Die Sächsische Landwehr im Kreisgebiet
Zur Buchpräsentation zum Thema Landwehr hatte am Freitag (07.03.2026) das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) gemeinsam mit der Gemeinde der Steinsburgfreunde in den Saal der Raiffeisenbank nach Römhild eingeladen.
Römhild – Der Leiter des Steinsburgmuseums und Gebietsreferent des TLDA für Südthüringen, Mathias Seidel und Johannes Bäumert, Vorsitzender der „Gemeinde der Steinsburgfreunde“ konnten einen großen Besucherkreis von knapp 100 Natur- und Heimatfreunden, Ortschronisten und weitere interessierte Bürger zwischen Meiningen und Sonneberg begrüßen. Vorgestellt wurde das neueste Buch von Ines Spazier, Diplomprähistorikerin und Gebietsreferentin des TLDA Ostthüringen mit dem bezeichnenden Titel „Die Sächsische Landwehr – eine befestigte Grenze im Landkreis Hildburghausen“. Das Buch wurde dem unvergesslichen Willfried Büttner aus Jüchsen gewidmet (siehe gesonderten Beitrag), dem ehemaligen Lehrer, Gebietsreferenten des TLDA und einstigen Leiter des Steinsburgmuseum für seine Verdienste um die Erforschung der Landwehr. Wer das Buch nach seiner Vorstellung in den Händen hält wird feststellen, darin steckt Heimatkunde pur.
Das längste Bodendenkmal Thüringens
Ines Spazier kennt unsere Region aus ihrer Arbeit und fühlt sich ihr auch heute noch sehr verbunden, wie sie bei der Buchvorstellung betont. Zahlreiche Publikationen wie z. B. „Burgruine Henneberg“ oder „Die Grafschaft Henneberg und ihre Klöster“ sind Beweis dafür, so auch die Sonderveröffentlichung zur Landwehr. Das Projekt Sächsische Landwehr habe sie besonders in ihren Bann gezogen, so Spazier. „Wenn sie Willfried Büttner ehren wollen“, so Spazier an ihre Zuhörer, „dann besuchen sie nicht nur das Heimatmuseum in Jüchsen, sondern besuchen sie die Landwehr“. Sie selbst sei innerhalb der letzten 20 Jahre die gesamte Landwehr im Landkreis Hildburghausen abgelaufen, das seien exakt 63, 3 Km.
Sie nimmt ihren Anfang bei Lichtenau (Gem. Schleusegrund), wo die Biber in die Schleuse mündet, verlief über den Solaberg bei Poppenwind und folgte dann dem Dambachsgrund bei Ebenhards (noch gut sichtbar). Von da aus verlief sie nahe Reurieth mit einem wunderbar erhaltenen Doppelgrabenabschnitt über den Höhnberg geradewegs auf Zeilfeld zu, westlich an Roth vorbei ins Milztal zwischen Simmershausen und Gleicherwiesen. Als weitere Markierungspunkte sollen hier der Hexenhügel bei Haubinda, der Kornberg bei Linden und der Spanshügel bei Leitenhausen (geschleiftes Dorf) genannt werden. Sie führte entlang der thüringisch-bayerischen Grenze zwischen Gompertshausen und Alsleben weiter nach Albingshausen/Rieth und weiter nach Schweickershausen/Ermershausen (Bayern) bis nach Poppenhausen nahe dem bayerischen Gleismuthhausen.
Die Landwehr – ein lebendes Grenzhindernis
Was war die Landwehr, so fragte Ines Spazier, um eine Antwort darauf aus ihrem Buch zu geben. Die Landwehr geht zurück auf einen Vertrag von 1424 zwischen Landgraf Wilhelm von Thüringen und Markgraf von Meißen und Georg von Henneberg-Aschach-Hartenberg. Aus zwei Abschnitten bestehend, der Hildburghäuser Landwehr und der Römhilder Landwehr, sei die Sächsische Landwehr hervorgegangen, so Spazier. Es war ein Schutzvertrag zwischen den Wettinern und den Hennebergern, ein lebendes Grenzhindernis mit einem Grabensystem, das beide Seiten vor fremden Übergriffen, vor allem auch durch das stärker ausufernde Raubrittertum schützen sollte. Auf den 200 Buchseiten hat Ines Spazier die Struktur der Landwehr mit ihren aufgestellten Tafeln und alles was dazu gehört, ausführlich beschrieben. Zur Kartierung dienen 46 Kartenblätter und es werden die von Willfried Büttner aufgestellten 25 Infotafeln genannt. So gehören Forschungen zur Landwehr als Bodendenkmal zu den großartigen Ergebnissen der Archäologie.
Auf ihren 63,3 Km langen Weg gab es einfache und Doppelgräben, einfache und zweifache Wälle. Nur auf sehr kurzen Strecken (unter 1 km) gab es Dreifachgräben und dreifache Wälle. Hinzu kamen Begleitwege entlang der Landwehr, die von den „Landwehrbereitern“ als Bewacher der Landwehr benutzt wurden. Erbaut und gepflegt werden musste die Landwehr von den jeweiligen Gemeinden. Dazu zeigte Spazier ein Schriftstück, in dem es u.a. heißt: „...Wilhelms Vogt zu Heldburg soll mit dessen armen Leuten die Landwehr hinter dem Körnberg (cornberg) nach Trappstadt (Trapstat) hin beginnen und am Dorf Linden hinab bis an die Steinfurt an der Milz errichten, des Grafen Vogt zu Hartenberg soll die dortigen Leute von der Furt hinauf bis an den Gleichberg graben und oben um den Gleichberg herum verschlagen und verhauen lassen bis an die Landwehr zu Roth (Rode). Die Parteien haben zwei Schlagbäume in Linden und Gleichamberg zu errichten und für jeden Schlagbaum einen Beauftragten zu ernennen, der die Schlüssel hält…“
Schlagnachbildung und Grenzsteine
Für den Grenzverkehr gab es 29 Durchlässe, sogenannte Schläge (Tore). Auf Initiative von Willfried Büttner entstand 2001 an der Landwehr am Fuße des Höhnberges zwischen Reurieth und Ebenhards eine absolute Neuheit. Denn an jener Stelle, wo es einen ehemaligen Durchlass (einen Schlag) gegeben haben soll, steht seit dem 9.9.2001 ein Tor, das nach alten Vorlagen und Zeichnungen errichtet worden war. Da es Büttner stets auf Genauigkeit ankam, musste das Tor so breit sein (3,20 m), dass ein Leiterwagen hindurch passte. Die Stelle wurde keineswegs wahllos ausgewählt, sondern dort sind eben die Doppelgräben und Wälle noch besonders gut erhalten. Solche gut sichtbaren Landwehrabschnitte würden sich nach den Worten von Ines Spazier natürlich gut für eine Vermessung eignen. Natürlich verändere sich leider das Aussehen, weil manche Vertiefungen oft für Ablagerungen benutzt werden, z. B. auch bei Forstarbeiten. Aber es gebe auch andere Beispiele, wo bei Forstarbeiten Landwehrstücke freigeräumt wurden, erklärte Spazier.
Natürlich seien entlang der Landwehr auch noch Grenzsteine zu finden, die direkt mit der Landwehr in Verbindung stehen oder später als Grenzsteine gesetzt wurden. Aber auch bei den anderen gesetzten Steinen sei oft die Landwehr als Grenze angenommen worden. So gäbe es die Landwehr- oder Hagsteine, aber auch Wappen- und Zentsteine oder sogenannte Jagdsteine, die Jagdreviere abgrenzen. An der Landwehr bei Ebenhards/Neuendambach stehen Grenzsteine von 1842 mit der Aufschrift KP und HM, also Königreich Preußen und Herzogtum Meiningen. Auch hier informiert eine Info-Tafel über die verschiedenen Gemarkungen. Die Landwehr trenne hier später die Ämter Hildburghausen und Themar. Auch an vielen anderen Standorten stellen die Tafeln wichtige Informationsquellen dar. Wer sich stärker für die regionale Geschichte interessiert oder Abschnitte der Landwehr begehen möchte, dem wird mit dem Buch ein Stück Heimatgeschichte und zugleich Wegbegleiter in die Hand gegeben. Das Buch ist im Steinsburgmuseum käuflich zu erwerben. Im Anschluss referierte Thomas Schwämmlein, ehrenamtlicher Kreisheimatpfleger im LK Sonneberg über dasLeben und Wirken von Willfried Büttner.