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26.08.2018 18:49

Künstler des Keramiksymposiums und ihre Ideen im Blickfeld

Zum 6. Museums-Café hatte das Museum und die Stadt Römhild in Zusammenarbeit mit dem Förderverein „Internationales Keramiksymposium e.V.“ am 12. August 2018 in den Festsaal der Glücksburg eingeladen.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – Es war ein ganz besonderes Museums-Café, zu dem Römhilds Bürgermeister Günther Köhler acht Künstlerinnen und Künstler aus acht Ländern und die Besucher anlässlich des 11. Internationalen Keramiksymposiums begrüßen konnte. Nach der feierlichen Eröffnung am vorangegangenen Dienstag an gleicher Stelle, war es ein weiterer Höhepunkt des vierwöchigen Symposiums, in das auch der Keramikmarkt auf dem Schlossgelände eingebettet war. „Ein solches Symposium, an dem Künstler aus aller Welt teilnehmen“, so Köhler, „bedarf einer langen und intensiven Vorbereitung, da es um die Beschaffung von Material, um die Bereitstellung des Ateliers und vielen Einzelheiten der Organisation geht“. Deshalb dankte er vor allem dem Förderverein, den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Museumsleiterin Kerstin Schneider und Kai Storch, Englischlehrer an der Herzog Bernhard-Schule Römhild.

Seit 2014 werde ein solches Café vom Museum veranstaltet, erklärte die Museumsleiterin, abgestimmt auf die jeweils stattfindende Sonderausstellung, um den Besuchern auch Vorstellungen der Künstler zu vermitteln. Doch dieses 6. Museums-Café sei ein ganz besonderes, weil sich alle teilnehmenden Künstler erstmal in einem solchen Rahmen der Öffentlichkeit stellen. Im November 2017 habe eine Jury aus den 115 Bewerbungen für das Keramiksymposium acht Künstlerinnen und Künstler aus acht Ländern ausgewählt. „Keramik spricht viele Sprachen“, so lautet das Thema im Künstleratelier des Schlosses, sagte Schneider. Das treffe im doppelten Sinne zu, denn nicht nur die Künstler sprechen verschiedene Sprachen, sondern auch ihre Kunstwerke drücken in Form, Gestaltung und Technik aus, was sie uns mitteilen wollen oder dazu anregen, unsere eigenen Gedanken hinein zu interpretieren. Schon jetzt galt Kai Storch ein besonderer Beifall, der alles bisher Gesagte ins Englische übersetzte. 

So erlebten die Besucher eine im Bild dargestellte Präsentation der von den anwesenden Künstlern geschaffenen Werke, die von der Kuratorin des diesjährigen Symposiums, Claudia Zachow, erarbeitet wurde. Welche künstlerische Sprache sprechen also die Künstler, die schon weltweit unterwegs waren und große internationale Erfolge für sich in Anspruch nehmen dürfen. Die Symposiumsteilnehmer, die im Alter zwischen 32 und 60 Jahren sind,  wurden abwechselnd von Kerstin Schneider und Fördervereinsmitglied Manuela Peter vorgestellt und ihr Bildungsweg auszugsweise festgehalten. Geht man von der Zahl der Teilnahme an Ausstellungen, ob Einzel- oder Gruppenausstellungen, Symposien, Workshops und Arbeitsaufenthalte in den verschiedensten Ländern der Erde aus, so würden diese bei einer Mehrheit der Teilnehmer ganze Seiten füllen. Nicht hinzugerechnet die hohen Auszeichnungen und Preise für ihr künstlerisches Schaffen.

Da ist Maria Bosch aus Spanien mit akademischen Abschluss mit Ausstellungen auf drei Kontinenten, Megumi Naitoh aus Japan, Professorin für Kunst in Boston tätig mit internationalen Preisen, Professor Ray Chen aus Taiwan, derzeit als Direktorin der Bildenden Künste am New England Institute of Education, USA, mit Ausstellungen in mehr als 20 Ländern oder die älteste Teilnehmerin Simcha Even-Chen aus Israel, deren Arbeiten in Museen in über 10 Ländern von USA über Europa (u.a. Deutschland), Ostasien bis Australien zu sehen sind.

Einem Ritterschlag gleich komme beispielsweise, ein Mitglied der Internationalen Keramikakademie (AIC) in Genf zu sein, wie es für Monika Patuszynska aus Polen zutrifft. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen ließen sie um die ganze Welt reisen. Eva Pelechovà kommt aus Tschechien, hat eine Gastprofessur an der Universität  Ladislav Sutnar im Fachbereich Keramik und war ebenfalls an zahlreichen Ausstellungen und Symposien schon vertreten. Joachim Lambrecht aus Heilbronn und seit 2004 bei Überlingen/Bodensee sein Atelier hat, hat das Handwerk eines Keramikers von der Pike auf gelernt und 1991 ein Studium als Bildhauer an der Akademie der Künste in Stuttgart abgeschlossen. Auch er hat schon weltweit ausgestellt und wurde mit Preisen bedacht. Jüngstesr Teilnehmer ist mit 32 Jahren Martin Harman aus Bristol/Großbritannien. Seine Ausstellungs- und Preisliste ist noch nicht so lang, doch darf er u.a. stolz sein auf den „First Collective Price“ an der Royal West of England Academy.

Allen Künstlern wurde zu ihren Arbeiten eine ganz spezielle Frage gestellt, beispielsweise zur Intention für ihr Werk, welche Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Ausdrucksvarianten bestehen, wie bei Lambrecht zwischen keramische Arbeiten und seinen Hobbys Fotografie und Musik oder warum das Material Porzellan besonders interessiert. Zum anderen ging es um Intentionen zu grafischen Strukturen, um Gegensätze zwischen der fernöstlichen und westlichen Kultur. Auf all die Fragen gab es eine Antwort, erläuterte jeder Künstler seine Sicht auf die Dinge und gab einen Einblick in seine Arbeit, in sein Denken und Fühlen. Dabei sei nochmals die hervorragende Übersetzerleistung von Kai Storch genannt, der zum Teil längere Erklärungen erfassen musste, um diese oder auch ganz emotionale Gründe für die Besucher wiederzugeben. Ein Fernsehjournalist hätte es wohl nicht besser machen können, so die Meinung vieler Besucher.

Denn gerade das war es, was dieses Künstler-Cafè so interessant machte. Auch wenn die Vorstellung der Künstler durch die abwechselnde Übersetzung ins Englische oder Deutsche mehr Zeit in Anspruch nahm, sei es gerade das gewesen, was sie interessiere, so einige Besucher im Gespräch. Durch die Erklärungen könne man sich besser in die Gedanken- und Ideenwelt des Ausstellers hineinversetzen. Andere Besucher wiederum, schauen sich gerne die Kunstwerke an und lassen sich von ihren eigenen Gedanken inspirieren zu dem was ein Künstler mit seiner Arbeit ausdrücken möchte. Doch in einem waren sich wohl alle Anwesenden einig, es war ein äußerst gelungener Café-Nachmittag. Stadträtin Bärbel Freund, die mit ihrer Kollegin Rabea Bärnreuther die Veranstaltung besuchte, zeigte sich enttäuscht, dass von den „Herrschaften“ im Stadtrat (16) niemand den Weg in den Festsaal fand. Aber auch einige andere Besucher aus Römhild und Umgebung hätten die wenigen leeren Stühle noch besetzen können. So äußerte Ingrid Theilig, die mit Ehemann Klaus zu den Stammgästen des Museums-Café gehört, ihren Stolz darüber, dass solche „tollen und hochkarätigen internationalen Künstler“ nach Römhild kommen. Dazu bedurfte es keines weiteren Schlusswortes.

Natürlich hieß es nicht umsonst Museums- bzw. Künstlercafé und so gab es beim anschließenden Kaffee trinken und einem leckeren Kuchenbuffet (Original eine Besucherin: „Ich kann sagen Guten Tag und Kuchen sehr lecker“) Gelegenheit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, soweit es sprachlich möglich war. Darüber nutzten die Besucher die Möglichkeit, sich die drei Ausstellungen zur Thematik Keramik und Symposien in der Glücksburg anzuschauen. 

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