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03.06.2015 09:00

Steinsburgfreunde der Heimatgeschichte auf der Spur

Nach dem Aufspüren der Mühlen im Vorjahr in Haina, führte der Weg im zweiten Teil der Mühlenwanderung dieses Jahr im nach Bedheim.

Von: Kurt Lautensack

Römhild/Bedheim – Mühlen, angetrieben von Wasser und Wind, prägten das Bild im Mittelalter mit, doch ihre Geschichte reicht natürlich viel weiter zurück. Die Mühlentechnologie mit ihren grandiosen Wasserrädern war gewissermaßen der Vorläufer einer technischen Revolution und das Müllerhandwerk gehört zu den ältesten überhaupt. Denn neben der Landwirtschaft waren sie ein wichtiger Erwerbszweig. Mühlen im Bereich der heutigen Stadt Römhild aufzuspüren und etwas über ihre Geschichte zu erfahren, haben sich die Mitglieder der „Gemeinde der Steinsburgfreunde“ in ihrem Zyklus „Mühlenwanderung“ vorgenommen. So führte der Vereinsvorsitzende Horst Worliczek die Wanderfreunde in diesem Jahr nach Bedheim, wo es laut chronischen Aufzeichnungen sogar drei Mühlen gegeben haben soll, die Büchelsmühle (etwas außerhalb von Bedheim), die Rossmühle und die Mühle im Seegarten (Schlossmühle). Übriggeblieben ist die ehemalige Schlossmühle.

Sie war auch das erste Ziel der sonntäglichen Maiwanderung, die am Bedheimer Back- und Brauhaus startete. Dort wurde die 30-köpfige Wanderschar vom jetzigen Mühlenbesitzer Michael Römhild, der wohl allen als Leiter des Stadtmuseums in Hildburghausen bekannt ist, empfangen. Von ihm erfuhren sie einiges über die Geschichte der Schlossmühle, die nach seinen Angaben auf das Jahr 1775 zurückgeht. Zu diesem Zeitpunkt war Prinz Joseph von Sachsen-Hildburghausen Eigentümer des Schlosses und seiner Anlagen. Eine Schlossmühle habe es natürlich schon früher gegeben, so Römhild, aber die genannte Jahreszahl geht wohl auf einen Neuaufbau zurück. Denn laut der Bedheimer Chronik (verfasst von Karl Ruß) sei die Schlossmühle erstmals 1585 erwähnt worden.

Um sie vor dem Verfall zu retten, erwarb Michael Römhild 1998 das Anwesen und führte seitdem umfangreiche Rekonstruktions- und Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt der Mühle durch. Auch deshalb, wie er sagte, weil er „mit Herzblut Denkmalpfleger“ sei. Wie sich die Wanderfreunde überzeugen konnten, eine Mammutaufgabe. Zwar ist die Mühle nicht mehr funktionstüchtig, doch lassen sich im Inneren zumindest die Vorgänge nachvollziehen. Funktionstüchtig ist allerdings das oberschlächtige Wasserrad, das in Römhilds Erläuterungen zur Mühle einfloss. Das Wasserrad werde z. B. von 244 Holznägeln zusammengehalten. Weil es historisch sein sollte, habe er sich den Nachbau von der Mühle im Museum Bad Windsheim abgeguckt.

Doch das eigentliche Mühlengebäude mit original Dachziegeln und altem Schlot , in dem sich auch seine Wohnung mit neuer Heizung befindet, ist nicht das einzige Gebäude, das schrittweise restauriert wurde und noch wird. So musste der ehemalige Schweinestall völlig neu aufgebaut werden, da das gesamte Gebälk unbrauchbar war. Ebenfalls in die Sanierungsmaßnahmen einbezogen war das Gesindehaus mit Kuhstall. Auch ruft der gesamte Anblick des Anwesens mit typischen Utensilien Bewunderung hervor. Als besondere Zugabe gab es Kaffee, Fettbrote und selbstgebrautes Bier aus dem Bedheimer Brauhaus, das offensichtlich allen zusagte.

Eng mit den Mühlen verbunden ist natürlich auch das Baumaterial bzw. das Material für die Mahlsteine. So führte der Weg anschließend zu einem ehemaligen Sandsteinbruch am Hahnritz. Heute ein Geotop mit einer Informationstafel, die von Ralf Werneburg, Leiter des Schleusinger Museums, inhaltlich mit gestaltet wurde und auf eine lange erdgeschichtliche Entwicklung verweist. Vom Mittelalter bis in die 40er Jahre des 20. Jh. wurden die fast seiben Meter mächtigen Sandsteinbänke abgebaut. Der durch Flussaufschüttung entstandene Sandstein enthielt fossile Pflanzenreste, die einer Zeit vor mehr als 200 Millionen Jahren entstammten. Ein ganz besonderer Fund an dieser Stelle war etwa 70 cm lange Schädel eines Mastodonsaurus, der mit vielen anderen zahlreichen, von Hugo Rühle von Lilienstern zusammengetragenen Funden in seinem 1934 eröffneten Heimatmuseum im Schloss Bedheim ausgestellt wurde. Die Sammlung, zu der auch die beiden bekannten Saurierskelette vom Großen Gleichberg gehörten, blieb bis 1969 in Bedheim und wurde dann in das Naturkundemuseum nach Berlin gebracht.

Hugo Rühle von Lilienstern und Schloss Bedheim waren schließlich auch die Stichworte für den dritte Ziel der Wanderung. Ein Mitarbeiter des Architekturbüros „Studio Gründer Kirfel“ übernahm im Auftrag vom jetzigen Schlossherrn Florian Kirfel-Rühle die Führung durch die Schlossanlage. Die Steinsburgfreunde und Mitwanderer erfuhren etwas über die wechselvolle Geschichte des Schlosses und seiner Besitzer. Gleichzeitig konnten sie während der Führung Einblick nehmen in den Stand der Restaurierungsarbeiten, die sich über die gesamte Schlossanlage ziehen. Eine kleine Ausstellung informiert ebenfalls über historische Gegebenheiten und enthält auch eine Tafel mit Daten zum Leben des Arztes und Forschers Hugo Rühe. Mit einer Einladung in das Schloss-Cafe endete die diesjährige Frühlings- und Mühlenwanderung.

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