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21.02.2018 22:28

Christian Heurich „Aus meinem Leben“ – digital weltweit verfügbar

Was hat die Autobiografie des gebürtigen Hainaer Christian Heurich und Auswanderer nach Amerika mit der Retrodigitalisierung bei der Bibliothek des Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) bzw. mit den Steinsburgfreunden zu tun, eine Frage, auf die es inzwischen eine Antwort gibt.

Von: Kurt Lautensack

Römhild/Weimar – „Meine Wenigkeit wurde schon oft seit längerer Zeit von verschiedenen Personen aufgefordert, meinen Lebenslauf zu beschreiben, doch ich lehnte es ab. Da nun das 90. Lebensjahr hinter mir liegt und es auch meine Kinder interessieren dürfte, eine Beschreibung meines Lebens zu lesen, will ich versuchen, dem Wunsche zu entsprechen“. So beginnt der „am 12. September 1842 in Haina bei Römhild in Herzogtum Sachsen-Meiningen“ geborene Christian Heurich (gest. 05.03.1945 in Washington DC.) sein Buch „Aus meinem Leben“. Vorausschickend sei bereits erwähnt, seine Lebensgeschichte ist unbedingt lesenswert und seine Lebensleistungen bewundernswert. Schon die wenigen Seiten der Schilderung seiner Wanderjahre zwischen 1859 und 1866 kreuz und quer durch einen Teil Europas sind äußerst spannend und manches in seinem Buch lässt den Leser auch schmunzeln.

Doch dazu später mehr, denn für den Verein „Gemeinde der Steinsburgfreunde“, der seine vorjährige Herbsttagung Christian Heurich widmete, war ein vordergründiges Problem, wie seine Lebensgeschichte vielen interessierten Leuten bzw. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte. Denn wie von Manuela Hartung zu erfahren war, sie ist wissenschaftliche Bibliothekarin der „Bibliothek Archäologie“ im Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) mit Museum für Ur- und Frühgeschichte Weimar, existieren weltweit nur noch wenige Exemplare. In Thüringen würden sich nach ihrem Wissen lediglich noch zwei Exemplare befinden. Eines sei im Bestand der Forschungsbibliothek Gotha und das zweite befindet sich im Bestand der Museumsbibliothek des „Steinsburgmuseums“ in Römhild-Waldhaus, der Außenstelle des TLDA.

Wie also könnte ein solcher öffentlicher Zugang zu seiner Lebensgeschichte ermöglicht werden? Der Schlüssel für die Lösung des Problems lag in der Retrodigitalisierung (Digitalisierung analoger Publikationen wie z. B. Druckerzeugnisse, Filme, Tonbänder), die vor allem in Bibliotheken und Archiven eingesetzt wird, wie Hartung erklärte. Dadurch sei es möglich, für Interessierte einen weltweiten Zugang zu den unterschiedlichsten Fachinformationen, zu Handschriften, zu selten gewordenen, gefährdeten oder vergriffenen Werken zu ermöglichen und der Nachwelt zu erhalten. Kurzum, es geht auch um die Überlieferung und Erhaltung unseres Kulturgutes und kultureller Werte. Der Hinweis bzw. das Verweisen auf das TLDA kam aus dem Amt selbst. Genauer gesagt vom Gebietsreferenten für Südthüringen und Leiter des Steinsburgmuseums Dr. Mathias Seidel, da er um diese Möglichkeit wusste. Daraufhin setzte sich der Vorsitzende der „Gemeinde der Steinsburgfreunde“, Horst Worliczek, mit Manuela Hartung in Weimer in Verbindung, um die Möglichkeit der Digitalisierung dieses seltenen Exemplars über Christian Heurich auszuloten.

Eine entsprechende Zusage von Seiten des TLDA durch Manuela Hartung erfolgte umgehend. Denn als wissenschaftlich tätige Landesbehörde, erklärte die Bibliothekarin, habe sich das TLDA das Ziel gesetzt, der Rolle „als Wissensvermittler im digitalen Zeitalter mehr und mehr gerecht zu werden“. Damit erreiche man auch einen weiteren Wissenszuwachs, der aber nur gesellschaftlich wirksam werde, wenn er von der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Außerdem soll dabei auch das „bürgerliche Engagement zum Schutz des kulturellen Erbes in Thüringen geweckt und unterstützt werden“.

Doch solche Digitalisierungsvorhaben könnten natürlich „nur schrittweise unter Berücksichtigung personeller und finanzieller Möglichkeiten des TLDA realisiert werden“, gibt Manuele Hartung zu bedenken. Für die Steinsburgfreunde stellte sich dieses Problem in Sachen Heurich zum Glück nicht, da es von Frau Hartung übernommen wurde. Großartig unterstützt worden sei sie dabei von Katharina Strauß, die im Rahmen eines freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ) ein Praktikum absolviert. Ohne ihre Hilfe wäre es zusätzlich kaum zu leisten gewesen. Übrigens biete das TLDA interessierten jungen Leuten gerne ein solches Praktikum im Rahmen des FÖJ an.

Außerdem braucht es natürlich für diese digitalen Herausforderungen auch einen Kooperationspartner, der über das technische Know-how für eine moderne Informationsvermittlung verfügt. Einen solchen starken Partner hat das TLDA in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB). In ihrem Digitalisierungszentrum werden über das TLDA die Objekte digitalisiert, d. h. gescannt, erschlossen und online präsentiert.

Das gilt eben auch für das erwähnte Buch über den gebürtigen Grabfelder Christian Heurich. Seine Lebensschilderung gewährt gleichzeitig einen Einblick in ein halbes Jahrhundert, jeweils vor und nach der Jahrhundertwende. Doch dies alles, sein Werdegang zum Unternehmer in den USA und viele persönlich erlebte Episoden und Begegnungen können in seinem Buch nachgelesen werden, und das inzwischen weltweit. Das TLDA, die ThULB und der digitale Raum machten es möglich. Ein Einstieg ist über die Homepage des TLDA oder direkt über die Internetadresse www.bibliothek.tlda.de möglich. Damit kommt man zum Katalog des Landesamtes in Weimar, wo man als Suchergebnisse z. B. Christian Heurich oder „Aus meinen Leben“ eingeben kann. 

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