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16.11.2015 13:01

Museumsnacht mit zeitgemäßen Kulturangeboten – eine kleine Nachbetrachtung

Am letzten Freitag im Oktober fand im Bereich der Stadt Römhild die zweite lange Museumsnacht statt, an dem die Glücksburg, das Steinsburgmuseum und Westenfeld beteiligt waren.

Von: Kurt Lautensack

Römhild/Waldhaus/Westenfeld – Die zweite Museumsnacht präsentierte sich sehr facettenreich und war Ausdruck dessen, welche kulturellen Möglichkeiten sich in der Gleichbergregion rund um die Stadt Römhild bieten.Und so war sie mit ihren drei Anlaufstationen eine Fortsetzung von Aktivitäten, wie sie auf unterschiedlichster Weise in den 14 Ortsteilen von Vereinen und öffentlichen Einrichtungen stattfinden. Dass es dazu natürlich viele helfenden Hände bedarf, dürfte jeden Besucher bewusst geworden sein, der die Veranstaltungsangebote wahr nahm. 

Die Eröffnung fand in der Kirche „Zur Krippe Christi“ in Westenfeld statt, in der Römhilds Bürgermeister Günther Köhler Gäste aus der gesamten Grabfeldregion begrüßte. Dabei bezeichnete er die Programme an den drei Orten als „Leuchttürme zeitgemäßer Kulturangebote“. Und weiter: „Die Region um die Gleichberge hat eine gemeinsame Siedlungs- und Entwicklungsgeschichte die verbindet. Nämlich ein ländlich geprägter Raum mit einer noch größtenteils intakten Natur, bodenständigen Menschen mit Traditionsbewusstsein und Heimatliebe“.

Zwar gebe es Kulturkonzepte, Entwicklungspläne und Orientierungshilfen sowie gut ausgestattete Häuser und Einrichtungen zur kulturellen und sportlichen Betätigung, so Köhler, doch es brauche „das Engagement der Menschen, die das Angebot mit Leben erfüllen“. Natürlich verschweigt er nicht, dass die damit verbundenen freiwilligen Aufgaben der Stadt nicht immer wie gewünscht unterstützt werden können. Deshalb gilt sein Dank allen ehrenamtlichen Akteuren und Helfern, die sich auf den verschiedensten Gebieten engagieren, insbesondere natürlich an diesem Abend all denen, die diese lange Museumsnacht organisierten und durchführten.

Dann schlägt im wahrsten Sinne des Wortes die Westenfelder (Turmuhr)Stunde für den Pfarrer Wolfgang Hochstrate (auch im wahren Leben Pfarrer) und das „Dorfschulmeisterlein“ Detlef Floßmann (Vorsitzender des Heimatvereins. In Zwiegesprächen entlocken sie sich gegenseitig kleine Geschichten und historische Einzelheiten zur Kirche, der ehemaligen Schule und dem Backhaus. Alles von beiden humorvoll verpackt, führen sie die mehr als 200 Besucher auf drei Rundgängen durch das Dorfzentrum. Neben historischen Fakten findet Pfarrer Hochstrate heitere Worte, wenn er von einer „Erlebniskirche“ spricht, die sogar „mit Rotlicht“ aufwarten kann. Und was die Schulgeschichte betrifft, so wissen die Besucher seit der Museumsnacht was es mit der „Sperlingslust“, der ehemaligen Lehrerwohnung, auf sich hat.

Geschichten rund um das Backhaus gab es natürlich auch, in dem gerade fleißig Plätzchen, Zwiebel- und Flammkuchen oder Pizza gebacken werden, das sich die Besucher schmecken lassen. Als dritter im Bunde erwies sich Bernd Hummel bei der Turmbesteigung als Kenner örtlicher Gegebenheiten. Dazu gehört auch das historische mechanische Uhrwerk, das immer noch von Hand aufgezogen wird und allen Bewohnern und Durchreisenden die richtige Stunde anzeigt.

Mit einem Shuttlebus gelangte man zu den anderen Veranstaltungsorten. Für die Flüchtlinge, die in Römhild untergebracht sind wurde ein weiterer Reisebus bereitgestellt, die sie und andere Besucher zu den Standorten brachten. Von den Kindern und Erwachsenen wurde dieser Service dankend angenommen. So empfing im stimmungsvollen Ambiente des Schlosshofes der Glücksburg in Römhild Spielmann „Schabernackrakeel“, alias Jürgen Hofmann, seine Besucher. Mit einem lustigen und humorvoll betrachteten Liederraten, bei dem die Besucher erstaunlich schnell Kinderlieder („Bummi, Bummi...“, „kleine weiße Friedenstaube“) einstige Jugendlieder wie sie in der Schule gesungen wurden („Bau auf, bau auf…“) oder aber wunderschöne Volkslieder („An hellen Tagen“) erkannten, gelang ihm eine wunderbare Einstimmung auf seinen Auftritt im Festsaal des Schlosses. Zudem lud im Hof ein Gulaschtopf zur Stärkung ein.

Für eher historisch Interessierte gab es im Kellergeschoss einen Vortrag von Regina Frimel zu Ergebnissen der archäologischen Grabung im Schlosshof. Die Grabungsleiterin präsentierte dazu eine Reihe von Fotos und vermittelte interessante Einzelheiten. Hinzu kamen eine Führung durch den Marstall zur Hönn’schen Sammlung und den erneuerten Nordflügel mit Keramikatelier.

Ein Besuch des Steinsburgmuseums am Waldhaus lohnte sich ebenfalls in mehrfacher Hinsicht, denn hier hatte ein Team der Steinburgfreunde einiges auf die Beine gestellt. Überhaupt seien die Steinsburgfreunde die Initiatoren einer solchen Museumsnacht gewesen, so Vereinsvorsitzender Horst Worliczek. Nun sei die Museumsnacht keine neue Erfindung, hatte aber in Römhild das Ziel, auch die kleinen Museen oder Heimatstuben und Vereine der Stadt mit einzubinden, weil Vieles „noch im Verborgenen schlummere“. Mit Mendhausen bei der ersten Museumsnacht und nun mit Westenfeld sei es bereits bestens gelungen.

Am Museum angekommen, konnte man zunächst dem Duft vom „Wildschwein am Spieß“ nicht wiederstehen. Aber auch andere leckere Sachen, von Vereinsmitgliedern vorbereitet und angeboten, waren bei den Besuchern willkommen. Dazu gab es am Stand der „Living-History-Gruppe“ aus dem Raum Nürnberg interessante keltische Objekte als Nachbildungen zu bewundern oder zu erwerben. Dabei wussten die Mitglieder interessante Geschichten zu erzählen und wer wollte, durfte sich auch gleich noch eine römische Rüstung anlegen. In unmittelbarer Nachbarschaft hatte sich ein „keltischer Schmied“, ein studierten Archäologe aus Osnabrück, niedergelassen und zog mit seinen Vorführungen zahlreiche Zuschauer an.

Andrang herrschte zeitweise im Gebäude des Steinsburgmuseums, wo vor allem Kinder unter Anleitung von Museumspädagogen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Weimar keltische Gefäße töpfern konnten. Wie sich das Dorfleben vor ca. 2700 Jahren in Hünfeld-Mackenzell/Rhön abgespielt haben mag, war in einem Vortrag von Jürgen Schneider vom Konrad-Zuse-Museum zu hören, untermauert mit Fotos und Zeichnungen. Den Keltenhof Mackenzell hatten die Steinsburgfreunde bereits bei ihrer Sommer-Exkursion besucht.

Schließlich gab es Führungen mit Museumsleiter Mathias Seidel hinter die Kulissen des Museums. Genauer gesagt in das Archiv des Museums, wo nach den Worten von Seidel Deutschland weit die größten Funde lagern. Darunter auch tausende Fundstücke, die von Prof. Alfred Götze gesammelt und zusammengetragen wurden. Bei der Führung konnte auch ein Blick auf die Bibliothek von Götze und auf die Originalschränke mit Funden geworfen werden. Die vielen Angebote der Museumsnacht an allen drei Orten hatten die zahlreichen Besucher dankbar angenommen.

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