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07.03.2017 22:29

Museum-Schule-Handwerksbetrieb – drei Partner ein Projekt

In der Woche vor den Winterferien trafen sich Schüler der Klasse 7 der „Herzog-Bernhard-Regelschule“ Römhild zu ihrem Museumsprojekt in den Römhilder Werkstätten.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – Das Museum soll als attraktiver Wissenspool mit einem reichen Erfahrungsschatz vor Ort wahrgenommen und natürlich auch genutzt werden. Denn gerade Museen sind Erlebnis- und Freizeitorte, von denen auf Grund der Vielfalt von Ausstellungsstücken Impulse für das eigene Lern- und Freizeitverhalten der Kinder und Jugendliche ausgehen können und sollen. Das heißt, sie sollen dazu anregen, sich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen, sich inspirieren zu lassen und die eigene Kreativität herausfordern. Aus diesen Überlegungen heraus hat auch das Museum „Schloss Glücksburg“ in Römhild in enger Zusammenarbeit mit der „mobilen Museumspädagogik“ ein Projekt mit den Schülern der Klassenstufe 7 der Herzog-Bernhard-Schule angeboten. Die mobile Museumspädagogik ist ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) „Jugendkunstschulen Thüringen e.V.“. Ziel der LAG sei es, erklärte Jörg Wagner, Projektleiter der mobilen Museumspädagogik aus Erfurt, „gemeinsame Projekte zu planen und kleinere Museen mit museums-pädagogischen Angeboten zu betreuen“. Interessierte können sich an die LAG wenden.

Auf Grund der Möglichkeiten, die das Museum durch die Art seiner Ausstellungen bietet, waren Museumsleiterin Kerstin Schneider und Jörg Wagner übereingekommen, als Ausgangspunkt für ein Projekt die sogenannte „Hönn’sche Sammlung“ zu nehmen. Dabei hatte man sich für die Holzverarbeitung, speziell für das Zimmerer- und Tischlerhandwerk entschieden. Die Sammlung umfasst Werkzeuge und Produkte zum ländlichen Handwerk und der Landwirtschaft der Region, zusammengetragen und dem Museum gestiftet von Dr. Walter Hönn (1906-1980), einem bekannten Römhilder Landarzt und Heimatforscher.  

Doch für eine „lokale Bildungspartnerschaft“ zur Umsetzung eines Projektes bauchte es natürlich eine Kooperation mit einer Firma für den praktischen Teil. Dabei bedurfte es lediglich eine Anfrage bei Albrecht Klopf, Geschäftsführer der Dach- und Holzbau GmbH Römhild, erklärte die Museumsleiterin, der sofort seine Bereitschaft und Unterstützung für das Projekt zusagte. So entstand das Museumsprojekt „Kreuzaxt und Schlitzohr – die Zimmerei“ in und mit den Römhilder Werkstätten. "Ich war sofort angetan von der Sache und fand es als eine hervorragende Idee“, erklärte Albrecht Klopf. „Denn wenn so ein Projekt angeschoben wird, dann soll ja auch etwas Vernünftiges für alle Beteiligten, in erster Linie natürlich für die Kinder, herauskommen“, so der Firmenchef. Deshalb gehen seine Vorstellungen für ein Endprodukt in Richtung einer überdachten Sitzgruppe, für deren Fertigstellung natürlich betriebliche Fachleute mit von Nöten sind. Die Sitzgruppe soll dann auf dem Schulhof in Römhild ihren Platz finden, so Klopf.

Ein solches längerfristiges Projekt bedarf natürlich auch einer guten Vorbereitung und Einstimmung, so dass dem ersten praktischen Teil drei andere Veranstaltungen vorausgegangen waren, so Wagner. In der ersten Zusammenkunft, die in der Regelschule stattfand, wurde den Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse das Projekt und der „Fahrplan“ dazu vorgestellt. Dem schloss sich ein Besuch der Ausstellung zur Hönn*schen Sammlung im Museum an. Mit Manfred Hummel als gelernten Holzfachmann, betonte Kerstin Schneider, habe man die richtige Hilfe und Unterstützung gefunden, um Werkzeuge und andere Ausstellungsstücke während der Führung altersgerecht zu erklären. In der dritten Veranstaltung wurde dem Museum „unters Dach“ gestiegen, wo die Schüler die Holzkonstruktion des Dachgebälks in Augenschein nehmen konnten. Außerdem seien Fachwerkhäuser bei einem Stadtrundgang betrachtet und Leute als Zeitzeugen befragt worden. Denn gerade ältere Gebäude im Ortskern können einiges auch über die wirtschaftliche Entwicklung „erzählen“.

Diesen bisherigen Aufgaben folgte nun ein erster praktischer Teil in den Römhilder Werkstätten der „Dach- und Holzbau GmbH“. Und mit Robert Ettlinger, Technikermeister und Abteilungsleiter Zimmerei/Tischlerei, wusste Albrecht Klopf einen versierten Fachmann an der Seite der Projektteilnehmer. So gab es zunächst für die Schüler, die von ihrer Klassenlehrerin Ingrid Peter begleitet wurden, Informatives über den Betrieb und seinen vielfältigen beruflichen Möglichkeiten, einschließlich eines Betriebsrundganges. Dem Beginn der Arbeiten voraus ging eine Belehrung zum Arbeitsschutz mit Hinweisen zum Umgang mit den Werkzeugen und dem Verhalten am Arbeitsplatz dazu. Da für jeden Schüler ein Arbeitsplatz vorbereitet war, konnte tüchtig losgelegt werden.

Die Mädchen und Jungen erhielten die Aufgabe, verschiedene Holzverbindungen herzustellen, um überhaupt das richtige Gefühl für das Arbeiten mit Holz (Holzarten, Härte) zu bekommen. Dazu lag allen eine entsprechende Zeichnung vor, nach denen sie arbeiten konnten. Es ging um das Übertragen der Maße aus der Zeichnung auf das Werkstück sowie um das räumliche Vorstellungsvermögen. Das Arbeiten machte allen sichtlichen Spaß und so wurde gemessen, angezeichnet, gesägt, ausgestemmt, geschliffen und gehämmert, um zwei Holzteile durch Eck- und Kreuzüberblattung zu verbinden bzw. einen sogenannten Holzknoten herzustellen. Ein konzentriertes Arbeiten war dabei zu beobachten, denn es ging um hohe Passgenauigkeit. Anleitung und Hilfe gab es dabei auch durch Jörg Wagner und den beiden Firmenmitarbeitern Klaus-Dieter Hirn und Gerd Erkenbrecher, die ansonsten als Ausbilder in der Tischlerei/Zimmerei tätig sind.  

Natürlich soll ein solches Projekt auch anregen, sich möglicherweise für einen handwerklichen Beruf zu entscheiden. Denn „das Handwerk braucht gute Fachkräfte, um den heutigen Anforderungen, die an das Baugewerbe gestellt werden, gerecht zu werden“, weiß Robert Ettlinger aus eigener Erfahrung. Und der Spruch vom Handwerk, das „goldenen Boden“ hat, bewahrheite sich nur dann, wenn auch die handwerkliche Qualität stimme. Deshalb sei man immer auf fachlichen Nachwuchs bedacht, betont auch Albrecht Klopf. Zwar ist es für Leon Braun aus Linden und Leon Dressel aus Bedheim noch eine Weile hin bis zum Berufseinstieg, doch beide könnten sich vorstellen, hier einmal Auszubildende zu sein. Für Adelina aus Mendhausen, Emma aus Roth oder Romy aus Bedheim käme ein handwerklicher Beruf „eher nicht“ in Frage, aber das Unternehmen hat ja noch andere Ausbildungsplätze anzubieten. Doch erst einmal ging nach fünf Stunden ein erfolgreicher Projekttag zu Ende und ihren hergestellten „Holzknoten“ durften die Schüler natürlich als Souvenir mit nach Hause nehmen. Also dann bis zum nächsten Projekttag. 

Fotos von Kurt Lautensack

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