Vereins-Ära Bock nach 71 Jahren Geschichte
Das diesjährige Sommerfest des „Kleintierzuchtvereins e.V. Haina“ (KTZV) stand unter einem besonderen Stern, der Verabschiedung des bisherigen Vereinsvorsitzenden Wilfried Bock.
Haina – Die sehr idyllisch gelegene und großzügig angelegte Gemeinschaftsanlage des KTZV Haina, unmittelbar an der L1131 (Ortsdurchfahrt) gelegen, dürfte sogar über die Kreisgrenzen hinaus einmalig sein. Diese Anlage im Grünen bietet zusammen mit dem Vereinsheim beste Voraussetzungen für die Haltung von Gänsen, Enten und Hühnern. Ja sie sei mehr als das, nämlich eine „Oase der Erholung“, meinte Wilfried Bock. Der passionierte Geflügelzüchter leitete 39 Jahre den Kleintierzuchtverein, wobei diese Anlage mehr als sein zweites Wohnzimmer war. Doch nach 39 Jahren als Vereinsvorsitzender sei für ihn einfach ein Zeitpunkt gekommen, den Vorsitz an Jüngere zu übergeben und in die zweite Reihe zu rücken. Gleichzeitig sorgte er für einen nahtlosen Übergang beim Vereinsvorsitz.
Die Neuwahl fand zwar bereits Anfang des Jahres 2026 statt, so der neu gewählte Vereinsvorsitzende Stefan Weiß, doch biete das traditionelle Sommerfest des Vereins, gepaart mit einer Geflügelausstellung, den richtigen Rahmen für eine Ehrung von Wilfried Bock. Und sie waren auch alle der Einladung gefolgt, die Vereinsmitglieder, der Vorsitzende des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter, Marcus Beck, Mario Arnold vom Kreisverband Meiningen sowie die Jugendleiterin des Landesverbandes, Nadine Abe und weitere Besucher.
Wilfried als Verwalter, Organisator und Vorreiter
„Heute ist ein ganz besonderer Tag“, begann Stefan Weiß seine Hommage, „denn wir verabschieden unser Vereinsmitglied Wilfried Bock als ehemaligen Vorsitzenden. 39 Jahre hat er die Geschicke unseres Vereins geleitet und ihn geprägt“. 39 Jahre, das sei länger als mancher überhaupt in einem Verein Mitglied ist, meinte Weiß. Wenn man bedenkt, was in dieser Zeit alles passiert ist, so der neue Vorsitzende weiter, könne man mit Fug und Recht sagen: „Wilfried kennt den Verein besser als seine Westentasche“. Wilfried Bock sei nicht nur Verwalter und Organisator gewesen, sondern auch Vorreiter, wenn es um die Erhaltung und Gestaltung der Gemeinschafts-Zuchtanlage ging. Denn er habe früh erkannt, wie wertvoll diese Anlage für den Verein und für Rassegeflügelzucht sei.
Danke für alles, anke Helga
In all den Jahren, die Wilfried für den Verein tätig war, könne die Zeit nicht in Stunden ausgedrückt werden, so Stefan Weiß. Er war überall aktiv dabei, ob bei der Ausgestaltung von Schauen, bei Einsätzen in der Anlage oder im Vereinsheim. Er war einfach immer präsent. Eine Eigenschaft, die ihn auszeichne, „er war geduldig, wenn es um die Sache ging, brachte Verständnis für seine Gesprächspartner auf, konnte aber auch hartnäckig sein“, so Weiß. „Danke Wilfried für deine Organisation, deine Ideen und dein Durchhaltevermögen. Danke für all die Dinge, die im Hintergrund passiert sind und für manches Vereinsmitglied unbemerkt blieben. Sein Dank galt aber ebenso seiner Ehefrau Helga, die oft gefragt habe, „wann kommst du heute heim?“ Sie habe ihn all die Jahre stets unterstützt, ihn in seiner Arbeit bestärkt und Verständnis für die vielen Vereinsstunden aufgebracht.
Auch Mario Arnold wusste seine Tätigkeit hoch zu schätzen. Vor 13 Jahren habe er den Vorsitz im Kreisverband von Eberhard Gundelwein (Haina) übernommen und 13 Jahre mit Wilfried Bock sehr gut zusammengearbeitet. Nun sei für ihn die Zeit gekommen loszulassen, aber dennoch weiter aktiv mitzuwirken. Wilfried Bock wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Wilfried und die Familien-Ära Bock
Gerührt, bedankte sich Wilfried Bock bei den Gästen und seinen Vereinsmitgliedern. Im Gespräch mit Wilfried Bock war zu erfahren, dass er so alt sei wie der Verein. Zwar war er bei der Vereinsgründung am 1. April 1950, bei der sein Vater Erich dabei war, noch nicht geboren, meldete sich aber zwei Monate später auf dieser Welt an. Die ersten fünf Vereinsjahre habe der Vereinsvorsitzende bereits mehrmals gewechselt, bevor sein Vater die Geschicke des Vereins in die Hand genommen habe. 32 Jahre habe dann sein Vater Erich den Verein geführt, bevor er in seine Fußstapfen trat und den KTZV Haina weitere 39 Jahre erfolgreich weiterführte. Nun sei nach 71 Jahren die Familien-Ära zu Ende, sagte Wilfried Bock, doch werde er dem Verein und seinem Züchterhobby treu bleiben.
Als Mitglied und Züchter schon vor seiner Tätigkeit als Vorsitzender und natürlich die 39 Jahre hinterlassen viele schöne Erinnerungen, meinte Wilfried Bock, der für mich bei vielen Begegnungen stets ein angenehmer und gefühlvoller Gesprächspartner war. Da er gewissermaßen die gesamte Vereinsgeschichte mitgestaltete, ihre Höhen und Tiefen miterlebte, war es nicht zu umgehen, auf wenige Abschnitte zu verweisen. „Das Interesse bei der Jugend an der Kleintierhaltung war damals groß gewesen“, erinnert sich Wilfried Bock an die frühere Zeit, „aber viele hätten zu Hause wenig Möglichkeiten dazu gehabt“. So gehörten Eberhard Gundelwein und sein Vater zu den Initiatoren zum Bau einer Gemeinschaftsanlage, die 1972 begonnen wurde. Aus einem Sumpfloch sei Schritt für Schritt die heutige Anlage mit Teich entstanden, die zu den Arbeiterfestspielen 1978 eingeweiht worden ist. Heute befinden sich 14 Häuser für Hühner und sechs für Wassergeflügel in der Anlage, dazu eine Volliere für Tauben.
Leide hatte der trockene Sommer auch Auswirkungen auf die Wassersituation in der Anlage, da die Springquelle kein Wasser mehr von sich gab. Eine schwierige Zeit für Wassergeflügel, erklärte Stefan Weiß. Mit Unterstützung der Brunnenbaufirma von Martina Gängel wurde der Bau eines eigenen Brunnens in Angriff genommen. So warten schon die nächsten Aufgaben auf den neuen Vorsitzenden. Doch am Sonntag wurde erst einmal zusammen mit der Familie Bock gefeiert.