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06.10.2015 10:27

Grenztour

Für die diesjährige „Radtour ohne Grenzen“ war am vergangenen Sonntag der Grabfeldort Mendhausen als Start und Ziel auserkoren worden.

Von: Kurt Lautensack

Mendhausen – Die innerdeutsche Grenze, der sogenannte „Eiserne Vorhang“, war über Jahrzehnte hinweg ein mahnendes Zeichen der Teilung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg. Das spürten die Menschen in den Orten in Ost und West, die unmittelbar an der Grenze lagen, am allerdeutlichsten, wenn auch auf die verschiedenste Weise. Das trifft besonders auch für Mendhausen und seinen westlichen Nachbardörfern Rothausen, Höchheim und Irmelshausen zu, die nur einen Steinwurf auseinanderliegen.

Die Wiedervereinigung führte die Menschen wieder zusammen oder brachte sie zumindest einander wieder näher. „Radtour ohne Grenzen“ soll dies untermauern und zugleich daran erinnern, einen 40 Jahre währenden Zustand nicht wieder zuzulassen, ihn aber auch nicht zu vergessen. Ins Leben gerufen wurde diese Aktion vor ca. 15 Jahren von den Kirchgemeinden auf beiden Seiten, weiß Römhilds Pfarrer Thomas Perlick, also zu einem Zeitpunkt, als er noch gar nicht in Römhild die Pfarrstelle angetreten habe. Das habe noch sein Vorgänger, der für Mendhausen zuständig war, mit initiiert.

Neben Pfarrer Perlick ist es seine Amtskollegin, Pastorin Beate Hoffmann-Landgraf aus Irmelshausen, die diese kleine Rundfahrt mit organisiert und natürlich auch selbst mitradelt. Die diesjährige Tour startete am Dorfbackhaus in Mendhausen und führte über die fränkischen Nachbarorte Rothausen, Höchheim und Irmelshausen wieder zurück nach Mendhausen. Das Wetter sei „streckenweise nicht schön, sondern nass und streckenweise kühl“ gewesen, formulierte Pastorin Hoffmann-Landgraf. Doch für die Radfahrer gilt ähnliches wie für die Wanderer, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und so schreckte die wechselhafte Witterung auch die knapp 30 Radler aus allen vier Orten und darüber hinaus nicht ab, die nun schon traditionelle Tour mitzumachen. Sie wechselt durch und beginnt und endet jedes Jahr in einem anderen der vier Orte.

In jedem Ort sei ein kurzer Stopp gewesen, erklärte Mitradler Fredi Floßmann aus Mendhausen, um inne zu halten, um ein Gebet zu sprechen. Denn die Ortschaften verbindet nicht nur der Gedanke an einen Zusammenhalt beiderseits der Landesgrenze, sondern auch der Glaube. Wieder in Mendhausen angekommen, wusste der gebürtige Mendhäuser Adolf Herda, der sich zu DDR-Zeiten ins Fränkische abgesetzt hatte und in Höchheim zu Hause ist, einige Geschichten zu erzählen. Dass er sich nach wie vor mit Mendhausen verbunden fühlt, zeigt seine kleine Geschichte vom Denkmal zum Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Denn die heutige Mauer in Herzform, die das Denkmal umgibt, so Herda, stamme aus Schweinfurt. Dort habe sich nach der Wende ein Bürgerinitiative an einem Denkmal dafür ausgesprochen: „Die Mauer muss weg“ (kein Bezug zur Grenze). Das hörte Adolf Herda und er wusste auch gleich einen passenden Ort als neuen Standort. Ihm sei sofort sein Heimatort Mendhausen eingefallen und so umschließt seit Anfang der 1990er Jahre diese schöne Mauer die Denkmalanlage im Kirchgarten von Mendhausen.

Da das Wetter zu unsicher schien, wurde die anschließende Andacht, durchgeführt von Beate Hoffmann-Landgraf (Predigt) und Thomas Perlick, der die ausgewählten Lieder mit der Gitarre begleitete, in der Kirche und nicht wie vorgesehen am Dorfmuseum. Was dabei öfters, auch bei anderen gemeinsamen Gottesdiensten auffällt ist, dass unsere fränkischen Nachbarn stimmgewaltiger in den Gesang einstimmen. In ihrer Predigt ging die Pastorin der Frage nach, die auf der Suche nach einem Ziel wohl öfters gestellt wird: „Ist das der richtige Weg?“ Nun gebe es heute zwar das Navi, doch es kenne weder Umleitungen, Baustellen oder andere Hindernisse, die zu bewältigen seien. So sei es auch mit dem eigenen Lebensweg. Auch wenn alles geplant und durchdacht sei, gebe es manche Schwierigkeiten zu überwinden. Manches gehe leichter als gedacht, anderes erweise sich als größere Hürde. Doch höre man auf die Stimme Gottes mit den Worten „Folge mir nach…“, dann sei man in jedem Fall auf den richtigen Weg.

Schließlich hatten sich die Mendhäuser auf die Ankunft der Radler vorbereitet, um am Gemeindehaus bei Kaffee oder anderen Getränken, bei Steak und Bratwurst noch miteinander ins Gespräch „über Gott und die Welt“ zukommen, bevor die Heimreise, sogar bis ins Unterland, wieder angetreten wurde.

Fotos:

 

  1. Ortsausgang Irmelshausen
  2. Einfahrt Mendhausen
  3. Adolf Herda begrüßt die Radler am Denkmal

 

 

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