Literarischer Wanderweg Thüringens bei Römhild eingeweiht
Die Begrüßung im Schlosshof der Glücksburg in Römhild (3.5.2026) und die anschließende Wanderung auf dem Harald Gerlach-Wanderweg wird allen Anwesenden und Mitwanderern wohl lange in Erinnerung bleiben.
Römhild – Mehr als 60 Leute füllten am vergangenen Sonntagmorgen bei wunderschönem Wanderwetter den Schlosshof, als Bürgermeister Heiko Bartholomäus alle zu einem außergewöhnlichen Ereignis begrüßen durfte. Es war die Eröffnung und Einweihung des ersten literarischen Wanderweges in Thüringen, dessen Wanderweg „Zum Greifen nah die Landschaft. Eine literarische Wanderung mit dem Dichter Harald Gerlach“ nach einem neuen Konzept gestaltet werden konnte. Literarische Spuren hinterließen in Thüringen bereits Goethe und Schiller, denen man auf deren nach ihnen benannten Wanderwegen nachgehen kann. Und doch sei der „Literarische Wanderweg“ etwas Besonderes, wie es Jens Kirsten zur Einstimmung auf die Wanderung formulierte, „weil sich bei der Wanderung jeder selbst mit den Gedichten, der Landschaft und dem Dichter auseinandersetzen muss. Mehr noch, es ist eine geistige Auseinandersetzung mit der Welt, mit der Region und der Landschaft. Der Wanderweg auf Harald Gerlachs Spuren bettet sich in die Landschaft ein, von der er begeistert war und die ihn mit geprägt hat“.
Der Literaturwissenschaftler Jens Kirsten, Geschäftsführer des „Thüringer Literaturrates e.V.“ Weimar, gehörte zu den Gästen, die Heiko Bartholomäus ganz besonders begrüßte. Sein Vater Wulf Kirsten war ein enger Dichterfreund von Harald Gerlach, den er „in den drei Jahrzehnten seines Schaffens als ein in allen Genres versierten Autor“ bezeichnete. Als weitere Gäste konnte Bartholomäus die beiden Söhne Harry Gerlachs, Jakob und Justus Olbrich (Name seiner verstorbenen Frau Bettina Olbrich), Harald Gerlachs Schwester Gabi Seeling mit Tochter Sabine und Katja Lüpfert von der „Kulturstiftung Thüringen“ willkommen heißen. Die Kulturstiftung verleiht alljährlich das Harald Gerlach – Landesliteraturstipendium. Allen sei es mit zu verdanken, dass dieser literarische Wanderweg entstanden sei.
Der Bürgermeister verwies mit seinen Worten darauf, wie es dazu gekommen ist. Als vor ca. drei Jahren Jens Kirsten vom Literaturrat in Weimar bei ihm angefragt habe, ob „Interesse an einem Wanderweg zu Harald Gerlach“ bestehe, sei er sofort davon begeistert gewesen. Er habe aber ehrlicherweise nicht zu allererst an Harald Gerlach gedacht, sondern daran, dass es ein wichtiger Teil des Tourismuskonzeptes sein kann, das neben der Keramik in der Region das Interesse an die Literatur beflügeln könnte. Außerdem habe es der Dichter und Schriftsteller Harald Gerlach als ehemaliger Römhilder, der auf dem Friedhof in Römhild beigesetzt wurde, längst verdient, wieder entdeckt zu werden.
Harald Gerlach – Zeit, ihn wieder zu entdecken
Zur Zusammenarbeit für dieses Projekt mit dem Thüringer Literaturrat und der Stadt Römhild wurde die Gemeinde der Steinsburgfreunde mit ins Boot geholt, was sich als überaus erfolgreich erwiesen habe, so Heiko Bartholomäus. Besonders dankte er Johannes Bäumert als Vereinsvorsitzenden und Horst Worliczek, der die „Wegführung für diesen Wanderweg entwickelt hat“, weil er sich in der Natur der Region bestens auskennt. Für Jens Kirsten sei es eine besondere Freude gewesen, dass er hier die richtigen Mitstreiter gefunden habe. „Ich habe aus mehreren Gründen an Römhild gedacht“, meinte Kirsten. Zum einen ging es ihm darum, „Harald Gerlach aus der Vergessenheit zu holen und wieder zu entdecken“ und zum anderen soll der Wanderweg, deren Ausweisung nicht einfach war, „den Reichtum literarischer Provinzen sichtbar machen“. Hinzu komme noch, dass Gerlachs Familie mütterlicherseits aus Haina stammte.
Jens Kirsten beschrieb noch einmal in knapper Form den Lebensweg Harald Gerlachs, der als Fünfjähriger mit seiner Familie 1945 von Bunzlau (heute Polen) nach Haina kam, wo sein einstiges Wohnhaus noch steht (siehe Beitrag Freies Wort vom 25.03.2026). Seine Kindheit verbrachte er im thüringischen Grabfeld, in Haina und Römhild. Denn 1948 zog die Familie nach Römhild, wo sein Vater im Heim für Kriegswaisen (Glücksburg) Lehrer und Erzieher war. nach seinem Abitur in Meiningen war er sogar als Volontär im Freien Wort tätig. Nach verwehrtem Studium verlässt er die DDR und kehrt 1961 zurück. Als Wehrdienstverweigerer beginnen die Repressalien gegen ihn. 1990 Übersiedlung nach Leimen bei Heidelberg. Mit 61 Jahren verstirbt Harald Gerlach und wird auf Wunsch in Römhild begraben. Hier wird auch seine Frau Bettina Olbrich beigesetzt. Gerlach sei ein „sehr umtriebiger Geist“ gewesen und zu Unrecht während der DDR-Zeit vergessen worden. Gerlach sei aber ein Leben lang seinen Prinzipien treu geblieben, die sich in seinen Gedichten, Erzählungen und Texten widerspiegeln.
Der literarische Wanderweg
Auf dem 11 km langen Wanderweg begleiten den Literatur- und Wanderfreund an den verschiedenen Stationen 20 Tafeln entlang des Weges von Römhild über Haina, den Schwarzen Stock bei Dingsleben über den Kleinen Gleichberg und dem Waldhaus zurück nach Römhild. Auf diesen Tafeln beinhalten seine Texte und Gedichte die Landschaft und Natur, die man selbst durchläuft und die Gerlach so geprägt habe, wie es hieß, dass er immer wieder darüber geschrieben habe. Horst Worliczek erwies sich dabei wieder einmal als ausgezeichneter Wanderführer. Übrigens ist das Konzept des Wanderweges so gestaltet, dass es mehrere Möglichkeiten für den Einstieg in den Wanderweg und das Verlassen bzw. Beenden offen hält. An zwei Stationen gab deshalb am Sonntag für diejenigen eine Rückfahrgelegenheit, denen es nicht möglich war, die gesamte Tour zu laufen. Auf dem Wanderweg befinden sich auch Sitzbänke und wunderbare Ruheplätze. Die Gestaltung eines außergewöhnlich schönen Rast- und Wanderplatz ist am Parkplatz am Waldhaus gelungen.
Die sonntägliche Wanderung sollte dafür nur ein Anfang zum Kennenlernen sein. Denn in diesem Rahmen blieb für den einzelnen natürlich nicht die Zeit, sich mit dem Geschriebenen auf den Tafeln auseinanderzusetzen. Dafür blieb an den Stationen oder unterwegs Zeit für interessante Gespräche. Was den Wanderweg betrifft, kann man es wie Johannes Bäumert von den Steinsburgfreunden halten, der formulierte: „Es ist alles getan für den Wanderweg, jetzt müssen wir Harald Gerlach selber entdecken“. Dazu lohnt es sich auf jeden Fall, diesen literarischen Wanderweg erneut oder zum ersten Mal in Angriff zu nehmen. Dafür bieten sich auch kleinere Abschnitte an. Dabei könnte ein Ausspruch von Goethe helfen: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“. Also dann!
Die Stationen des Weges mit Tafeln
01 – Schloss Glücksburg in der Toreinfahrt
02 – Haus des Amtsmannes Grötzner, Heurichstraße 14
03 – Hainaer Weg, Haus 25 (Neubaugebiet)
04 – Alter Wiesenweg nach Haina
05 – Haina, Pfarrhaus
06 – Haina Ortsausgang, Schwabhäuser Weg
O7 – Am Weg nach Schwabhausen
08 – Forsthaus Schwabhausen
09 – Forsthütte hinterm ehemaligen Stausee
10 – Pilzbank, Dingslebener Nacken
11 – Am „Schwarzen Stock“ , am Fuß des Kleinen Gleichberges
12 – Steinsburg, Oppidum
13 – Villa Steinsburg
14 – Waldhaus/Steinsburgmuseum
15 – Dicke Eiche (Weg Richtung Hartenburg)
16 – Weg unterhalb der Hartenburg
17 – Auf dem Weg nach Römhild
18 – Mohrenapotheke Römhild
19 - Grabanlage von Harald Gerlach und Frau Bettina Olbrich
20 – Zurück auf Schloss Glücksburg