Historischer Standort zu neuem Dorf-Treffpunkt umgestaltet
Wo einst im Bereich Hochgasse/Hainaer Mühlgasse ein Brauhaus und ein Backhaus standen, lädt nun ein wunderschöner Platz mit einer Sitzgruppe und einer Infotafel zum Verweilen ein.
Haina – Am Vorabend des 1. Mai trafen sich Hainaer Einwohner, Mitglieder von Vereinen und Initiatoren dieses Projektes zur Einweihung des neu gestalteten Platzes. Zur Begrüßung aller Anwesenden, unter ihnen auch Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus und Stadträtin Rabea Bärnreuther, erklärte Ralf Bernhardt, Vorsitzender der „Heener Vereine“ und Stadtrat, wie es dazu kam. “Schon längere Zeit beschäftigte uns die Frage, was können wir aus dem alten Standort für unser Dorf machen“ so Ralf Bernhardt. Ideen und Vorschläge dazu habe es gegeben, vor allem auch von Anita Förtsch und ihrem „Heimatstube/Schöpfbrunnen-Team“. Schließlich reifte der Entschluss, am ehemaligen Brauhausstandort eine Sitzgruppe zu errichten und dort wo einst das Backhaus stand, eine Informationstafel aufzustellen. Ein prima Gedanke, wie es hieß, aber woher das Geld dafür nehmen. „Da müssen wir halt versuchen, Fördermittel dafür zu bekommen“, habe Anita Förtsch gemeint, die Heiko Bartholomäus auf Grund des Gehörten und ihrer Fürsprache in der Stadt „als den treibenden Keil des Vorhabens“ bezeichnete. Große Unterstützung, meinte sie selbst, habe sie bei all ihren Tätigkeiten auch von ihrem Mann Harry erhalten.
Auf Initiative der „Heener Vereine e.V.“ und des „Heimatstuben/Schöpfbrunnenteams“, allen voran durch Anita Förtsch und Ralf Bernhardt, wurde ein Fördermittelantrag an die „Thüringer Ehrenamtsstiftung“ Erfurt gestellt. „Mit Erfolg“ stellte Förtsch fest, allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden, was den Zeitraum betraf. Auf Grund des Antrages vom 24. Juni 2025 sei im Oktober 2025 eine Fördermittelzusage in Höhe von 2400 Euro eingetroffen mit Rechnungslegung bis Anfang Dezember 2025. Da war zügiges Handeln geboten. „Die Fördermittel reichten für das umfangreiche Vorhaben nicht aus“, erklärte Anita Förtsch, „so dass wir auf weitere Spendenmittel angewiesen waren“. Große finanzielle Unterstützung mit jeweils 500 Euro erhielten sie vom Fuhrunternehmen Angela Schüler aus Haina und von der Raiffeisenbank in Römhild, aber auch von den ortsansässigen Firmen „Kessler Tankanlagenbau Haina“ und „Systembau Haina“. Damit war die Finanzierung mit insgesamt 3520 Euro voll abgesichert.
Beispiel eines gemeinsamen Handelns
Die Teile der Sitzgruppe, noch ohne Dach, wurden vom Dach- und Holzbau Römhild erworben. In Eigeninitiative haben die Hainaer Zimmerleute Klaus-Dieter Hirn, Guido Katzenberger, Ralf Leffler und Mario Gangnus die Sitzgruppe zusammengebaut, mit einem Dach versehen und auf dem ehemaligen Grundriss des alten Brauhauses aufgestellt. In Abstimmung mit dem Bürgermeister übernahmen Mitarbeiter des Bauhofes die nötigen Erdarbeiten, da er hier ein echtes Gemeinschaftswerk entstehen sah, wie Bartholomäus bei der Einweihung formulierte. Da auch der Termin für den Verwendungsnachweis näher rückte, musste die Aufstellung der Sitzgruppe, für deren Zusammenbau Horst Gängel seine Halle zur Verfügung stellte, „mitten im Winter“ erfolgen. Dazu war im Januar 2026 zu lesen: „Heute früh, passend zum Karneval in Haina, wurde die Sitzgruppe von unseren ansässigen Zimmerleutenaufgestellt“. Da an der Hochgasse, unmittelbar neben dem Platz, die Schulbus-Haltestelle steht, wird die Sitzgruppe inzwischen schon gern von den Schülern genutzt.
Die Information- bzw. Anschauungstafel, die auf dem ehemaligen Baugrund des Backhauses steht, wurde später bei frostfreiem Wetter aufgestellt, da der Rahmen einbetoniert werden musste. Die anteiligen Kosten dafür belaufen sich nach den Angaben von Förtsch auf 1250 Euro. Die Info-Tafel enthält Angaben mit Bild zu den historischen Gebäuden, dem Back- und Brauhaus auf der einen Seite und zum sogenannten „Wasserschloss“ auf anderen. Auch die Geschichte des Schlosses, das an das Gelände angrenzt und in Privatbesitz ist, hat eine lesenswerte interessante Geschichte. Für die Zusammenstellung des informativen Textes mit den entsprechenden historischen Angaben, zeichnet der Hainaer Ortschronist Horst Thein verantwortlich. Er ist ein absoluter Kenner der Hainaer Ortsgeschichte. Auch ihm wurde ein großer Dank für seinen Einsatz ausgesprochen. Überhaupt sprachen Anita Förtsch und Ralf Bernhardt „allen an der Umsetzung dieses großartigen Vorhabens Beteiligten ein großes Dankeschön“ aus. Es habe deutlich gemacht, so die Initiatoren, dass „wir gemeinsam Miteinander viel erreichen“.
Kurzer historischer Abriss zum Back- und Brauhaus
Brauhaus: Im Jahr 1765 wurde der Gemeinde durch Ernst Friedrich, Herzog von Sachsen-Coburg, die Konzession zum Bau eines Brau- und Darrhauses erteilt. Da bereits 1742 eine gleichlautende Konzession durch das Herzogtum Sachsen-Meiningen erteilt worden war, sah man keine Bedenken zum Bau des Brauhauses. Dabei wurden der Gemeinde umfangreiche Rechte eingeräumt. Dazu gehörte die Schankgerechtigkeit zum Bierbrauen für die gemeindeeigene Gaststätte und der Haustrunk. Gebraut wurde, wie es heute noch Gemeindebrauhäusern üblich ist, im Frühjahr und Herbst. In er Folgezeit blieben umfangreiche Reparaturarbeiten und nötige Erneuerungen nicht aus.
Nach den Angaben von Horst Thein fand der letzte Brauvorgang 1967 statt. Für erneute Reparaturen fehlte das Geld, so dass sich der Bauzustand zusehends verschlechterte. Die Denkmalspflege des damaligen LK Meiningen hielt einen Wiederaufbau für nicht möglich und sah einen Abriss für unvermeidlich an. So erfolgte 16 Monate vor dem Mauerfall der vollständige Abriss des Brauhauses. Bier wird aber deswegen auch in Haina weiter getrunken.
Backhaus: Bereits im 17. Jh. wurde von Landgraf Hessen-Kassel die Abschaffung von Privatbacköfen in einer Verordnung gefordert. Diese Verordnung, so ist es in der Historie zu lesen, wurde nach und nach von allen Herzogtümern übernommen. Damit sollte eine bestehende Brandgefahr eingedämmt werden. Stattdessen sollten Gemeindebacköfen errichtet werden. Das schien sich in manchen Orten hinzuziehen, den im Jahr 1853 habe die Landesregierung Sachsen-Meiningen nochmals ausdrücklich auf die Verordnung hingewiesen.
Das genaue Jahr für das Hainaer Backhaus ist nicht bekannt, aber im Verzeichnis des Römhilder Amtsbezirkes von 1840 ist für Haina ein Gemeindebackofen aufgelistet. Vermutlich wurde das ehemalige Backhaus zwischen 1826 und 1840 erbaut. Ein Foto auf der Tafel zeigt das alte Backhaus. Es wurde wohl bis Anfang der 1960er Jahren genutzt. In den Jahren 1964/65 wurde es zu einem „FDJ-Heim“ umgebaut und bis 1990 als Treffpunkt sowie für Familienfeiern genutzt. Nach zwischenzeitlicher Nutzung als Lager für die Gemeindearbeiter verfiel das Backhaus immer mehr und wurde 2023 endgültig abgerissen. Auf ein Backhaus mussten die „Heener“ aber nicht verzichten, denn das heutige Backhaus ist nach den Worten von Horst Thein bereits 1856 erbaut worden. Lange Zeit bestanden alos sogar zwei, vielleicht auch drei Backhäuser.
Auf der Rückseite der Tafel ist die Geschichte des Schlosse nachzulesen, das an das Gelände angrenzt.