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15.03.2018 10:25

Blasmusikwerkstatt vereinte Musiker und setzte Akzente

Knapp 100 Besucher erlebten kürzlich im Kulturhaus Milz eine sehr vergnügliche Stunde Blasmusik mit dem Komponisten und Dirigenten Franz Watz.

Von: Kurt Lautensack

Milz – Das Blasmusikkonzert war das Ergebnis einer zweitägigen Blasmusikwerkstatt am ersten Märzwochenende, das der Blasmusikverband Thüringen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Kinder- und Jugendorchesters Gleichamberg (KJOG), Thomas Gütter, bestens bekannt als „Peppi“, organisierte. Gastgeber waren der Karnevalsverein Milz als Betreiber des Kulturhauses und der Vorstand des KJOG, der gemeinsam mit Eltern der jungen Musikerinnen und Musiker die Versorgung übernahm. Der Workshop richtete sich an alle Musikerinnen und Musiker (im weiteren Musiker genannt), die Freude an traditioneller Blasmusik haben und sich bei gemeinsamer Probentätigkeit gerne weiterbilden, sei es in der Spieltechnik, Tonbildung, Rhythmik, Intonation, was etwas mit Tonhöhennuancen, aber auch mit dem gegenseitigen Aufeinanderhören zu tun hat und nicht zuletzt die Spielfreude beim gemeinsamen Musizieren.

Für diese Blasmusikwerkstatt konnte nach Jahren wieder der Nordschwarzwälder Musikdozent und Dirigent Franz Watz aus Haiterbach gewonnen werden. Seit 1985 ist Franz Watz freischaffender Musiker, Musikpädagoge, Komponist und Arrangeur für alle Bereiche der Bläser- und Blasmusik. Den Musikanten im Landkreis braucht man ihn ebenso wenig vorzustellen wie anderen Musikerkreisen, was nicht zuletzt durch die über 60 Teilnehmer selbst dick unterstrichen wird.

Neben den Musikanten aus der unmittelbaren Region, so vom KJO Gleichamberg (aus verschiedenen Orten), von den Gleichberg-Musikanten, vom Jugend-Rotkreuzorchester Meiningen, dem Jugendmusikverein Jüchsen oder den Queienberg-Musikanten nahmen auch eine Reihe von Musikern von Kapellen des Nordbayerischen Musikbundes (Herbstadt, Saal, Hohenroth) teil. Beim Thema Blasmusikwerkstatt mit Franz Watz scheuten die Musikanten auch weitere Wege nicht, darunter Musiker vom Blas-, Tanz- und Unterhaltungsorchester (BTU) KWH Hermsdorf, Musikverein Geraberg, Musikverein Oelze aus Katzhütte, vom Jugendblasorchester Tröbnitz und den Reinstädter Musikanten (SHK). Sogar Musiker aus St. Andreasberg und Sachsa (LK Goslar, Harz) ließen sich eine solche Gelegenheit der musikalischen Weiterbildung nicht entgehen. Da stellte sich dem Außenstehenden die Frage, warum nicht mehr Musiker aus dem Landkreis eine solche Chance nutzen.

„Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten“, erkannte bereits Friedrich Schiller beim Thema Musik, wenn er auch die Blasmusik in der heutigen Form noch nicht kannte. Denn schon beim Zuhören während der Proben konnte man sich genießerisch zurücklehnen. Und Genuss schafft bekanntlich gute Laune, die es trotz großer Ernsthaftigkeit reichlich gab. Dafür sorgte selbst Franz Watz mit so manchen Zwischenbemerkungen und kleinen humorvollen Einlagen. Aus den Gesichtern war trotz aller Lockerheit, mit der Watz eine gewisse Harmonie in das im wahrsten Sinne „zusammengewürfelte Orchester“ brachte, eine hohe Konzentration zu erkennen. Kein Wunder, denn der Dirigent, so ein Musiker im Gespräch, „hört jedes einzelne Instrument heraus, auch wenn jemand nur um einen halben Ton oder eine Nuance abweicht. Er ist eben eine Konifere auf dem Gebiet der Blasmusik“.

Kritische Bemerkungen, wenn es um die Einhaltung des Tempos oder Rhythmus und ähnliches ging, brachte er gekonnt und sachlich und wenn nötig, mit humorvoller Umschreibung an, was den Musikpädagogen erkennen ließ. So war zu hören „den Rhythmus nicht auslaufen lassen“, „…nicht auf Angriff spielen, Putin kommt noch nicht“ oder „ihr werdet nicht besser bezahlt, wenn ihr rascher spielt“ und machte damit deutlich, worauf es ihm ankam. Zum anderen begegnete er jeden einzelnen mit Respekt, was er seinen Musikern natürlich auch nahe legte. Im Gespräch bescheinigte Franz Watz den Teilnehmern ein „kollegiales und diszipliniertes Verhalten“, was bei einer derartigen Zusammensetzung nicht einfach sei. „Man muss bedenken, dass sie aus verschiedenen Kapellen kommen, von der jede ihre eigene Art zu spielen hat“, so Watz im Gespräch. Hinzu komme, dass alle Stücke für die Musikanten völlig neu seien und sie die Noten vorher noch nicht gesehen hatten. Doch nach den ersten 30 Minuten seien sie schon „ganz gut eingespielt“ gewesen und mit zunehmender Probendauer war die Klangbalance im Orchester, selbst für den Laien, sehr gut herauszuhören.

In den Pausen gab es natürlich immer wieder Gelegenheit, Musiker nach ihren Kurseindrücken zu fragen und das Gespräch auch mit dem Präsidenten des Thüringer Blasmusikverbandes, Stefan Acker und Steffen Weber-Freytag, dem Landesmusikdirektor des Verbandes, zu suchen. Sie nahmen ebenfalls beide aktiv an den Werkstatttagen teil und gehören als 1. Vorstand bzw. künstlerischer Leiter zum BTU KWH Hermsdorf e.V. Der Präsident zeigte sich beeindruckt vom gesamten Ablauf des Workshops sowie von den Rahmenbedingungen, dass das Kulturhaus bietet. Besonders freue ihn die „Teilnahme von Musikern des Nordbayerischen Musikbundes. So trägt unsere Zusammenarbeit endlich auch Früchte“. Auch Steffen Weber-Freytag, der einen guten Kontakt zum Musikdozenten Watz hat und Mitorganisator war, äußerte sich lobend zum inhaltlichen und organisatorischen Ablauf. Beide richteten einen ausdrücklichen Dank auch an Peppi, der als Ansprechpartner vor Ort alles hervorragend gemeistert habe.

Auch das Echo der Musiker zur Blasmusikwerkstatt war durch die Reihen positiv und bei vielen Antworten war zu spüren, wie sie vom Kurs und dem Dirigenten begeistert waren. Ein Musiker aus Saal brachte es auf den Punkt, als er es mit dem Fußball verglich. Er als Musiker fühlte sich wie ein Fußballer der A-Klasse (im Landkreis), der von einem Trainer der Bundesliga trainiert wird. Ein besseres Kompliment kann man kaum machen. Von einem hohen Maß an angestrebter Spielfreudigkeit und Ausdrucksfähigkeit konnten sich schließlich am Sonntag auch die 100 Gäste genüsslich überzeugen.

Dabei erwies sich Franz Watz auch für das Publikum als äußerst unterhaltsam und führte seine Zuhörer auf seine eigene Art von Musikstück zu Musikstück. Ob Polka, Walzer oder Marsch, zu allem wusste er etwas zu erzählen. Ob es der „Pinocchio-Marsch“ war, zu dem ihn sein Enkel inspirierte, das als Polka umgesetzte „es geht ein Bi Ba Butzemann“ oder der Walzer „Glücklich bei Dir“, eine Hommage an seine Frau zum Geburtstag. Dazu alle weiteren von ihm bearbeiteten Stücke von der Balkan- und Neun Uhr-Polka über den Marsch „Musik zum Fest“ oder dem abschließenden Choral „Meditation für ein Orchester“, der sogar für die begeisterten Zuhörer als Zugabe noch einmal erklang.

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