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16.09.2018 11:19

Live Looping mit Falk Zenker in der Glücksburg

Wieder einmal bot der Festsaal von Schloss „Glücksburg“ das passende Ambiente für ein außergewöhnliches Konzert, dieses Mal mit dem Gitarrenvirtuosen Falk Zenker als One-Man-Band.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – Eingeladen hatte zu diesem besonderen Konzert am Samstagabend der Verein „Provinzkultur e.V.“ und das Museum Schloss „Glücksburg“ Römhild im Rahmen des „Tag des Denkmals“. Vor 18 Jahren wurde durch den Verein das Kunst- und Literaturfest „Provinzschrei“ aus der Taufe gehoben, um im Südthüringer Raum den Zugang zu Kunst, Kultur, Musik und Literatur einem breiten Publikum zu öffnen und neue Wege zu gehen. Vereinsvorsitzende Claudia Neukirchner und Museumsleiterin Kerstin Schneider waren erfreut darüber, dass es nach mehreren Anläufen endlich geklappt habe und „Provinzschrei“ erstmal in Römhild gastierte.

Und mit Falk Zenker konnte Claudia Neukirchner einen außergewöhnlichen Künstler mit seinem Programm „Falkenflug“ vorstellen, der, wie es heißt, „zur obersten Liga deutscher Akustikgitarristen“ gehört. Dabei sollte er seinen Beinamen „Gitarrengott aus Kapellendorf“ bei Weimar im Laufe des Abends vor einem mehrheitlich begeisterten und bewundernden Publikum gerecht werden. Denn in welcher Art und Weise Zenker seiner Akustikgitarre Töne und Klänge entlockte, gepaart mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit, war einfach grandios. Inwieweit der Künstler, der sein Studium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar absolvierte, mit seiner Demonstration des Gitarrenspiels und der erzeugten Klangvielfalt die Erwartungen seiner Besucher erfüllte oder gar übertraf, konnten diese später auf einer kleinen Umfragekarte selbst entscheiden. Dem Beifall nach zu urteilen, dürften sie bei einem Großteil der Zuhörer übertroffen worden sein.

Sein „Falkenflug“ war ein „Flug durch die Zeit der Instrumentalmusik“, zu der er seine Zuhörer aufforderte, einfach mitzufliegen. Schon als „kleiner Falk“ habe er schon vom Fliegen geträumt, wie es viele Kinder tun, allerdings sei es nur im Garten seiner Großmutter in Apfelbaumhöhe gewesen, scherzte Zenker. Sein Flug begann dort, wo die Instrumentalmusik ihren Ursprung in Form höfischer Musik hatte, nämlich im Mittelalter etwa um 1290. Von dort aus führte er seine Besucher in atemberaubenden Höhen der Musik einem Falkenflug gleich vom höfischen Mittelalter und der Klassik bis zum Flamenco und weiter ins Zeitalter der Gleitschirme. Wobei er bei einem Schnupperkurs nie wirklich vom Boden abhob und diesen Freiflug lieber in der Musik machte.

Miniaturen nannte er seine ersten Stücke, die eine „gewisse Augenblicksstimmung“ ausdrücken sollten. „Mitfreude“ hieß beispielsweise ein solches Stück, ganz einfach, weil es eine schöne Eigenschaft und Fähigkeit sei, sich mit anderen zu freuen. Ein anderer Titel sollte die „Euphorie und das Staunen in der Liebe“ beschreiben, weil ansonsten Liebeslieder oft traurig und leidvoll klingen würden. Dabei erwies er sich als wahrer Klangkünstler, der im wahrsten Sinne des Wortes „mit Händen und Füßen“ spielte. Und zwar barfüßig. Das ist notwendig, um neben seinem Gitarrenspiel seine Begleitinstrumente und die übrige Technik zu bedienen, mit deren Hilfe die One-Man-Band ein ganzes Orchester erklingen lässt.

Deshalb nennt er sein Falkenflug-Programm auch „Gitarre, Live Looping und Klanginstrumente“. Bei einem solchen Klangerlebnis werden während seiner Darbietung vorab aufgenommene sogenannte Loops aufgezeichnet und während des weiteren Gitarrenspiels wieder mit eingespielt, mehrfach sogar, die Technik machts möglich. So entsteht der Eindruck eines mächtig aufspielenden, lautstarken Orchesters. Da alles live gespielt wird, deshalb der Begriff „Live Looping“. So erlebten die Zuhörer zum Beispiel ein Stück, das an einem Flamencoabend in Granada erinnerte oder bei seinem selbst ernannten „September am Meer“ durch das Live Looping die Kunst des Gitarrenspiels in Vollendung.

Noch einmal kam er auf das Mittelalter zu sprechen, als er wiederentdeckte Kompositionen als „Schätze des Mittelalters“ bezeichnete, die sich für diese Musik erschließen lassen. Was das Wunderbare daran sei, so Zenker, „es sind nackte Kompositionen ohne Begleitinstrumente“. Das eröffne einen Freiraum für Improvisationen und eigenen Ideen bei der Umsetzung. Was für viele Zuhörer sich weniger oder gar nicht bekannt war, war wohl die Information, dass die Äbtissin und Gelehrte Hildegard von Bingen nicht nur bekannt war durch ihre Kräuterheilkunst, sondern auch eine Komponistin war. Und so erlebten sie musikalisch „Hildes Traum“, Zugabe inclusive. Er verabschiedete sich, aber nicht ohne Aufforderung an seine Zuhörer, der Museumsleitung für die Organisation ihrer Konzerte zu danken. Schließlich gab es für die Besucher zur späten Stunde noch eine künstlerische Zugabe, indem der Keramiker Markus Weingarten das Künstler-Atelier im Schlosshof öffnete, um sich an der Arbeit der Symposiumsteilnehmer zu erfreuen.

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