90 Jahre Waldbad Römhild
Bei wahrhaftig hochsommerlichen Temperaturen wurde ein Rekordbesuch von 700 Badelustigen registriert, die alle gemeinsam das 90-jährige Bestehen des Waldbades Römhild feierten.
Römhild – In idyllischer Lage am Fuße des Großen Gleichberges, eingebettet in das Grün des Waldes und gespeist von den Quellwässern des Gleichberggebietes, lädt das Schwimmbad zu einem erfrischenden Bad und zur Erholung ein. Erreichbar ist es mit Fahrzeugen über die Hildburghäuser Straße (2 km von Römhild) oder auf Wanderwegen, ob von Römhild oder umliegenden Orten. Mit einem Schwimmbadfest wurde am Samstag, 27.2.2026 das 90-jährige Jubiläum des Waldbades mit einem Badespaß für die ganze Familie gefeiert. Dazu eingeladen hatten der neu aufgestellte „Schwimmbadverein Römhild“ (seit einigen Tage e.V.) mit seinem Helferteam, der Schwimmbadgruppe, Schwimmmeister Tino Tessmer und die Stadt Römhild. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Beigeordneten der Stadt, Bernd Wachenschwanz, der sich auch als Gleichamberger gut an frühere Besuche im Waldbad erinnern konnte, hieß es rein ins kühlende Nass. Das war Badevergnügen pur.
Für dieses Schwimmbad-Jubiläum hatten sich die Mitglieder des Fördervereins mit dem Führungstrio Christian Brachmann (Vorsitzender), Juliane Friedrich (Stellvertreterin) und Antja Weidlich (Kassenwart) mächtig ins Zeug gelegt. Unterstützung habe der Verein auch durch den Bauhof der Stadt erfahren, so Brachmann. Für die Unterhaltung auf dem Rasen und für Spaß im Wasser sorgte Patricia Volkmar mit ihren „Dance-Kids Römhild“, wobei sie auch die Erwachsenen einbezog. Ihre Tanzkurse finden jeweils Dienstagnachmittag im Vereinsheim der RKG statt, erklärte sie. Getanzt werde da auch immer nach bekannten und aktuellen Hits. Am Samstag zeigten die Mädchen (ein Junge war auch dabei) in drei Gruppen was sie bereits erlernt hatten. Sportliche Übungen waren nicht ausgeschlossen. Sie legte aber auch Wert aufs Mitmachen und forderte die Gäste auf „Handys weg und mitmachen“.
War das Mitmachen auf den Rasen noch etwas zögerlich, so waren Klein und Groß später bei der „Aqua-Tanzshow“ mit Patricia Volkmar voll dabei. Da hatten alle „Oben gute Laune, unten gute Laune….gute Laune überall“. Für zusätzlichen Badespaß sorgten die Schwimmmeister Tino und Achim Tessmer mit einem Wasser-Strahlrohr. Auf andere Wettbewerbe verzichtete man angesichts der vielen tummelnden „Wasserratten“. Ein Tag mit Schwimmwettbewerben würde sich sicher zu einem anderen Zeitpunkt einmal anbieten.
Der Verein und sein Maskottchen
Natürlich war an diesem Tag auch die Versorgung gesichert. Auf ihre Unterstützung konnte das Vereinsteam bei der Kuchen backenden Schwimmbadgruppe zählen, so dass Juliane und Antje in ihrer „Kaffeestube“ alle Hände voll zu tun hatten. Ein schattiges Plätzchen, um Kaffee und Kuchen zu genießen, fand sich schließlich unter den überdachten Sitzgruppen, unter Bäumen oder Sonnenschirmen. Für Herzhaftes vom Grill sorgte die Landmetzgerei Römhild, während im Kiosk Ulrike Heusinger und Nicole Kling die Badegäste mit Getränken, Eis, Pommes oder Würstchen versorgten. Nicht zu vergessen sei Ute Schmidt, die „gute Seele des Waldbades“ an der Kasse, meinte Christian Brachmann. Sie habe immer ein paar nette Worte für alle übrig und verstehe es auch ganz gut mit den Kindern umzugehen. Und noch etwas soll an dieser Stelle unbedingt genannt werden, das neue Waldbad-Maskottchen „Robbe Sammy“, extra angefertigt von Christian Mendel, das dem Schwimmbad Glück und viele Badbesucher bringen soll.
Für den Verein sei natürlich das Schwimmbadfest gut geglückt und gut gelaufen, meinte das Trio. Doch sei ein solcher Verein kein Selbstläufer, sondern verlange eine Menge Energie und Einsatz, meinte der Vorsitzende. „Diese wunderschöne Badanlage müsst ihr unbedingt erhalten“, so oder ähnlich habe er es immer wieder gehört. Das sei auch das gemeinsame Ziel in Zusammenarbeit mit der Stadt als Träger. Doch zur Unterstützung brauch es viele Helfer und auch Vereinsmitglieder. Ein Mitgliedsbeitrag von einem Euro/Monat sei dabei wirklich nur symbolisch. Neben den Erwachsenen möchte man natürlich als Zielgruppe besonders die Kinder und Jugendlichen erreichen. Sorgen machen dem Verein vielmehr die bürokratischen Hürden und die langsam mahlenden Mühlen der zuständigen Ämter, erklärte Christian Brachmann. So müsse im Registergericht eine Korrektur zum offiziellen Eintrag vorgenommen werden, doch das dauere eben. Ohne diese Unterlagen könne der Verein aber kein Bankkonto eröffnen. Doch er sei zuversichtlich hinsichtlich einer baldigen Lösung.
Die nächsten Höhepunkte für das Waldbad stehen bereits fest. So wird es am 17. Juli einen Abend mit Hip Hop, Reggea und Dancehall geben und am 18. Juli die „Oldie-Nacht“mit der Live-Band „Bar-Rock“. Eintritt an beiden Tagen frei.
Historische Splitter zum Jubiläumsbad
„Das Bad wurde 1936 eröffnet und bietet traditionell einen unverbauten Blick auf die Steinsburg“, ein Satz der wohl vor sehr langer Zeit einmal ausgesprochen worden ist. Heute ist das Waldbad, wie es der Name schon richtig deutet, ringsum von Mischwald mit wunderschönen Einzelexemplaren umgeben. Beim Bau des Bades war der Stadt entgegengekommen, dass bereits ein großes Loch, eine Lehmgrube, vorhanden gewesen sei, da dort zuvor Ton für den Töpferhof Gramann geholt worden sei. Unverbaut stimmt immer noch und die Steinsburg sendet nach wie vor Grüße zum Bad, allerdings über die Baumwipfeln hinweg. Aber Bilder auf einer Schautafel im Schwimmbad erinnern an jene früheren Jahre und an vieles andere mehr rund um das Waldbad. Dazu trägt sicher auch der Weihespruch zur Einweihung des Schwimmbades bei, indem es u.a. heißt: „Ein Schwimmbad liegt vor uns schön von Gestalt, hier soll sich freuen Jung und Alt“.
Einer, der sich an frühere Zeiten noch recht gut erinnern kann, ist Norbert Wirsching, den Römhildern und vielen anderen wird er einmal als „Keule“ im Gedächtnis bleiben. Schon als Kind mit dem „alten“ Bad vertraut, hat er an seine Schwimmmeisterzeit von 1972 bis 1976 viele Erinnerungen und Storrys, die ganze Seiten füllen würden. „Das Bad hatte von 08.00 bis 20.00 Uhr geöffnet, der Eintritt für Kinder kostete 10 Pfennig, für Erwachsene 20 Pfennig, sagte Keule. Früh um 07.00 Uhr musste gechlort werden“, erzählt er. „Das trübe Wasser musste klar werden, doch das klappte nicht immer, weil zu DDR-Zeiten auch das Chlor knapp war oder die Filteranlage nicht funktionierte. Mit einer Flasche Chlorgas, Kalk und Wasser haben wir Chlor selbst hergestellt. Auch wenn es manchmal trüb war, auf das Baden wollte niemand verzichten. Abends war oft noch Betrieb über die Zeit hinaus“, erinnert sich Norbet Wirsching (heute Ü 80), da sei es manchmal später geworden und er habe dann in der Anlage geschlafen. Es sei einfach schön gewesen und manche verrückte Dinge wurden gemacht.
Es war der “Summer of sixty-nine”
Zum Sprungturm gehörten z.B. noch zwei Ein-Meter-Sprungbretter. Da wurde vom Dreier auf den Einer gesprungen, um mit Schwung einen Salto zu machen. „Das war früher das Highlight“ bestätigt der 74-jährige Wolfgang Reiske aus Bedheim und gebürtiger Römhilder. Sein Onkel, Horst Heim, sei ebenfalls eine gewisse Zeit Schwimmmeister gewesen, so dass er oft im Schwimmbad war und sich noch gut an frühere Zeiten erinnern kann. Einmal habe eine Band im Bad gespielt, da sei es durch den hohen Stromverbrauch dazu gekommen, erinnert er sich, dass die Verteilerdose richtig geglüht habe.
Es war der „Summer of sixty-nine“ (so hieß 1984 ein Hit von Bryan Adams, der das Jahr 1969 besang -aber nicht autobiografisch- das von der Jugendnostalgie handelte, erinnert sich Klaus Theilig per Fotos genau an dieses Jahr und an viele andere Dinge. Zum Beispiel wie das Bad vor dem Umbau ausgesehen hatte mit seinen Einzel-und Gruppen-Umkleidekabinen, den aus Holz vorhandenen Fahrradständern und dem Holzhäuschen, wo kassiert wurde.
Mitte der 1970er Jahre erfolgte ein grundlegender Umbau, so wie wir das Waldbad heute vorfinden, natürlich folgten stetig auch Verbesserungen. Die Sanitäranlage wurde errichtet und weitere Instandhaltungen wurden durchgeführt. 1987 wurden die Sprungbretter (1m, 3m) erneuert, aber später aus Sicherheitsgründen die Einmeter-Sprungbretter abgebaut. Schließlich wurde eine Trennung zwischen dem Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken (50-Meter-Bahn für Wettkämpfe geeignet) vollzogen. Das Nichtschwimmerbecken hat eine Länge von 20 m und ist zwischen 0,60 m und 1,10 m tief. Ein Volleyballfeld ist in der großzügigen Anlage 1996 hinzugekommen. Seit dieser Saison sorgt eine durch Schwimmmeister Tino Tessmer organisierte und aktivierte Solaranlage dafür, das Kinderbecken zusätzlich zu erwärmen.
Heute mit seiner Frau Ingrid noch eifriger Schwimmbadbesucher, möchte er auch diese schöne, unbeschwerte Zeit nicht missen. So wie Klaus Theilig trifft man viele Besucher an, die sich an verschiedenen Zeiten gerne erinnern. Dazu gehören auch Christine Hayung, die sich als ehemalige Kioskbetreiberin an die Zeit erinnern kann, als die in Römhild stationierten Grenzsoldaten das Schwimmbad besuchten oder Thomas Haupt, dessen Vater Winfried ebenfalls einmal als Schwimmmeister tätig war. So wird mit dem Schwimmbadverein und der jüngeren Generation die Waldbad-Geschichte fortgeschrieben werden.