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28.11.2016 16:00

Herbstfestival der Lieder in Haina

Haina - Einen klangvollen Auftakt des Chorkonzertes, das einem Kreissängertreffen gleich kam, erlebten die Sängerinnen und Sänger der 15 mitwirkenden Chöre durch die Jagdhornbläser von Haina Mitte Oktober im Kulturhaus Haina. Da hieß einfach nur Hereinspazieren, Zuhören, Genießen und Entspannen. Und damit dürfte auch der geäußerte Wunsch von Chorvorstand Mechthild Gundelwein auf einen vergnüglichen und wunderschönen Abend in Erfüllung gegangen sein. Sie begrüßte Chöre und Gäste und führte durch das Programm, das der Gastgeberchor mit Chorleiterin Marina Schmidt eröffnete, bevor sich die Mitglieder anschließend um die Bewirtung der Gäste kümmerten.

Die Zahl 15 bei den Chören relativierte insofern, dass jeweils drei im Doppelpack auftraten, zu denen auch der Männerchor Liederkranz Milz/Sängerlust Gleichamberg (Chorleitung Rudi Frank) gehörte. Passend zur Tageszeit, ließen die Sänger die "Nacht vom Berge steigen" (Abendfrieden), besangen das schöne "Heimatland", wo auf des Tales schmalen Weg ein Wanderbursche am Bächlein geht, um schließlich im "Krug zum grünen Kranze" einzukehren. Dem folgte der Gemischte Chor Schackendorf unter Chorleiter Hans Pfeifer und der Männergesangsverein Schwarzbach und Simmershausen. Da beide Chöre von Julia Schmelz geleitet werden, traten sie gemeinsam auf. Sie gönnte Moderatorin Mechthild Gundelwein eine Pause und kleidete ihre Titelansage in eine Geschichte ein. So sprach sie von einer Unterhaltung eines Jünglings mit einer schönen Blume (Heidenröslein), sich allerdings für "andere Mädchen in anderen Städtchen" entschloss und sich wunderte, dass seine Liebste aus dem "kühlen Grunde" verschwunden war.

So gemischt wie die Chöre, so vielseitig und abwechslungsreich war das Repertoire und so ansprechend, einfühlsam und freudig trugen sie auch ihre Lieder vor. Dabei wechselte traditionelles Liedgut mit modernen Rhythmen ab und bot echtes Hörvergnügen. So sang der Gemischte Chor aus dem benachbarten unterfränkischen Hendungen (Ltg. Egon Werner) das traditionelle Herbstlied "Bunt sind schon die Wälder". Und nach einer Volksweise aus Kroatien stellten die Sänger mit dem Song des Liedermachers Hannes Wader fest, dass sie seit ihrer Gründung 1971 "Heute hier, morgen dort" waren. Schließlich gab auch die Chorgemeinschaft "Bahragrund" aus Behrungen mit Chorleiterin Ines Richter ihre Visitenkarte ab.

Aus der Chorszene nicht mehr wegzudenken ist wohl auch der Schlosserchor aus Kloster Veilsdorf und der Männergesangsverein Veilsdorf unter der Leitung wiederum von Hans Pfeifer, der zugleich seinen Chorleiterkollegen Stefan Höfer mit vertrat. Sie waren dem Wein zugetan und beschrieben den Weg "Aus der Traube in die Tonne, aus der Tonne in das Fass" und setzten nach "Ich weiß ein Fass im tiefen Keller. So richtig lustig wurde es auf der Bühne und im Saal mit der Geschichte vom "Hahn von Onkel Giacometo" mit dem berühmten Hahnenschrei.

Überhaupt beeindruckten die Chöre mit ihren musikalischen Darbietungen, in denen durch melodische, rhythmische und besinnliche Phasen die richtigen Akzente gesetzt wurden. Und immer wieder ist es auch die Handschrift der Chorleiter, die man deutlich spürt. So zog der Gesangsverein "Harmonie" St. Kilian mit ihrer Chorleiterin Sigrun Hanft singend durch den Saal auf die Bühne, um festzustellen, was es doch "für ein schöner Tag" ist. Mit ihrem nachdenklichen Song "Menschen der Erde, reicht euch die Hand" trafen sie wohl auf einen vielfachen aktuellen Wunsch. Variantenreich auch ihre "launische Forelle", bevor sie mit Musik (Akkordeon und Gitarre) und Gesang versicherten, "Auf Wiedersehn, wir kommen wieder".

Herbstzeit ist auch Wanderzeit, da passte der Gießübeler Chor "Wanderlust" ganz gut dazu. Und nachdem die Sängerinnen und Sänger mit ihrem Chorleiter Gunter Heß "...in der Heide" unterwegs waren, machten sie "Am Brunnen vor dem Tore" eine Rast. Und nach einer kleinen lustigen Einlage, in der Gießübel und Haina als Sieger hervorgingen, warb er mit den Männern "Komm in den Wald" und "Mädel heirat mich, ich bin ein Depp", was keinesfalls wörtlich zu nehmen war. Mit dem Gesangsverein Schleusegrund 1863 stand ein weiterer stimmgewaltiger und klangvoller Chor mit Kreischorleiterin Yvonne Unger auf der Bühne. Sie stellten fest, "Im Walde da wachsen die Schwämm" um dann einen Ausflug in die Film- und Schlagerbranche zu machen. Mit "Ich brauche keine Millionen" aus dem Film "Hallo, Janine" und "Ich komm bald wieder, wieder zurück", was einst schon Cindy & Bert versprachen, begeisterten sie die Sangeslustigen im Saal. Und was erstaunte, dass bei so vielen Chören kein Lied doppelt erklang, was für das Repertoire aller Chöre sprach.

Sie mussten lange warten, die fünf Frauen und ein Mann vom Singkreis "Da Capo" mit ihrer Leiterin Kathrin Eppler, doch die Beifallsstürme aus den Chorreihen waren umso heftiger. So glänzte der Singkreis durch seine brillanten Einzelstimmen und der Körpersprache, die die Freude am Singen sichtbar werden lässt. Mit "Klein aber fein" wurde der Chor angesagt und bestätigte es mit dem wunderschönen Intrada a capella. Den Schlusspunkt wiederum setzte Haina, dieses Mal war es der Männerchor mit Marina Schmidt, der mit "Lollipop" in die Heener Vollmondnacht eindrang und sich wünschte "Komm in die Gondel mit mir". Mit einer lustigen Hommage an die Männer "Männer mag man eben" teilten sie so manche Meinung, oder?

Zumindest ging ein fast vierstündiger Liederabend zu Ende, der wohl für jeden ein musikalischer Genuss war und "kaum zu toppen ist", wie die Moderatorin freudig feststellte. Doch was machte es so anziehend und kurzweilig? Es war die Qualität aller Chöre, die breit gefächerte Liedauswahl und es war ein Vergnügen, den Dirigierenden zuzusehen. Denn sie bestimmen die Qualität eines Chores entscheidend mit. Wie sie mit Mimik und Körpersprache ihren Sängerinnen und Sängern die Töne entlocken und mitreißen, verdient höchste Anerkennung. Das war Chorgesang auf hohem Niveau und ein gelungener Abend.

Fotos: Kurt Lautensack

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