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29.05.2018 11:10

Engagement, Entwicklung, Ehrenamt: der Römhilder Ehrenamts-Stammtisch

Dr. Julia Ackerschott, Thüringer Landgesellschaft mbH, Kulturmanagerin der Landkreise Hildburghausen und Sonneberg

Von: Dr. Julia Ackerschott

Dr. Julia Ackerschott

In den Jahren 2013 und 2014 haben die Landkreise Hildburghausen und Sonneberg ein Kulturentwicklungskonzept für ihre Region erarbeitet. Unter großer und engagierter Beteiligung von Vertretern aus Politik und Verwaltung, vor allem und insbesondere jedoch von Kulturschaffenden jeglicher couleur wurde das Kulturentwicklungskonzept entwickelt und im Frühjahr 2015 in Arnstadt vorgestellt. Zu Beginn des Jahres 2016 fiel der Startschuss für die Umsetzungsphase. Sowohl die Konzeption als auch die Umsetzung wurde bzw. wird zu 100 Prozent vom Freistaat Thüringen gefördert und begleitet.

Ein für die Region wichtiger Themenkomplex sind die Vereine, die mit ihrem meist ehrenamtlichen Engagement ihr Umfeld gestalten und bereichern. Die hohe Vereinsdichte in der Region zeigt deutlich, wie sehr die kulturelle Vielfalt im ländlichen Raum und zugleich die Lebensqualität der Menschen vor Ort im Bezugssystem von Vereinen verankert sind. Über 600 Vereine aus beiden Landkreisen haben sich in die Konzeptionsphase eingebracht.

Die in der Konzeptionsphase ausgearbeitete Idee, sog. Runde Tische für Vereine zu gründen, wurde von David Wiedemann noch vor Beginn der Umsetzungsphase aufgegriffen und in Angriff genommen. Gemeinsam mit Katharina Schmidt, Selina Dauer und Stefan Hammer, die ebenfalls Ehrenamtler aus Überzeugung sind, wurde der Römhilder Ehrenamts-Stammtisch gegründet. Der Runde Tisch soll zum Austausch unter Vereinen genutzt werden. So werden Termine abgestimmt, Probleme besprochen, aber auch gemeinsame Projekte geplant wie beispielsweise das "Fest der Vereine", das im Sommer 2016 erstmalig stattfand.

So wie im Landkreis Hildburghausen der Römhilder Ehrenamts-Stammtisch ins Leben gerufen wurde, so machten sich im Landkreis Sonneberg Akteure des Vereins schwarzwurzel e.V. ebenfalls ans Werk und luden Vereine der Region zum Treffen am Runden Tisch ein. Während in Römhild der Ehrenamts-Stammtisch bis heute aktiv ist, ist das Projekt im Sonneberger Raum sehr schnell zum erliegen gekommen. Die angesprochenen Vereine lagen räumlich oft sehr weit auseinander, mitunter große Wegstrecken zum Treffpunkt verhinderten eine rege Teilnahme. Anders in Römhild, wo der Stammtisch mehr lokal denn regional ansetzt.

Der Römhilder Ehrenamts-Stammtisch trifft sich halbjährlich. Hauptzielgruppe sind Vereine der Stadt Römhild mit ihren 14 Ortsteilen. Auch willkommen sind Vereine benachbarter Gemeinden. Jedes Treffen findet in einem anderen Ortsteil Römhilds statt, so dass es zugleich um ein Vorstellen und Kennenlernen neuer Orte bereichert wird.

Der Stammtisch bietet jedoch mehr als Austausch und Abstimmung untereinander. Ein wichtiger Punkt ist das Thema "Sichtbarkeit" und damit einhergehend "Anerkennung". So gelingt es dem Stammtisch regelmäßig, Vertreter der Politik zu begrüßen: sei es der Bürgermeister oder der Landrat, seien es die Stadträte oder Vertreter der Thüringer Staatskanzlei.

Zugleich zeichnet sich die Römhilder Initiative dadurch aus, seinen Mitglieder Weiterbildungsangebote bereitzustellen, indem Referenten entweder direkt am Stammtisch teilnehmen oder in Form von Kooperationsangeboten, z.B. mit der Kreisvolkshochschule, die extern wahrgenommen werden können. Hierbei geht es um Fragen wie Vereinsrecht, Steuern, Pflichten bei Veranstaltungen etc. Der Bedarf an Weiter- und Fortbildungsangeboten wurde schon in der Konzeptionsphase formuliert.

Auch das Themenfeld "Fördermittel" wird immer wieder aufgegriffen, entweder als Übersicht möglicher Fördermittelgeber in Textform oder in Gestalt von Ansprechpartnern, die in ihrem Feld beratend oder begleitend den Antragstellern zur Seite stehen wie die LAG Soziokultur.

Dass der Römhilder Ehrenamts-Stammtisch so gut funktioniert und sich zu einem wichtigen Akteur in der Region, dessen Bekanntheitsgrad bis zur Landesebene reicht, entwickelt hat, liegt einerseits an dem ausgewogenen, an den Bedürfnissen von Vereinen ausgerichtetem Konzept, andererseits aber auch an der Ausdauer der Organisatoren. Es braucht Zeit und einen langen Atem. Es braucht Menschen, die bereit sind, den Hut aufzubehalten, und die auch hin und wieder aufkommenden Gegenwind aushalten können. Es braucht Aufgeschlossenheit für die Bedürfnisse anderer und eine Kultur des Miteinanders, die dafür Sorge trägt, dass alle Generationen gerne um einen Tisch sitzen.

Als Kulturmanagerin der Landkreise Hildburghausen und Sonneberg, begleite ich seit 2016 die Umsetzungsphase des Kulturentwicklungskonzeptes. Den Römhilder Ehrenamts-Stammtisch habe ich mehrfach besucht und auch jenseits der Treffen der Vereine standen die Initiatoren und ich stets in einem engen und guten Kontakt. Selina Dauer, Stefan Hammer und David Wiedemann sind stets Impulsgeber und Teil des Netzwerks, das unabdingbar für die Entwicklung und Gestaltung eines vielseitigen, lebendigen und aufgeschlossenen Raums ist. Mitte 2018 endet die Umsetzungsphase. Was bleibt sind Initiativen und Akteure in der Region, die als Ansprechpartner fungieren, Sichtbarkeit sichern, Entwicklungen befördern, Netzwerke schaffen und ausbauen, so wie der Römhilder Ehrenamts-Stammtisch.

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