Ein Waldgang mit Einblicken und großem Kenntnisgewinn
Zu einer Waldbegehung (12.9.2025) mit dem Stadtrat hatten in gemeinsamer Absprache zwischen Revierförster Mathias Eisenbach (Forstamt Heldburg) und Andreas Peter vom Stadtbauamt Römhild eingeladen.
Römhild-Gleichamberg – Treffpunkt für alle Interessierten an der Waldbegehung war am sogenannten Taubenhaus in Gleichamberg nahe dem ehemaligen Brecherwerk. Denn das Exkursionsziel war das Forstrevier Gleichamberg, das von Revierleiter Mathias Eisenbach seit nunmehr fünf Jahren betreut wird. Mit dabei auch Jochen Rottenbach, der als Revierleiter für das Revier Römhild seit ca. 25 Jahren zuständig ist und in Kürze seinen verdienten Ruhestand antreten wird. Deshalb war auch Förster Felix Jungnickel dabei, der als Nachfolger das Römhilder Revier übernehmen wird. Zu beiden Revieren gehört der 1580 ha große Kommunalwald der Stadt Römhild, der sich von Bedheim über Römhild bis nach Mendhausen und Westenfeld erstreckt.
Bevor nun der Weg in Teile des Forstreviers Gleichamberg oberhalb der Kirscheleite führte, verwies Mathias Eisenbach auf ausgesuchte Themen, die während der Waldbegehung besprochen werden sollten. Dazu gehörten die Fördermöglichkeiten im Forst, Zaunbau, Waldschutz und –pflege, Jagd, Holzernte und Wegebau sowie die Besichtigung des kleinen Waldstückes „Pflanzgarten des Kindergartens“. Dieses Projekt habe vor einigen Jahren Erzieherin Susi Hummel angeschoben, als sie auf der Suche nach einer Pflanzfläche war, auf der die jeweiligen Schulanfänger ein Bäumchen pflanzen wollten, als Erinnerung an die Kindergartenzeit bei den „Gleichberg-Wichteln“. In Absprache mit ihr und der Stadt habe er ein freiliegendes Waldstück unmittelbar am Forstweg ausgesucht, wo nun schon einige Kindergartenjahrgänge verschiedene Baumarten gepflanzt haben. Für ihn sei es eine gute Sache, meinte Eisenbach, da man dadurch die Kinder für den Wald sensibilisieren könne.
Projektförderung bringt Erholung durch sinkende Holzverkäufe
Bei der Betrachtung verschiedener Waldbilder geht es natürlich um waldbauliche als auch um wirtschaftliche Ziele. Dazu wurden vom Bund und Land verschiedene Förderprogramme aufgelegt, die im Zusammenhang mit den gezeigten und nummerierten Habitatbäumen stehen, wie sie Mathias Eisenbach vor Ort zeigte. Dazu gehört die Förderung durch bestimmte vom Bund aufgelegte „Waldprojekte“, wie das „klimaangepasste Waldmanagements“. Daran seien natürlich auch einige Bedingungen geknüpft, wie die Zertifizierung und die Kennzeichnung von Habitatbäumen. Die Richtlinie sehe vor, diese möglichst gleichmäßig auf die vorgesehene Fläche (5 Stück/ha) zu verteilen, die dann über Jahre unberührt bleiben müssen, so der Revierleiter. Gekennzeichnet werden sie mit einem Plättchen mit Nummer, so dass die GPS-Koordinaten der Bäume eingelesen werden können. Diese Habitatbäume sind lebend oder tot stehende Bäume, die kleine Lebensräume beherbergen, die für viele Tiere, Pflanzen und Pilze Schutz bieten. Der Stadt koste diese Maßnahme ca. 65000 Euro bei einer Fördersumme von 123000 Euro.
Eine aktuelle Landesförderung Thüringens ist die „Waldumweltmaßnahme“ zur Erhaltung und Entwicklung der biologischen Vielfalt in Wäldern. Dabei müssen neun Habitatbäume pro Hektar auf eine zusammenhängende Fläche ausgewiesen werden. Eine andere Förderung ist dabei ausgeschlossen. Der Zeitraum ist auf vier Jahre begrenzt und beginnt am 1.1.2026. Die Förderung beträgt 48000 Euro/Jahr und kostet der Stadt insgesamt ca. 66000 Euro. „Wir brauchen diese Maßnahmen (Förderprojekte), erklärte Bürgermeister Heiko Bartholomäus, „da der Holzverkauf rückläufig ist“. Dem konnte die Stadtkämmerin Lissy Carl-Schumann nur zustimmen.
Z-Baum und Naturverjüngung
Ein weiteres Kriterium beim Thema Waldumbau und Klimastabilität bildeten die Z-Bäume (Zukunftsbäume). Der Z-Baum, der durch einen Farbring gekennzeichnet ist, sei im Bestand qualitativ hochwertig und bei der Bestandspflege sehr wichtig. Es werden gezielt wenige Bäume ausgewählt, die besonders gut wachsen und langfristig (100 und mehr Jahre) eine gute Waldqualität garantieren. Dafür müssten sie lebenslang gefördert und gepflegt werden.
Dazu gehört ein reichlicher Abstand zu weiteren Bäumen. Die Eiche sei sicherlich die richtige Baumart, erklärte Jochen Rottenbach, doch sie brauche bei ihrem Wachstum unten Schatten und oben Licht. Ein Problem sei nach wie vor die Trockenheit und die mangelnde Wasserversorgung, was bei der Eiche ebenfalls zu starker Schädigung führte, wie Eisenbach an einem 25 ha großen abgearbeiteten Einschlaggebiet festgestellt habe. Dazu komme natürlich der Befall durch verschiedene Schädlinge, z. B. die Arten von Rinden- oder Bastkäfer. Das Gesagte gelte in ähnlicher Weise für die Buche.
Auch habe der starke Käferbefall der letzten Jahre manches durcheinander gebracht, meinte Jochen Rottenbach. „Vor diesem starken Käfereinfall wurde der Wald immer in Blöcken abgearbeitet, so dass keine Flächen vergessen wurden“. Doch der Käfer habe zu Kahlschlägen gezwungen, was überwunden wurde, so dass nach und nach wieder zur Blockarbeit übergangen werde. Beachtung fanden als Beispiele für die Naturverjüngung die Buche oder der Stockausschlag. Ein anderes Problem ist der starke Brombeerbewuchs auf ehemaligen Kahlflächen, durch den es Sprösslinge schwer haben durchzukommen. So müssen junge Bäume, Beispiel Linde als Vorwaldbaum, gepflanzt werden mit nachfolgender Pflege. Als Vorwaldbaum haben auch andere schneller wachsende Baumarten Bedeutung, weil sie für Waldhumus und Schatten sorgen.
Zaunbau, Jagd und Müll waren Gesprächsthema
Beim Thema Müll erklärte Mathias Eisenbach: „Meine Devise ist es, jeden Tag ein Stück Müll aus dem Wald mitzunehmen“. Es wäre schön, wenn alle Waldbesucher ebenso denken würden, doch leider sei dies nicht der Fall. Am Beispiel zeigte er, wie Holzwerber ihren Abfall mit allerlei Unrat darin entsorgen. Aber auch weggeworfene Flaschen, Büchsen oder bewusst abgelegter Müll ist immer noch zu finden. Krasses Beispiel ist ein eingefallener Hochsitz oder auch Hütte mit Asbestplatten, die allerdings älteren Ursprungs seien, aber eben im Wald nichts zu suchen haben. Im Zeilfelder Bereich schätzte Eisenbach die Zahl Töpfe (oder Tonscherben) so hoch wie ein Viertel der Anzahl an Bäumen. Dabei stellt sich die Frage nach der Verantwortung.
Beim Thema Zaunbau würden bekanntlich Meinungen auseinandergehen, so der Revierförster. Im Staatswald habe man bewiesen, dass es auch ohne gehe. Natürlich schütze der Zaunbau gerade junge Bäume und aufkommende oder gepflanzte Bäumchen vor Verbiss, doch sei die Frage, ob es die Kosten rechtfertigen. Damit war man beim Thema Jagd, das natürlich nicht ausgespart werden konnte. Es ging natürlich um die Bejagung und den Verbiss, den er an Beispielen an Pappeln und Buche zeigte. Auch hier sei im Zeilfelder Gebiet der Verbiss am schlimmsten. Einen Grund sieht er im Gemeinschaftsjagdgebiet, weil hier von Privatjägern auf Fremdeigentum gejagt werde und eine gewisse Eigenverantwortlichkeit fehle.
Den Stadträten empfahl er, bei der Vergabe der Eigenjagdbezirke gut zu überlegen, an wen verpachtet werde. Man sollte die Jäger näher kennen, welche Zeit sie mit Hege und Pflege verbringen, wie sie vorgehen und wie sich die Zusammenarbeit gestaltet. Außerdem könne die Stadt als Eigentümerin die Verträge selbst gestalten und den Zeitraum bestimmen. Momentan stelle die Bejagung aber ein Problem dar, so der Bürgermeister, weil alle Pachten bis 2028 oder 2029 laufen. Erst dann könne man wieder eingreifen. Für den Abschuss gebe es aber doch Pläne, bemerkte Rosemarie Baumbach, doch das sei nicht immer kontrollierbar, meinte Eisenbach. Vor Jahren hätten bei der großen Gleichbergjagd alle zusammen mitgemacht, merkte noch Jochen Rottenbach an, doch heute würden manche ausscheren und Tage vorher jagen und das sei nicht in Ordnung. Natürlich soll das Gesagte nicht verallgemeinert werden, doch zumindest einzelne dürften sich an der Nase zupfen. Schließlich ging es am Beispiel auch um den Wegebau und die Möglichkeit der Wasserrückhaltung durch Mulden und Sammelbecken.