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10.09.2018 20:34

Heiße Klänge in der Glücksburg

Wenn das Museumsteam „Schloss Glücksburg“ Römhild zum Konzert der Thüringer Hofmusiker einlädt, dann ist ein voller Festsaal garantiert.

Von: Kurt Lautensack

Duo Perfetto

Duo Perfetto

Clorinda Perfetto

Robert Witt

Römhild – Das war am Sonntag beim Herbstkonzert nicht anders. Stammbesucher wissen, dass die Hofmusiker auch stets mit einem musikalischen Leckerbissen aufwarten, der ihnen am Sonntagnachmittag mit dem deutsch-italienischen „Duo Perfetto“ bestens gelungen war. Das Duo, das sind die Sardinierin Clorinda Perfetto als Pianistin und der aus Sachsen stammende Cellist Robert Witt, ehemals Solocellist der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Sie leben auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien und sind am Theater der Hauptstadt Cagliari engagiert. Eine Studienfreundschaft mit Ulrich Welsch und Isabel Kühn, den Gründern der Römhilder Konzertreihe, führte zu diesem außergewöhnlichen Konzert in der Glücksburg. Ulrich Welsch war es dann auch, der die beiden Künstler vorstellte. Er freue sich ebenso wie alle Gäste im Festsaal auf das Konzert, so Welsch, „weil ich heute einmal nicht als Musiker auftrete, sondern als Zuhörer ihre Musik genießen werde“.

Während ihres Programms führte Robert Witt mit seiner Partnerin die Besucher „auf eine unglaubliche Reise von Sizilien bis zum Rio de la Plata“. Am Rio de la Plata, dem Mündungsgebiet des Paraná, liegt die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Es war eine Reise im doppelten Sinne, musikalisch und geografisch. Denn ihre Konzertreise habe sie vom heimatlichen Cagliari im Süden Sardiniens über Rom, Venedig und Berlin bis nach Römhild geführt, so Robert Witt. Dabei stellten sie Werke italienischer, spanischer und argentinischer Komponisten vor bzw. haben Werke für Cello und Piano umgeschrieben.

Nach ihrem furiosen musikalischen Auftakt nahmen sie ihre Zuhörer mit auf eines der Schiffe des spanischen Seefahrers Pedro de Mendoza, um mit ihnen durch den Atlantik bis nach Südamerika zu segeln, um wie einst Mendoza 1535 die „neue Welt“ kennenzulernen. Und da eine Atlantiküberfahrt nicht ganz ohne sei, so der Cellist, ging es auch musikalisch stürmisch zu, wobei sich man sich mit etwas Fantasie den herannahenden „Haifisch“ in ihrer ausdrucksstarken Darbietung durchaus vorstellen kann.

Wundervoll eingebettet in ihre ausgewählten Stücke drangen sie gefühlvoll in die Gedankenwelt von Seefahrern und der Sklaven ein. So beispielsweise in Ennio Porrinos „Traum der Sklaven“, bei Andalusa von Caspar Cassado, in dem die Vorstellungen eines jungen Kapitäns ausgedrückt werden oder bei einem „der schönsten Liebeslieder“, von beiden leidenschaftsvoll umgesetzt. Dabei ist es vor allem das Einfühlungsvermögen der Künstler, Liedtexte musikalisch zu interpretieren. In den dargebotenen Werken war der Namensstreit der Gründer der Stadt Buenos Aires (steht im Spanischen für Heilige Maria der Guten Luft) um Pedro de Mendoza eingeflochten. So erlebten die Besucher auf musikalischer Art ein Stück Geschichte von Buenos Aires, „der Hauptstadt Amerikas und des Tangos“, der in Südamerika seinen Ursprung habe, so Robert Witt, und sich nach Norden ausbreitete. Mit hoher klanglicher Qualität begeisterten Clorinda Perfetto und ihr Partner beim Tango „Graciela Buenos Aires“ von José Bragato das Konzertpublikum.

Titel und Komponisten zu erraten, galt es bei einem weiteren Werk. Beides wurde zwar nicht erraten, doch dürften nach dem Konzert die Besucher um das Kennenlernen von Komponisten und ihrer Werke reicher sein. Bei dem Musikstück ging es um den argentinischen Tangokomponisten Astor Piazzolla, der als wichtigster Vertreter des modernen Tangos überhaupt gilt. Seine Komposition „Oblivion“ interpretierten die Künstler eindrucksvoll, dass der Tango-Rhythmus auch Platz für besinnliche melodische Momente bietet. Zurück nach Sardinien hatten sie noch eine Besonderheit zu bieten. Bei einem Glas Wein, so erzählt Robert Witt, hätten sie Gelegenheit ein Stück für vier Saophone zu hören. Das habe sie so begeistert, dass sie es für Klavier und Cello umgeschrieben hätten. Die Begeisterung für das das Stück und das Konzert überhaupt drückten auch die Besucher durch ihren anhaltenden Beifall aus. „Wir haben schon begriffen“, meinte Witt, und so gab es noch eine Zugabe mit „Gitarren- und Schlagzeug-Improvisation“.

Seit einigen Jahren längst zum Konzertprogramm dazu gehörend, laden die Museumsleitung und Musiker nach dem Konzert zu einem gemeinsamen und gemütlichen Ausklang bei Kaffee und Kuchen ein. Von den Konzertgästen wird dieses Angebot des Museums auch sehr gern und dankend angenommen.

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