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13.01.2018 22:37

Stadt Römhild - Jahresrück- und Ausblicke

Zum vorletzten Mal vor der neuen Wahlperiode im Jahr 2019 hatte Römhilds Bürgermeister Günther Köhler am vergangenen Freitag zum Neujahrsempfang der Stadt ins Kulturhaus nach Gleichamberg eingeladen

Von: Kurt Lautensack

Römhild/Gleichamberg – „Fang mal mit etwas Positiven an“ hatte sich Günther Köhler für den Neujahrsempfang vorgenommen. Gerade auch deshalb, weil ja den Deutschen immer nachgesagt werde, dass sie „Zweifler, Nörgler oder gar Neider“ seien. Gerade deshalb führte er seinen Gästen positive Beispiele vor Augen, die man sich im Alltag leisten könne, wie zum Beispiel ein Auto, einen Fernseher, ein neues Handy oder schicke Kleidung. Auch ließ er eine Antwort auf die Frage wieviel Geld für Urlaub, Kosmetik, Mode oder moderne Haushaltsgeräte ausgegeben wird, jedem selbst überlassen. Aber es sei Geld, das erst einmal erarbeitet werden müsse, um „die gestiegenen Ansprüche der vergangenen Jahrzehnte an uns selbst“ zu befriedigen. Vielleicht wäre unser Leben manchmal etwas stressfreier, dachte Köhler laut nach, wenn wir „unsere Ansprüche an der einen oder anderen Stelle überdenken würden“. Dabei erinnerte er an den Spruch, dass „wir nicht leben um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben“. Doch dafür die richtige Relation zu finden, sei eben im Alltag nicht ganz einfach.

Vielleicht würde da manchmal eine von Martin Luther geäußerte Lebensweisheit helfe, der uns ja das ganze Jahr 2017 hindurch begleitet hat. So soll er einmal gesagt haben, zitierte der Bürgermeister: „Tritt frisch auf! Tu’s Maul auf! Hör bald auf!“. Und wer Günther Köhler näher kennen lernen konnte, der weiß, dass er forsch auftreten kann, mit seiner Meinung keinesfalls hinterm Berg hält und auch bald aufhören wird. Gemeint ist damit seine Amtszeit als Bürgermeister, die im Frühjahr 2019 enden wird. Doch bis dahin hat er gemeinsam mit seinen Stadträten und der Stadtverwaltung noch einiges vor, was er in einem kurzen Ausblick anklingen ließ. Auch gestattete er sich einen Rückblick auf das im Jahr 2017 Geleistete.

Doch wie es sich für einen solchen Neujahrsempfang gehört, wurden zunächst Gäste aus Politik, staatlichen Organen und Wirtschaft willkommen geheißen. Zu ihnen gehörten Landrat Thomas Müller, Staatssekretär im Innenministerium, Uwe Höhn (SPD), Kristin Floßmann (MdL, CDU), der Vizelandrat des unterfränkischen Landkreises Rhön-Grabfeld, Joseph Demar aus Großbardorf, Dr. Annelie Reiter vom Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Meiningen (ALF), René Schunk, Leiter der Polizeiinspektion Hildburghausen, Philipp Sebald, 2. Bürgermeister der Partnerstadt Bad Königshofen, seine Amtskollegen Holger Obst (Hildburghausen) und Christian Seeber (Gemeinde Grabfeld), die Bankenvorstände Hendrik Freund (Raiffeisenbank im Grabfeld Römhild), Norbert Natterer und Bärbel Egermeier (Kreissparkasse Hildburghausen) sowie weitere Vertreter öffentlicher Einrichtungen. Sein besonderer Gruß galt den Vertretern der im Stadtgebiet ansässigen Betriebe und Gewerbetreibenden sowie allen geladenen Vertretern gemeinnütziger Vereine. Es sei natürlich immer schwierig, betonte Günther Köhler später im Gespräch, neben der großen Anzahl von Betrieben und Gewerbetreibenden, den mehr als 80 Vereinen der Stadt Römhild gerecht zu werden. Deshalb würde alljährlich ein gewisser Wechsel bei den geladenen Gästen erfolgen.

Was seine Rückschau betraf, so sei 2017 geschichtlich kein unbedeutendes Jahr für die Stadt Römhild gewesen. Er erinnerte dabei an das 700-jährige Stadtrecht, an das 100-jährige Bestehen der Herzog Bernhard-Schule, an den „Kalten Markt“, dem Keramikmarkt oder den vielen ortstypischen Veranstaltungen, die damit auch ihre Individualität unterstrichen. Lediglich das langfristig vorbereitete Gipfelkonzert der Gleichberg-Musikanten auf dem Großen Gleichberg fiel der schlechten Witterung zum Opfer. Doch er hoffe auf eine Neuauflage (vielleicht zum 150-jährigen Kreisjubiläum?).

Aus städtebaulicher Sicht habe das Hauptaugenmerk auf den umfangreichen Bauarbeiten des Nordflügels des Schlosses „Glücksburg“ gelegen. Auf Grund des enormen sichtbar gewordenen Bauumfanges, so Köhler, habe die Toilettenanlage im Schloss und der Straßenbau in der Stephansklostergasse noch zurückstehen müssen. Eine neue Bushaltestelle sei an der Herzog Bernhard-Schule errichtet, in Haina ein neues Wohnbaugebiet erschlossen und in Bedheim der Krautweg neu gebaut worden. Ein besonderer Dank ging an das ALF bei der Umsetzung der Baumaßnahme am historischen Mauerwerk der Kirche. Weitere Maßnahmen waren u.a. Investitionen in den Kindergärten Haina und Milz, die Friedhofsmauer in Gleicherwiesen, Gehweg und Stallstraße in Simmershausen oder die Verlegung des Glasfasernetzes im Stadtkern von Römhild für das schnelle Internet. Mit Blick auf den Landrat und die Kreisumlage habe er bewusst keine Zahlen genannt, meinte Köhler humorvoll. Gleichzeitig lobte er die Stadtkämmerin für ihre gute Arbeit beim Zustandekommen des Doppelhaushaltes 2017/18 als wichtige Planungsgrundlage.

Was die Vorhaben 2018 betraf, so griff er dann doch auf einige Zahlen zurück. Als wichtigstes Vorhaben sehe er daher die Erweiterung des Gewerbegebietes zur Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen im Unterzentrum Römhild (Kostenschätzung: 3,6 Millionen Euro bei 80%-iger Förderung). Auf ca. 1,8 Mill. Euro bezifferte das Stadtoberhaupt die Umgestaltung des Viehmarktes. Ein neues Wohngebiet soll in Römhild auf der „Hainaer Höhe“ entstehen. Er verschwieg auch nicht das „Kräftemessen“ zwischen ihm und der Feuerwehrführung der Stadt, bei dem es um das Problem „Drehleiter“ ging und er persönlich angegriffen wurde. Bezüglich der Feuerwehr werde es auch in Zukunft noch Redebedarf geben, lobte aber auch zugleich den Einsatz der Feuerwehrleute beim Großbrand im vergangenen Januar in Milz. In puncto Gebietsreform überließ er seinen Gästen das Feld.

Thomas Müller zeigte sich beeindruckt vom Zusammenwirken und der Ausstrahlung von Vereinen auf kulturellem Gebiet. Sowohl der Karnevalsauftakt der Grabfeldvereine in Gleichamberg, das Konzert des Kinder- und Jugendorchesters Gleichamberg im Advent oder der Auftritt der Gleichberg-Musikanten beim Neujahrsempfang seien Beleg dafür. Von der Weltpolitik über die Bundestagswahl spannte er den Bogen zur Gebietsreform, die „tot“ sei, aber die Situation, die die Landesregierung hinterlassen habe sei unbefriedigend. Zum Thema Geld griff Müller die scherzhafte, aber durchaus verstandene, Bemerkung über die Kreisumlage auf und verwies auf Aufgaben, die der Kreis auf kommunaler Ebene geleistet habe. Als Beispiel nannte er u.a. die Regelschule Römhild, in die bisher 3,5 Millionen Euro investiert wurden, in der Grund- und Regelschule Eisfeld waren es über acht Millionen Euro. Da stecke natürlich auch Geld der Kreisumlage drin, ebenso wie im Erhalt des Verbundes „Regiomed“. Der Kreis sei also gut aufgestellt, so dass weder der Kreis noch die Stadt Römhild, um es auch mit Luther zu halten, keiner „sein Licht unter den Scheffel stellen“ muss.

Kristin Floßmann verwies nochmals auf die Kreiszuschnitte und die möglichen Gemeinzusammenschlüsse (Z.B. Schleusingen) sowie auf Lösungssuche bei der VG „Heldburger Unterland“ und „Feldstein“. Staatssekretär Uwe Höhn bedauerte indes das Scheitern der Gebietsreform, die wohl auch „in der nächsten Legislaturperiode“ ausbleiben wird. Verwies aber am Beispiel der Stadt Römhild darauf, dass es kein Zufall sei, dass solche Projekte, wie vorher genannt, durchgeführt werden konnten. Er verteidigte nach wie vor eine Gebietsreform, um funktionierende Verwaltungen zu haben, die mehr als ihre Pflichtaufgaben erfüllen könnten, wenn auch die Chance im Moment vertan sei.

Günther Köhler sieht indessen eine Bestrafung der Kommunen, die gut gewirtschaftet haben in der geringeren Mittelzuweisung, während anderen Kommunen Schulden erlassen werden. Beließ es jedoch dabei. Vielmehr machte er abschließend deutlich, dass er mit dem Neujahrsempfang den Stadträten und den Mitarbeitern seiner Verwaltung für die geleistet Arbeit Dank sagen möchte sowie allen, die sich für die Weiterentwicklung der Stadt Römhild eingesetzt haben. Danke sagte er auch der Gärtnerei Eyring für die Saalausgestaltung, dem Hausherrn Ottmar Winkler und seinem gesamten Team für das Büfett und Bewirtung sowie der Familie Nowak von der Schlossbrauerei Schwarzbach für das Freibier. Und nachdem die Gleichberg-Musikanten im ersten Teil des Abends die Gäste mit wohlklingender Blasmusik unterhielten, sorgte das Duo „Take2“ für beste Tanz- und Unterhaltungsmusik bis auch die letzten Gäste kurz vor Mitternacht ihren Heimweg antraten.

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