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27.05.2017 14:24

Vier mal Vier gleich Mundart-Rallye

Nach einer fulminanten Premiere der „Mundart-Rallye“ im Grabfeld im vorigen Jahr, kam es am 08. April 2017 vor ausverkauften Häusern zu einer ebenso tollen Neuauflage.

Von: Kurt Lautensack

Milz – Bis auf den allerletzten Platz gefüllt war das Milzer Kulturhaus, dem Vereinssitz des MCV, als zeitgleich mit Milz in den drei anderen Grabfeldorten Behrungen, Hendungen und Irmelshausen der Startschuss zur zweiten Mundart-Rallye fiel. Denn so wie sich der Verein „Henneberg-Itzgrund-Franken e.V.“ für die Anerkennung der fränkischen Identität des heutigen Südthüringen einsetzt, so ist es Anliegen der Mundart-Veranstalter, die fränkische Mundart zu pflegen und zu erhalten. Damit soll zugleich die sprachliche Brücke zwischen Ost und West, sprich zwischen Franken und Südthüringen, erneuert werden. Denn die südlich der Werra gesprochene Mundart gehört zu den mainfränkischen Dialekten, wobei regional nochmals unterschieden wird, beispielsweise itzgründisch, hennegergisch oder grabfeldisch.

Dem Sitzungspräsidenten des MCV als Veranstalter, Andreas Peter, fiel auch hier die Aufgabe zu, durch das abendliche Programm zu führen. „Heut werd Mundart gebabbelt, kee hochdeutsch“, meinte er in seiner unnachahmlichen sympathischen Art zur Begrüßung. Nach dem er den Ablaufmodus erklärt hatte, bei dem vier Mundart-Kabarettisten bzw. Musiker nacheinander die Runde in den genannten Orten machten, kam er zu seinem ersten Gast, Rita Fulsche aus Neubrunn, einem Mundartprofi. 

Die Mundartdichterin ist Mitglied des  Arbeitskreis Mundart Südthüringen e.V. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein sehr aktiver Freundeskreis, der es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, den Nachlass des bekannten  Grabfelder  Mundartdichter Wolfgang Eppler aus Queienfeld (gest. 2009) nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Als Erster dran zu sein, ist manchmal eben so schwierig wie den Schlusspunkt zu setzen. Doch Rita Fulsche – mir schwatze a Platt - lief an diesem Abend (hier kann nur für Milz gesprochen werden) zur Hochform auf und strapazierte die Lachmuskeln. Mit „sälwerscht gemoachte Gschichten“ aus dem Leben, Geschichten von Wolfgang Eppler oder Eckhard Witter (Gleicherwiesen) traf sie genau die Seele des Publikums. 

Da war vom Eiffelturm aus Biskuit die Rede, von einem Wachdienst bei einer Ausstellung anlässlich des Dorfjubiläums. Mit Regenschirm und Trillerpfeife ausgerüstet, sollten die „Lichtstubenweiber, Altersdurchschnitt 70 Jahre“, die Ausstellung vor „klenne Gaunerle“ bewahren. Ein echter Knüller war ihre Geschichte „Der Schulrat kommt“. Hier demonstrierte sie die Ideenvielfalt und Wandlungsfähigkeit eines Schulkollegiums vor und nach der deutschen Einheit. „Man müsse jetzt flexibel sein“ habe man gesagt und sie bewies es umgehend und stellte in ihrem Bücherschrank die Bibel neben das kommunistische Manifest. Und natürlich fehlte nicht ihr „Klassiker“, die Geschichte vom zwölfteiligen Geschirr mit dem Zwiebelmuster. Dabei sparte das Publikum nicht mit Beifall.

Große Freude bei der Ankündigung von Günter Stock, Altbürgermeister der unterfränkischen Gemeinde Margetshöchheim, der zum ersten Mal dabei war. Nicht nur dem Saalpublikum, sondern auch vielen Fernsehzuschauern ist Günter Stock durch die Fernsehsendung „Närrische Weinprobe“ als Büttenredner in Gestalt eines „fränkischen Weinbäuerlä“ bestens bekannt. In seinem Mundart-Gepäck dabei ist natürlich sein „Kunnerlä, mei Frau“, wie er stets erklärt. Und dann ging’s Schlag auf Schlag, so dass das Zwerchfell nicht zur Ruhe kam. 

Da war das Problem in Mainfranken „mit dem Plural“, denn was „weech geschriebe werd, werd hart ausgesproche und umgekehrt“, wie zum Beispiel „Karasch“. Sein Geld lässt er „a net gern dehem lieche“, weil er Probleme mit dem „Homebanking“ habe. Kommt er mal von einem Weinfest, dann erklärt er auch, warum er seinen Stuhl neben das Bett vom „Kunnerlä, sei Frau“ stellt. Weil er auch einmal in der ersten Reihe sitzen möchte, wenn das Theater losgeht. Apropos Weinfest. Da würden keine Politiker mehr eingeladen, weil dann der Wein nur von einer in die andere Flasche umgefüllt werde. Auch wie er seine Frau kennengelernt habe, gab er zum Besten. So ging es „fränkisch gebabbelt“ ca. 40 Minuten, wobei es vor allem sein Wortspiel ist, mit denen er sich zu den Höhen seiner Kunst aufschwang. 

Nach einer ungewöhnlich langen Pause stand sie dann auf der Bühne, die Musikgruppe „Spilk“, die, wie sie selbst sagt, Musik aus Spaß an der Freud macht, für Geld & Bier, aus Leidenschaft, zum Erhalt von Tradition und Kultur, für die Geselligkeit „und das mer emo vo dahem furt kumme“. Endlich einmal in Thüringen zu Gast, „endlich sem mer hübe bei euch“ meinten sie und sorgten für einen zünftigen musikalischen Auftakt. Doch die drei Musiker aus „Grössewehm (Großwenkheim), Stänich und Saand“ versäumten es ein wenig, sich der Ländergrenzen übergreifenden fränkischen Mundart zu bedienen, so dass beim Thema Tradition und Kultur das „Wir-Gefühl“ (Bayern,Hessen, Thüringen) ein wenig außen vor blieb. Mit ihren „Moorsoldaten“-Song und anderen gerieten sie ein wenig ins falsche Fahrwasser und steckten ein wenig im „Schwarzen Moor“ fest, um es mit der geologischen Rarität nahe Bischofsheim auszudrücken. Für Conferencier Andreas Peter nicht ganz einfach, sie wieder auf den fränkisch-thüringischen Mundart-Pfad zu bringen. Mit Schürzenjäger-Feeling aus Tirol kam es zu einem für das Publikum versöhnlichen Abschluss.  

Den fast verlorengegangenen Humor holte Wilhelm Wolpert aus Haßfurt, ein „Unterfranke aus Leidenschaft“ mit trefflichen Episoden wieder in den Saal zurück. Seit mehr als 40 Jahren auf der Mundartbühne, erlebten die Besucher den populären Geschichten- und Gedichteschreiber verschmitzt, hintersinnig und gut aufgelegt. Da war von der Hochzeitsnacht die Rede, die es ja eigentlich gar nicht mehr gibt, vom Baden eines Ehepaares in Sekt, wobei es hinterher zwei Flaschen mehr waren oder von der Brille, mit der man die Leute nackt sehen kann.

Neu sei in der Walldorfschule der Sexualkundeunterricht eingeführt worden, so der Mundart-Humorist, den die Handarbeitslehrerin übernommen habe. Da war da noch das Sandkastengespräch zweier Kinder oder das Gespräch der Ehefrau mit der Ärztin über eine Gehirntransplantation bei ihrem Mann. Wie teuer so 10 Gramm Gehirn sein können, wurde unter lautem Lachen aufgenommen. Ebenso die Geschichte mit der Lebensversicherung, über die sich zwei Frauen unterhielten. Ein Ehemann kam bei einem Unfall ums Leben und die Versicherung zahlte 100000 Euro. Sagt die andere, „un mei Mu war so blööd und is auf die Seiten gschprunge“. Das und noch viel mehr gab es von ihm zu hören, natürlich alles in seiner fränkischen Mundart. Wer mehr von ihm und seinen Geschichten wissen wollte, der konnte sich das eine oder andere Büchlein von Wilhelm Wolpert kaufen. 

Andreas Peter blieb es vorbehalten, auch ihn für seinen 2. Auftritt in Milz zu danken. Sein Dank galt auch Felix Winkel an der Technik, vor allem auch den wiederum den Frauen und Männern eines fleißigen und gut funktionierenden Versorgungsteam des MCV. Nun heißt es warten auf die dritte Auflage. 

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