstellung bestätigen. Es sei eben „ein Geben und Nehmen, wie es für eine Zusammenarbeit nötig ist“, so Sven Nawrath. Bei den insgesamt acht Vorstellungen übernehme der Förderverein die Versorgung für drei Veranstaltungen, die anderen sichert der Theaterverein ab. Trotzdem sei es ein „Hand in Hand arbeiten“, ergänzt Thomas Kühner vom Förderverein, „denn da werden
Insgesamt eine Menge Leute gebraucht, vom Parkplatz einweisen bis zum Bratwurst braten“. Ganz nebenbei wollten beide noch loswerden, dass im Herbst das 50-jährige Jubiläum des Rother Kulturhaus ansteht.
Wenn es tröpfelt wie bei einem verrosteten Wasserhahn
Doch am Samstag stand natürlich die Premiere des Stückes im Vordergrund. Und wenn sie ein Kribbeln oder Kitzeln im Bauch verspüren, meinte Beatrix Frank zur Einstimmung, dann habe das weniger mit Krankheiten zu tun, sondern eher etwas mit dem Zwerchfell. Damit sollte sie richtig liegen, denn es brauchte von Anfang bis Ende nicht die Aufforderung „Lach mal wieder“. Dafür sorgten die drei Hypochonder mit ihren (nicht) angetrauten Frauen und das Team der Urologie, denn das war der Schauplatz. Nun sind Hypochonder bekanntlich Menschen, die unter einer übermäßigen Angst leiden, schwer krank zu sein oder zu werden. Aber diese Männer auf Zimmer 13 plagte noch etwas anderes als die vor einer Krankheit. Denn es ist doch ganz gegen den allgemeinen Trend, dass es im Krankenhaus so schön sein soll, dass man gar nicht gleich wieder nach Hause will.
Da wäre der Ernst (Enrico Lietz) mit seinen Nierensteinen, der es zwar dick hinter den Ohren hat, aber seine Mutti Luise (Regina Jünger) doch ein wenig kindlich behandelt und keinen Widerrede duldet, bei dem, was für ihn gut ist. Der von Hämorrhoiden geplagte Gustav (Mario Anschütz) ist zwar noch Junggeselle, doch seine auf Schönheit bedachte Langzeitgeliebte Ilsebillse (Katja Amrell) mit ihrem Redefluss bringt ihr „Haselmännchen“ ganz schön in Bedrängnis. Als Bettnachbarn bekommen die beiden dann den jammernden Willi (Andy Leipold), der unter der strengen Fuchtel seiner Marga (Erika Kühner) steht. Sie erklärt seinen Zimmergenossen die Blasenschwäche ihres Mannes, bei dem es immer tröpfelt wie bei einem Wasserhahn, der schon leicht Rost angesetzt hat.
Gesundheitsreform lässt grüßen
So haben sich die drei Herren gesucht und gefunden, stehen aber unter dem strengen Regime von „Schwester Heinz“ (Mathias Gottschalk), die rechte Hand von Dr. Blase (Marcel Dreßel). Bei seiner Behandlung darf man sich nicht ganz sicher sein, da der kurzsichtige Dr. Blase gern einmal die Zimmer verwechselt. Den herrschenden Personalmangel, ein Schelm, wer hier aktuelle Zusammenhänge vermutet, scheint die junge polnische Putzfrau Lischka (Hannah Blaurock) mehr als auszugleichen. Hannah Blaurock ist die jüngste im Team und spielt ihre Rolle ausgezeichnet. Lischka hat ein Herz für ihre Patienten und versorgt sie mit Zigaretten und Alkohol. „Doch wenn ihr nix aufpasst, dann ich kann eich damit nix mehr versorgen“, erklärt sie den dreien und wedelt mit ihren universellen Putzlappen.
Wie sich die ganze Sache nun entwickelt und wo die drei Kranken schließlich landen, erfährt das Publikum auf sehr lustige Weise. Auf jeden Fall wird das Zwerchfell zu tun haben, denn Spaß und Humor sind garantiert. Und sollte jemanden mal kurzzeitig vor Aufregung ein Wort entgangen sein, helfen die Souffleusen Heike Anschütz und Constanze Hütter aus. Das alles bei richtiger Beleuchtung gut verstanden wird, dafür zeichnet Benny Fenzlein verantwortlich.