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01.02.2017 22:25

Chronisten als Zeitzeugen der Ortsgeschichte

In Mendhausen trafen sich Anfang Januar 2017 interessierte Frauen und Männer aus fast allen 14 Ortsteilen der Stadt Römhild, um als Hobby-Ortschronisten ihre Mitarbeit an der eigenen Ortsgeschichte zu bekunden.

Von: Kurt Lautensack

Ortschronisten der Stadt Römhild

Museum Westenfeld

Museum Westhausen

Römhild/Mendhausen – Wer erinnert sich noch an die Torhäuser in Hindfeld und Simmershausen, wer weiß noch um die Bahnstrecke Haina-Westenfeld, wer kann sich noch an die Seilbahnen erinnern, die vom Römhilder oder Gleichamberger Steinbruch nach unten führten oder wer an die Ausweisung der ersten Gewerbeflächen? Nicht auszudenken, wenn es in den zurückliegenden Jahrzehnten und auch Jahrhunderten keine Menschen gegeben hätte, die das aktuelle Zeitgeschehen am jeweiligen Ort zu Papier gebracht hätten. Die erste Erwähnung eines Ortes findet sich oft in einer Urkunde, doch was wüsste man sonst über das Leben oder den besonderen Ereignissen seines Heimatortes, der Stadt oder Region, wären nicht fleißige Ortschronisten am Werk gewesen. Viele Ortsteile verfügen auch über Ortschroniken, die aus Anlass eines Jubiläums verfasst wurden, doch nicht immer werden Daten und Fakten festgehalten. Oftmals entdeckt man aber Lücken in der Chronologie der Ortsgeschichte und es beginnt eine aufwendige Suche, um diese Lücken zu schließen. Vieles existiert nur in der Erinnerung, im gesprochenen Wort und droht allmählich zu verblassen, wenn sich niemand findet, das aktuelle Geschehen zu Papier zu bringen.

Genau aus diesem Grund hatte man sich im Stadtrat bzw. im Kultur- und Sozialausschuss Gedanken darüber gemacht, auch in Zusammenarbeit mit aktiven Ortschronisten oder Heimatvereinen, die sich dieser Aufgabe mit angenommen haben. Leute aus den einzelnen Ortschaften sollten angesprochen werden, von denen man wusste, dass sie bereits aktiv sind oder um sie zu gewinnen. So kam es im Februar 2016 zu einem ersten Treffen. Ziel war es gewesen, „Mitstreiter zu finden, die sich ehrenamtlich dieser wichtigen kulturellen, dokumentarischen und geschichtlichen Aufgabe annehmen“, erklärte Detlef Floßmann, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, hier in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Heimatvereins Westenfeld. Zwei weitere Zusammenkünfte folgten im Mai und Oktober 2016, wo bereits Schwerpunkte besprochen und Erfahrungen mit Einwohnern ausgetauscht wurden, die sich bereits länger um das Bewahren der Dorf-Geschichte kümmern.

Dabei kam man mit der Stadt überein, dass diese für ihren Ortsteil ehrenamtlich Tätigen auch einen gewissen Status erhalten und als Anerkennung zu Ortschronisten berufen werden. Insgesamt haben sich 16 Frauen und Männer aus 12 von 14 Ortsteilen der Stadt bereiterklärt, sich als Ortschronist zu engagieren, wenn auch zwei oder drei Personen nicht offiziell berufen werden wollten, aber trotzdem als solche tätig sein werden. Während sich in Gleicherwiesen gleich vier Personen bereit erklärten, als Hobby-Chronist an der Ortsgeschichte mitzuwirken, hat in Gleichamberg, das mit Milz und Haina zu den drei größten Ortsteilen gehört, kein Einheimischer Interesse an der Mitarbeit als Ortschronist signalisiert. Eigentlich schade für ein Dorf dieser Größe, ja fast ein wenig blamabel. Aber es muss ja nichts Endgültiges sein, denn die Ortschronisten treffen sich in bestimmten Abständen regelmäßig, so dass zu jeder Zeit Interessenten dazu stoßen können. Gleiches gilt übrigens auch für Zeilfeld, wo sich bisher niemand gemeldet hat, aber über dem Heimat-Förderverein sicherlich ein Weg gefunden werden könnte. Denn gerade dort wo ein Heimatverein oder gar ein Dorfmuseum vorhanden ist wie beispielsweise in Hindfeld, Mendhausen und Westenfeld, liegt meistens auch umfangreiches Material zur Sichtung bereit bzw. werden aktuelle Ereignisse festgehalten. 

Die jüngste Zusammenkunft in Mendhausen nutzte Bürgermeister Günther Köhler im Beisein der Stadträte Friedrich Matkey, Wolfgang Sonntag und Arno Schmidt, um den Ortschronisten ihre Berufungsurkunde zu übergeben bzw. ihnen für ihre Bereitschaft zur weiteren ehrenamtlichen Mitarbeit zu danken. Aus den Ortsteilen waren folgende Frauen und Männer anwesend: Annemarie Baumann (Eicha), Bernhard Engelbrecht und Eckhard Witter (Gleicherwiesen), Horst Thein (Haina), Andreas Fuchs (Hindfeld), Elke Thomas und Bärbel Freund (Mendhausen), Anneliese Wolf (Milz), Ralf Rainer König (Römhild), Stefan Klopf (Roth), Joachim Kreußler (Sülzdorf), und Detlef Floßmann (Westenfeld). Kai Storch, Fachlehrer für Englisch und Geschichte, war als Vertreter von der Herzog-Bernhard-Regelschule anwesend. Zum Zeitpunkt verhindert waren Bernd Heim (Bedheim), Mario Stärker und Steffen Bösemann (Gleicherwiesen) und Siegfried Erbach (Gleicherwiesen). Neben der Berufungsurkunde werden die Ortschronisten noch einen Ausweis mit ihrem Lichtbild erhalten, der sie als solche ausweist, um ihnen damit möglicherweise auch die Arbeit bei der Beschaffung von historischen Material oder den Zugang zu Archiven erleichtert. 

Am wichtigsten aber sei es vor allem, und darüber waren sich alle in der Beratung einig, dass in den Ortsteilen das aktuelle Geschehen aufgearbeitet und zum Beispiel in eine Art „Jahresblätter“ niedergeschrieben wird. Dabei seien bestimmte politische Ereignisse eine wichtige Quelle für das Verständnis der Gegenwart, um der jungen nachfolgenden Generation Dinge zu vermitteln. Dabei hoffen die ehrenamtlichen Geschichtsschreiber natürlich auch auf die Mitarbeit jüngerer Leute. „Auch wenn sich jemand nicht als Ortschronist betätigt“ meinte Bärbel Freund in einem Gespräch“, „so ist jede Mithilfe oder Mitarbeit willkommen“. Als Beispiel nannte sie Joachim Schütz aus Römhild, der sich als Sammler von Fotos oder wichtigen Zeitdokumenten schon erwiesen hat und diese aufarbeitet. Wichtig sei zu wissen, an wen man sich eventuell wenden kann. Das können die nun bekannten Ortschronisten, sie selbst und Detlef Floßmann als Mitinitiatoren dieses angeschobenen Projektes oder einfach die Stadtverwaltung sein. Denn über eines sind sich alle einig, „was nicht festgehalten wird, geht verloren“.

Fotos: Kurt Lautensack

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