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14.04.2018 12:23

Mundart-Rallye, die Dritte

Von Sonneberg bis in die Rhön und von Untermaßfeld bis Würzburg war am Samstag, 24.03.2018, die fränkische Mundart wieder in aller Munde, zumindest im Kulturhaus in Milz, in Behrungen, Irmelshausen und Hendungen.

Von: Kurt Lautensack

Milz – „Er/sie spricht so wie ihm/ihr der Schnabel gewachsen ist“, hört man es oft sagen und meint dabei auch die Mundart, in der er oder sie spricht. Genau um die Pflege und Erhaltung dieser sehr facettenreichen Mundart, die der fränkische Dialekt aufweist, ging es auch bei der dritten Mundart-Rallye bei den Veranstaltungen in den bereits erwähnten Orten.

Wenn auch in der modernen Sprachkommunikation die Mundart Gefahr läuft, verloren zu gehen, so können doch viele die Mundart verstehen, aber nicht immer sprechen. Und wer schon einmal versucht hat, das Gesprochene aufzuschreiben, weiß wie schwierig es ist, ebenso wie das Geschriebene fließend zu lesen. Da muss man schon ein wenig fränkisch geprägt sein. Und selbst, wenn das sogenannte „Standarddeutsch“ gesprochen wird, können manche ihre Herkunftsregion nicht verleugnen und wollen es auch nicht.

Am Samstag ging es vor allem um das Verstehen der Mundart und den damit verbundenen Humor. Und so hieß die Devise von Andreas Peter, der natürlich in Milzer Mundart als Moderator durch den Abend führte: „Heut wird platt gebabbelt und ich will kenn hör, da hochdeutsch red“. Doch so ganz ohne Worterklärung ging es manchmal dann doch nicht. Doch eines verband die vier Orte beiderseits der thüringisch-bayerischen Grenze, es wurde fränkischer Dialekt gepflegt.

Ein echter Auftakt-Knüller in Milz waren die Rhöner Sauwäntzt (Schweinebäuche) aus dem hessischen Eichenzell-Lütter, wie sie verkündeten. Mit ihrer Kleidung, echten Rhöner Holzschuhen, ihren Cordhosen, festgehalten von Hosenträgern, gepaart mit echten Humor, kamen sie voll bäuerlich daher. Und endlich haben sie auch das Geheimnis gelüftet, woher eigentlich der Blues kommt. Nein, nein, nicht aus Amerika, sondern „von den Baumwollfeldern der Rhön“, doch das sei noch vor der Klimakatastrophe gewesen. Dann ging`s auch gleich unkonventionell musikalisch daher mit Mundharmonika, Waschbrett, Milchkanne und Teekistenbass, einem weiteren Markenzeichen. Dabei erzählen sie aus ihrem ländlichen Leben auf dem Dorf, „wo es schwer ist, eine Frau zu kriegen“. So heißt es in einem ihrer Lieder „He, du, wo kommst`n du her“, während das „Schimpflied“ (du Sauwantzt…), der eigenen Frau gewidmet war. Oder das „Liebeslied eines Bauern“, der besonders romantisch sein wollte und ihr flüsterte „Du hast so schöne Augen wie a Kuh“. „Bei uns in der Rhön sag mer halt, was mer denke, a wenn`s grad net passt“.

Gepasst haben sie auf jeden Fall zum Mundart-Abend, ebenso wie die „Sumbarcher Waschweiber Hulda & Frieda“ aus Sonneberg, die nahtlos an die gute Stimmung im prall gefüllten Saal anknüpften. „Dabei kommen wir von einem Extrem zum anderen“, meinte Andreas Peter, womit er auf die Mundartunterschied verwies. Die beiden Frauen, bekannt durch Auftritte in Funk und Fernsehen (BR, MDR), aber auch in Milz durch ihren Faschingsauftritt wieder gern gesehen, ließen Pointen Schlag auf Schlag folgen. Es war einfach der Augenblick, den man lachend genießen konnte, schwer, sich dabei das Gesagte auch noch zu merken. Ob es das Autofahren war (die Kupplung kann net kaputt gsei, die benutz ich net), Begegnungen mit der Nachbarschaft, das Geschehen in Haushalt und Küche oder die häuslichen Befindlichkeiten der Männer, sie nahmen es aufs Korn. „Dein Mann ist ein richtiger Angsthase geworden“, so die eine zur anderen, „kaum bist du aus dem Haus, rennt er schon rüber zur Nachbarin“. Da war vom Jagdverhalten der Männer die Rede, die in ihrem Revier überfordert sind oder Gänsebraten mit Füll, was sich die Hulda erspart, denn „ich nahm se gar net erst aus“, meinte sie. So wird unsere Umwelt humorvoll in die Mange genommen, saubere und dreckige Wäsche gewaschen, wie es eben bei „Waschweibern“ so üblich ist.

Auf einer ganz anderen Ebene präsentiert sich das sangesfreudige Männerquartett aus Untermaßfeld seinem begeisterten Publikum. Musikalisch in einem anderen Umfeld als die Rhöner bewegte sich die Gruppe „H5N1 Schwanensang“, die ihren Namen, zumindest teilweise, dem Vogelgrippevirus entlieh. Und es ist ein Virus, der einem erfasst, wenn man ihnen zuhört oder zugehört hat. Nicht nur wegen der Lieder an sich, sondern auch ihrer Stimmen, die den einstigen oder noch Chorsänger erkennen lassen. „Wir haben so wunderschöne Melodien, aber manchmal bescheuerte Texte“ stellen sie mitunter fest. Sie sie singen bekannte Lieder in neuer Fassung mit tiefsinnigen Inhalten, wobei in kabarettistischer Weise natürlich auch übertrieben werden darf. So leben sie nicht „Tür an Tür mit Alice“, sondern schon 20 Jahre mit ihrer „Jogginghose“, der Hose des Mannes, die dem Arzt sämtliche Beschwerden und Lebensgewohnheiten verrät. Da wurde die Frauenquote musikalisch aufgemischt, die digitale Welt unter die Lupe genommen oder die Untermaßfelder Feuerwehrbesungen. Beim Rennsteiglied war nicht nur Mitsingen, sondern Lachen und Schmunzeln erlaubt, wenn die Buchen, Fichten, Tannen kreuz und quer den Weg versperren und der Schmückewirt auf „Halbmast“ setzt. Zwischendurch ließ man den Fuchs zwar nicht die Gans stehlen, sondern frühmorgens im Hühnerstall sagen hören: „So Mädels, raus aus den Federn“.

Womit die Überleitung zu Günter Stock, dem „Weinbäuerle“ aus dem unterfränkischen Margetshöchheim voll gelungen war. Denn wenn das Weinbäuerle mit seinem Krügle und dem Stock in der Hand von seiner Frau, dem Kunnerlä, erzählt, dann bleibt keine Auge trocken. Da erzählt er von seiner Reise nach Italien, wo die Wellen am Strand gebrochen haben, von einem Ballettabend im Theater, wo sie nur noch auf Fußspitzen getanzt haben, als sie gemerkt haben, dass das Kunnerlä eingeschlafen war oder er erwähnte Statistisches. Denn jedes 8. Kind würde in einem Bett von Ikea gezeigt werden, und bei jedem Fünften „fehlt a Schraube“…am Bett. So und ähnlich ging es 40 Minuten und einem hüfenden Zwerchfell. Da blieb Andreas nach mehr als vier Stunden nur noch ein Dank an alle Akteure, an das Publikum und an ein tolles Versorgungsteam vom Milzer Carnevalsverein.

Eine weitere Auflage einer Mundart-Rallye gab es übrigens drei Wochen später auch im Kulturhuas Gleichamberg, veranstaltet von der Gleichamberger Karnevalsgesellschaft. Mit dabei waren hier Eustach & Gotthold (Fredi Breunig und Martin Wachenbrönner), Wilhelm Wolpert, Günter Stock und „Owanning“ aus der Rhön. Zu den Auftrittsorten gehörten außerdem Aubstadt, Eyershausen und Sulzdorf an der Lederhecke.

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