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20.09.2017 13:53

Wo Handwerker, Ritter, Gaukler und Spielleute das Sagen haben

Erstmalig fand am zweiten September-Wochenende in Römhild in den Schlosshöfen der „Glücksburg“ ein großes Mittelalterspektakel mit einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm statt.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – „Die Straßen waren vom Regen so stark aufgeweicht, dass man fürchten muss, dass selbst die Pferde in den tiefen grundlosen Dreck ausgleiten… die Kanalisation war ziemlich rückständig und Nachtöpfe wurden in den schmalen Gässchen bedenkenlos aus dem Fenster gekippt… doch endlich war der Marktplatz in Sicht. Es riecht nach flüssigem Wachs, nach Wolle und feuchten Leder…fliegende Händler preisen ihre Ware an, Dinge des Alltags… wieder andere hocken auf ihren Holzschemeln und gehen ihrer Arbeit nach. Ein paar Schritte weiter kommt gerade eine frische Ladung Brot aus dem Ofen, es riecht nach Gebratenem, Gesottenem und Geröstetem. Ausgelassenes Treiben und gelebte Frömmigkeit beherrscht den Markt ebenso wie Kaufleute, Spielleute, Ritter, Narrenspektakel und Gauklervorführungen, Bürger mit feinen Gewändern neben Bettlern, Henkern und Totengräbern“. So und ähnlich gibt es zahlreiche Schilderungen in Romanen, wenn es sich um die Zeit des Mittelalters handelt, denn der Marktplatz im Mittelalter war ein Ort des wirtschaftlichen Handelns und Strebens, geregelt durch eine Marktordnung.

Natürlich war es beim „Mittelalterspektakel“ am vergangenen Samstag und Sonntag im wunderschönen Ambiente von Schloss „Glücksburg“ in Römhild etwas anders. Die Zuwege waren trocken, denn der Wettergott meinte es wieder einmal gut mit den frommen oder weniger frommen Besuchern und den Akteuren und der Schlosshof ist prima gepflastert. Doch die Düfte aus der „Waldküche“, von der Ofenbäckerei aus Dresden oder anderer Verkaufsstände waren echt. Die Mittelalterfreunde „Eikinskjald“ aus Leimbach und Mühlhausen durften sich gerade auf eine reichhaltige Suppe freuen, die die „Hausfrau“ über das offene Feuer zubereitet und ein Schmied fertigte gerade einen Halsring als Schmuck an. Die „Eikinskjald“ waren kürzlich erst in Schleusingen, waren schon im Keltendorf in Sünna, ja sogar schon in Neustrelitz. In der Regel aber, erklärten sie, nehmen sie an solchen „Mittelaltertreffen“ teil, die möglichst die Fahrtzeit von 90 Minuten nicht überschreiten.

„Seid ihr gut drauf? –Jaa; habt ihr gute Laune? – Jaaa, dann sagt es euren Gesichtern“, mit diesen und anderen Sprüchen heizten die Spielleute „Dudelzwerge“ aus Leipzig ihren Besuchern tüchtig ein. Denn sie waren die Stimmungsmacher des Wochenendes. Natürlich in erster Linie mit ihrer Musik auf ihren historischen Instrumenten, Dudelsäcken und Schlagzeug und das mehrmals an beiden Tagen für jeweils eine halbe Stunde. Ausgenommen am Samstagabend, wo es von 21.00 Uhr bis Mitternacht heiß herging. Dafür sorgte im wahrsten Sinne des Wortes auch die Feuershow des ACW im Flair der gut besuchten „Glücksburg.

Richtig zur Sache ging es auch bei den Schaukämpfen der Rittersleut vom Mittelalterverein „Authentica Castrum Walinvels“ (ACW) aus Tambach-Dietharz. „Ja, so warn`s die alten Rittersleut“ kam einem da in den Sinn, wenn sie sich in ihren kiloschweren Rüstungen zum authentischen Schwertkampf stellten. Und sie gingen wirklich richtig zur Sache, dass es nur so schepperte und mancher Helm einige Beulen mehr bekam. Dazu gab es für die Besucher Informationen über Kampfarten, -techniken oder den Trefferbildern mit verschiedenen Waffen. Kinder konnten sich im Armbrustschießen probieren, am Kinderritterturnier teilnehmen, sich richtig schminken lassen oder sich beim Basteln vergnügen. Dazwischen gab es Zwergengeschichten, Kerzenziehen für Kinder oder den Narr „Hieros Gamos“. Wer sich seine Zukunft voraussagen lassen wollte, der war beim Mittelalterfest ebenso richtig.

Bei einem solchen Spektakel darf natürlich auch die Gerichtsbarkeit des Mittelalters nicht fehlen. „Heute ist nämlich eine öffentliche Hinrichtung in der Freien Grabfeldstadt Römhild angekündigt. Schaulustige aus allen Gesellschaftsschichten möchten sich einen guten Platz sichern, ehe das große Ereignis beginnt“, hieß es da. Oftmals wartete der Galgen oder der Scheiterhaufen auf die als Hexen oder Weltverbesserer (Galilei) verurteilten Frauen und Männer. So wurde eine Frau in das Schlosshofrund geführt. Doch sie hatte Glück, sie wurde weder erhängt noch verbrannt, sondern, „was viel schlimmer“ war, den Spielleuten versprochen.

So nahm das Mittelalterspektakel ein glückliches Ende mit zufriedenen Akteuren und Händlern und einem regen Besuch. „Klein, aber fein“, so das Urteil des Dresdner Ofenbäckers, dem im „Marktlager“ viele anschlossen. Organisiert wurde es gemeinsam mit der „Eventgastronomie & -management VERSIPELLIS“ um Jörg und Katharina Stubenrauch mit der Stadt Römhild, die das Schlossgelände kostenfrei zur Verfügung stellte. Als Zugabe obendrauf gab es im Museum Schloss „Glücksburg“ eine Ausstellungseröffnung zum Thema Strom, die Ausstellung „Essen, Trinken und Feiern in Römhild, einen Vortrag zu Grabungen und bauhistorischen Befunden der „Glücksburg und an beiden Tagen freien Eintritt in das Museum. Mehr geht eigentlich nicht.

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