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04.04.2018 09:53

Grünes Band: Sitzwarte für Braunkehlchen

Das Grüne Band ist ein wahres Paradies für geschützte Tier- und Pflanzenarten und weist eine große Artenvielfalt auf. Zu den geschützten Vogelarten gehört auch das Braunkehlchen.

Von: Kurt Lautensack

Römhild/Mendhausen – Artenschutzprojekte sorgen dafür, dass sich gefährdete und damit auch geschützte Tier- und Pflanzenarten entwickeln können und ihr Fortbestand gesichert werden kann. Ähnlich wie bei den Projekten „Steinkrebs“ oder „Steinkauz“, widmet sich ein weiteres Artenschutzprojekt im Südthüringer Grabfeld dem Braunkelchen. Dazu gab es kurz wenige Tage vor den Osterferien eine gemeinsame Aktion vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Ortsgruppe Römhild, dem Landschaftspflegeverband „Thüringer Grabfeld“ (LPV) mit Sitz in Römhild und Schülern der 7. Klasse der Herzog Bernhard-Schule im Rahmen eines Projekttages. Aktionsgebiet war das „Grüne Band“ (ehemaliger Grenzstreifen) im Bereich Mendhausen. „Die Braunkehlchen kehren Anfang bis Mitte April aus ihren Winterquartieren in den

subtropischen Gebieten in ihre europäischen Brutgebiete, also auch zu uns zurück“, erklärte Horst Worliczek als Vertreter der BUND-Gruppe. Da das Braunkehlchen als typischer Wiesenvogel sein Nest in der Regel am Boden baut und dort die Eiablage erfolgt, sei es auf intensiv genutzten Flächen stark gefährdet. Denn für sein Brutgeschäft, das insgesamt den Zeitraum zwischen Ende April und Mitte Juli umfasst, benötigt das Braunkehlchen etwa einen Monat. Durch die intensive landwirtschaftliche Flächennutzung werden die Bodennester aber vermäht oder anderweitig zerstört, so dass es seine Jungen nicht ungestört aufziehen kann und Brutverluste die Folge sind.

Das grüne Band biete daher gute Möglichkeiten für ein solches Artenschutzprojekt, erklärte Susanne Schuchardt von der Natura 2000-Station „Grabfeld“ des LPV. Natura 2000, manchen vielleicht noch nicht so geläufig, fördere und unterstütze Maßnahmen und Projekte, die zum Erhalt der Kulturlandschaft beitragen, sei es bei Maßnahmen im Grünen Band, dass vom LPV auf 155 km betreut wird, bei Streuobstwiese oder bei der Renaturierung von Fließgewässern. Da es „bei der Umsetzung von Artenschutzprojekten oder aber auch bei der Erhaltung der unterschiedlichen Grünlandflächen des Grünen Bandes“ viele Akteure bedarf, sei diese gemeinsame Aktion dafür ein hervorragendes Beispiel.

So sieht es auch der Fachlehrer für Biologie an der Regelschule Römhild, Kai Adelmann, der mit seinen Schülern im Rahmen des Faches Natur & Technik bzw. Biologie am Projekt teilnahm. „Es ist eine gute Gelegenheit, die Schüler praxisnah mit dem Umwelt- und Naturschutz vertraut zu machen und ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken“, so der Biologielehrer. Außerdem bieten solche gemeinsamen praktischen Arbeiten eine Möglichkeit, die Schüler für die Arbeit im Natur- und Landschaftsschutz zu sensibilisieren und ihr Interesse an einer späteren Mitarbeit zu wecken. Im vorliegenden Beispiel ging es darum, mit den Schülern sogenannte „Sitzwarten“ für das Braunkehlchen aufzustellen. Die Sitzwarten sind nötig, erfuhren sie zur Erklärung, um die Nahrungssuche aus einem erhöhten Sitz auf Wiesenflächen, Krautschichten, Raine oder kleinen Brachflächen zu erleichtern. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören Käfer, Insekten, Larven, Spinnen, Würmer oder auch kleine Schnecken, die von einer Sitzwarte besser gesichtet werden können.            

In einer Art geometrischen Formen angeordnet, wurden auf einer jeweils begrenzten Fläche die Sitzwarten (Stangen, Stäbe) aufgestellt. Dazu wurden von den Schülern die Abstände der Sitzwarten vermessen und mit Erdbohrern von Hand kleine Bohrungen gemacht, in die die Stäbe eingesetzt und festgetreten wurden. An vier der vorbereiteten Flächen konnten so am Projekttag der Schüler die Sitzwarten aufgestellt werden. Dabei wurde den Schülern von den Erwachsenen bei nicht gerade angenehmen Temperaturen eine fleißige Arbeit bestätigt.

Mehrere geeignete Stellen im Bereich des Grünen Bandes um Mendhausen waren dazu bereits im Vorfeld gemeinsam von Horst Worliczek und Susanne Schuchardt ausgesucht worden. Einige der ausgesuchten Flächen gehören nach den Aussagen von Worliczek dem BUND, während der größte Teil des Grünen Bandes der Stiftung Naturschutz Thüringen gehöre. Bei der Betreuung dieser Flächen durch den LPV als Träger einer Station „Natura 2000“ mit dem Hauptziel „Offenhaltung des ehemaligen Grenzstreifens“ sei deshalb eine Zusammenarbeit mit Schäferbetrieben (im besagten Grenzabschnitt) und im Verband mitarbeitenden Landwirten im Haupt- oder Nebenerwerb unverzichtbar, sagte Susanne Schuchardt dazu abschließend. 

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