Sie befinden sich hier

15.06.2017 17:37

Vom Klappern der Mühle am rauschenden Bach

Zu ihrer traditionellen Frühjahrswanderung am ersten Sonntag im Mai, es war die 4. Mühlenwanderung, hatte die „Gemeinde der Steinsburgfreunde“ eingeladen.

Von: Kurt Lautensack

Römhild/Milz – Die Resonanz für diese heimatgeschichtliche Wanderung, die die Wanderfreunde nach und rund um Milz führte, war überwältigend. Eine rekordverdächtige Zahl von 85 (!) Wanderfreunden aus der Gleichberg-Grabfeld-Region, aus Albingshausen oder Themar bis Fehrenbach, aus Schmalkalden, Jüchsen und Meiningen, trafen in Milz zusammen und wurden vom Vereinsvorsitzenden Horst Worliczek begrüßt. Dabei erinnerte er an den Beginn solcher Wanderungen vor 30 Jahren. Als „Gesellschaft für Natur und Umwelt“ habe man damals zur ersten Wanderung in den Frühling eingeladen. Seit dem sind diese Frühjahrswanderungen, seit 1995 von den Steinsburgfreunden organisiert, unter der verschiedensten Thematik durchgeführt worden. Dazu gehörten die wunderschönen Brunnenwanderungen, Wanderungen zum Thema „Von der Ur- zur Kulturlandschaft“ und nun mittlerweile die vierte Mühlenwanderung.

Dazu konnte Horst Worliczek Vereinsfreund und ehemaligen Mitarbeiter des Steinsburgmuseums, Gert Stoi, gewinnen. Nach gründlichen Recherchen und eben einer solchen Vorbereitung führte er die Wanderfreunde durch die Flur von Milz. Wer kennt nicht das schöne alte Volks- und Kinderlied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp, klapp“ aus dem 19. Jahrhundert, meinte Stoi, in dem das Müller- und Bäckerhandwerk besungen wird. Doch, so fragte er, „hören wir es noch klappern oder noch rauschen?“. Diese romantische oder auch nostalgische Vorstellung vom Müllerhandwerk entbehrt natürlich jeder Realität, wenn im Laufe der Wanderung von der Arbeit des Müllers und den zu leistenden Abgaben die Rede war. Trotz alledem sei die „Wassermühle vom Mittelalter bis in die Neuzeit wichtigste Antriebskraft“ gewesen, erklärte Gert Stoi bei seinem kurzen Ausflug in die Geschichte der Mühlen und Mühlenarten.

Auf der Spurensuche nach den Mühlen in der Gemarkung Milz, die die Teilnehmer zunächst zur Geyersmühle nahe der Spring am nördlichen Ortsrand führte, war auch kein klappern und rauschen mehr zu hören. Der Mühlgraben war längst ausgetrocknet, ein Mühlenteich nicht mehr vorhanden, auch kein Wasserrad, drei typische Merkmale einer Wassermühle. Zwar gibt es noch ein bewohntes Haus mit einem früheren Wappen im Giebel sowie Nebengebäude, aber leider für die interessierten Wanderer nicht zugänglich. Durch Recherchen konnte Stoi unter anderem in Erfahrung bringen, dass die Geyersmühle eine von drei dreigängigen Mahlmühlen in Milz war, die bereits 1471 erwähnt ist, als von Abgaben die Rede war. Der Begriff „dreigängig“ bezieht sich auf das Mahlwerk, wobei die Mahlwirkung durch eine mehrfache Zerkleinerung in einem sich zunehmend verengenden Mahlspalt erreicht wird. Die Geyersmühle sei noch bis 1962 in Betrieb gewesen und wurde dann stillgelegt.

Weiter ging die Wanderung durch Milz, wobei Stoi die Gelegenheit nutzte, an der historischen überdachten Holzbrücke, die über den früheren Wassergraben zur einstigen Wehrkirche, der Magdalenen-Kirche, führt, einige Ausführungen zur Geschichte des Ortes zu machen. Denn Milz ist einer der ältesten Orte des Grabfeldes und geschichtlich sehr bedeutsam. Bereits 783 hatte die Äbtissin Emhild, eine Verwandte Karls des Großen, hier bereits ein Kloster gegründet, es aber schon nach 17 Jahren dem Kloster Fulda schenkte. Das Kloster umfasste mehr als 300 Orte zwischen Werra und Main. Milz besaß eine Poststation der Thurn- und Taxis und lag an einer wichtigen Handelsstraße, die von Bad Königshofen über Römhild ins Werratal führte. Ein sogenannter „Geleitstein“ steht noch heute am Weg von Milz nach Herbstadt, wo die Wanderung auf dem Rückweg vorbeiführte. Zu den Wahrzeichen von Milz gehören neben der Wehrkirche, das Torhaus und einige schmuckvolle Fachwerkhäuser im hennebergisch-fränkischen Stil im historischen Ortskern.

Eine weitere Mühle, südwestlich von Milz gelegen, war die Brunndorfsmühle. Der Name soll auf ein vor langer Zeit in der Nähe stehendes Dorf Brunndorf zurückgehen, hatte Gert Stoi herausgefunden. Zum ersten Mal erwähnt worden sei der Ort 1339 als Besitz von Kloster Trostadt. Nochmals sei der Ort 1404 und 1407 erwähnt und war gegen Ende des 15. Jh. wüst. Die Mühle wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, aber später wieder aufgebaut. Von der Brunndorfsmühle ist nur noch der ehemalige Mühlgraben zusehen und die heutigen Besitzer, die gastfreundliche Familie Linda Reichert, haben dort eine Art „Sommersitz“. Zu nah an der ehemaligen Grenze, am Abzweig zum Warthügel, wo heute noch ein ehemaliger Grenz- und Beobachtungsturm steht, fiel sie 1969 dem Abriss zum Opfer, nachdem sie schon Jahre stillgelegt war. Viele Episoden und Geschichten würden sich um die Mühlen ranken, bei der Brunndorfsmühle auch so manche „Grenzgeschichte“. Vieles sei aber nur mündlich überliefert und wenn es nicht aufgeschrieben werde, so der Wanderleiter, gehen sie leider verloren.

Nicht ganz verlorengegangen sind die wenigen Informationen über die Ammersbach- oder Ansbachmühle, die noch näher an der Grenze unweit des Warthügels am Plattenweg gestanden habe. In Milz sei sie auch als die untere Mühle bekannt. Als letzter Besitzer werde Oskar Mohr erwähnt und wegen der Grenznähe sei sie bereits 1960/61 abgerissen worden. In der Flur deutet heute nichts mehr auf die ehemalige Mühle hin.

Wenn auch von der Mühlenromantik nichts mehr zu spüren war, die man aber durchaus in Museen oder Mühlenhotels noch antrifft, so hat doch die Frühlingswanderung zu einem weiteren Baustein heimatgeschichtlicher Zeugnisse beigetragen. Wer noch aufnahmefähig war, der konnte sich noch einer kleinen Führung in der Kirche anschließen oder die Heimatstube im Kirchgaden besuchen, um sich dann anschließend in Erichs „Bierstadl“ zu stärken.

Kontextspalte

weitere News