Sie befinden sich hier

17.07.2017 22:15

Miteinander von Imkern und Landwirten

Von: Kurt Lautensack

Milz – Am ersten Juli-Wochenende feierte der „Imkerverein Römhild und Umgebung e.V.“ im Kulturhaus Milz sein 120-jähriges Gründungsjubiläum. Im Mittelpunkt der Festveranstaltung standen wichtige Themen wie beispielsweise die Zusammenarbeit von Imkerei und Landwirtschaft, die Bienengesundheit oder der Einsatz von Bienenprodukten in der Heilkunde zur Diskussion. Als Gäste zu diesem Jubiläum konnte der Vereinsvorsitzende Lothar Schüler den Vorsitzenden vom Landesverband „Thüringer Imker“, Frank Reichardt aus Weimer, Günther Vorsatz aus Wurzbach, Beisitzer des LV und Obmann für Bienengesundheit, Römhilds Bürgermeister Günther Köhler, der ihre Leistungen mit einer finanziellen Anerkennung würdigte, und dem Chef der Milzer Agrargenossenschaft, Albert Seifert, begrüßen. Einen freundschaftlichen Kontakt pflegt der Verein seit seinem ersten Treffen im Januar 1990 in Ipthausen zum Imkerverein „Bad Königshofen u. U.“, dessen Vorsitzender Markus Gütlein ebenfalls mit einigen Imkerfreunden der Einladung gerne gefolgt war. Für die „musikalischen Festtagsglocken“ sorgten die Jagdhornbläser aus Haina, die die Veranstaltung mit wundervollen Klängen umrahmten.

„Wenn Imker vom Bienenstich reden“, begann Lothar Schüler seine Ausführungen, „dann denken sie weniger an ein Stück Kuchen, sondern an einem Stich durch die Bienen.“ Doch das stelle eigentlich für die Imker kein Problem dar, denn die Honigbiene sei sanftmütig und nicht aggressiv, es sei denn, sie werde durch falsches Verhalten herausgefordert. Es sei ohnehin das Ziel der Thüringer Imker, ein sanftmütiges, leistungs- und widerstandsfähiges Bienenvolk zu züchten und zu vermehren, um durch eine flächendeckende Bienenhaltung die Bestäubung insektenblütiger Pflanzen sicherzustellen.

Wenn alle guten Dinge drei sind, dann kann das der Vereinsvorsitzende als Imker an folgenden Punkten festmachen. Zum einen hilft die Biene, das die Umwelt intakt bleibt und somit der Imker ein aktiver Naturschützer ist, dem die „Haltung und Hege eine Herzensangelegenheit“ ist. Zweitens sei der Honig gesund und wertvoll, weil er eine bakterielle Wirkung habe. Die Apitherapie (Bienenheilkunde) wird in vielfältiger Weise in der Medizin durch die verschiedenen Naturheilmittel angewandt (Pollen, Propolis - ein Antibiotikum, Bienenbrot oder Bienengift). Zu diesem Thema referierte unter anderem auch Ralf Götze vom Landesverband Thüringer Imker, Fachbereich Bienenweide, Natur- und Umweltschutz. Und drittens sei die „Biologie der Honigbiene einfach faszinierend“. Das wurde bereits bei einem Besuch an seinem Bienenstand deutlich, wo er begeistert auf das Funktionieren eines Bienenvolkes am Beispiel eines „Begattungskasten“ verweist. Ob es den Schutz der Königin im Winter betrifft, die etwa 400 „Kundschafter“, die ein Bienenvolk hat oder die Sammelleidenschaft der Arbeitsbienen, Lothar Schüler, seit dem Frühjahr 2017 Obmann für Bienenbeobachtung und-wanderung beim LV, ist ebenso fasziniert wie das Funktionieren seines Bienenvolks selbst.

Wenn es bei einem Jubiläum um die Vereinsgeschichte geht, so stellt sich immer die schwierige Frage, was ist erwähnenswert und was interessiert die Zuhörer. Schüler beschränkt sich auf einige wenige Daten aus den Protokollunterlagen. So sei bereits 1901 die Faulbrut (Brutkrankheit der Honigbiene) ein Thema gewesen und das Bienensterben ebenso in der Diskussion. Auf einer gemeinsamen Waldtracht(Quelle für Honig)-Exkursion mit der Sparte von Gleichamberg 1973 an der „Krempelhütte“ wurden an ausgewählten Fichten „prächtige Reißer von Lachniden-Kolonien beurteilt. Zur Erklärung sei gesagt, dass eine „Tracht“ ist die Quelle (Blütentracht, Waldtracht), von der die Bienen ihren Honig holen, während die Lachniden zur Familie der Pflanzenläuse gehören, von denen die meisten Forstschädlinge sind, aber einige Arten (z.B. Rindenläuse) für die Imkerei als Erzeuger von Honigtau für den Waldhonig wichtig sind.

Das Problem der Schädlings- und Unkrautbekämpfung, weiß Schüler aus Protokollen und aus eigener Erfahrung, habe auch schon vor 40 und mehr Jahren bestanden. Auch da hätten die Spritzungen in den Genossenschaften (LPG) zum Beispiel durch das ACZ (Agrochemisches Zentrum) Wolfmannshausen zur Diskussion gestanden, vergleichbar der heutigen Zeit. Aber wird das Bienensterben mehr oder weniger umfänglich als Problem der Landwirtschaft angelastet. Hier kam ein klares „Nein“. Dieser Aussage stimmte auch Frank Reichardt in seinem Grußwort zu, der in der Landwirtschaft einen Partner sieht. Er verurteilte die Umweltverbände, „die das Bienensterben als Vorwand für ihre Zwecke benutzen“. Denn „sie reden ja nicht mit uns, sondern über uns“, so der Landesvorsitzende. Deshalb müssten die Imker-Vereine noch stärker öffentlichkeitswirksam werden, um Sachverhalte richtig zu stellen, die Imkerei und Landwirtschaft in einem falschen Licht dastehen ließen „Um die Imkerei in Thüringen ist uns nämlich nicht bange“, so Reichardt, weil die Mitgliederzahlen steigen würden. Gegenwärtig habe der LV Thüringer Imker 2665 Mitglieder, die 21600 Bienenvölker betreuen würden. Zudem warb er für das Deutsche Bienenmuseum in Weimar, aber auch für die Zusammenarbeit von Imkern und Landwirten. In diesem Zusammenhang wurde auch bemängelt, dass außer Albert Seifert kein Vertreter anderer Agrargenossenschaften der Region oder vom Landschaftspflegeverband der Einladung gefolgt sei.

Das „miteinander und nicht gegen- oder nebeneinander von Imkerei und Landwirtschaft“ war auch Thema eines Erfahrungsberichtes vom Obmann für Bienengesundheit. Dabei ging es natürlich auch um das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln, die bei richtiger Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis die wenigsten Schäden bei den Bienenvölkern verursache, so Günther Vorsatz. Dazu führte er konkrete Beispiele an, in denen die „Spritztermine“ (z. B. bei Raps) mit den Imkern abgesprochen wurden und in dieser Zeit die „Fluglöcher der Bienenstöcke“ verschlossen wurden. Die heutige Technik beim Ausbringen der Unkrautbekämpfungsmittel sei heute so weit fortgeschritten, so dass nach dem Spritzen keine unmittelbare Gefahr für Bienen mehr bestünde. Um die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Imker zu verbessern und das gegenseitige Verständnis für ihre Probleme zu fördern, sei die „Thüringer Arbeitsgemeinschaft und Landwirtschaft“ (ThAGIL) gegründet worden, erklärte Günther Vorsatz in seinem Erfahrungsbericht. „Wir arbeiten doch alle im gleichen Tritt mit der Natur“, Imker und Landwirte, pflichtete auch Albert Seifert den Ausführungen bei.

Beim Thema Bienenschutz ging es natürlich auch um die Varroa-Milbe, einem eingewanderten Parasit an den Honigbienen. Die Varrose gilt bei den Imkern als die gefährlichste Bienenkrankheit, als Bösewicht der Bienen. Doch auch hier gebe es Möglichkeiten, dieser Milbe den Kampf anzusagen, was hier nicht weiter ausgeführt werden soll. Bei allen Diskussionen und Wortmeldungen wurde immer wieder eines deutlich: Die Biene leistet durch ihre Bestäubungsarbeit einen unersetzlichen Wert für den Menschen, dass müsse allen klar werden. Da trifft ein Zitat von Albert Einstein den Nagel auf den Kopf, als er schon vor 70 Jahren erkannte: "Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr." Imker wissen das und wohl auch die Landwirte.

Ehrungen: Mit einer Urkunde geehrt wurde für seine 70-jährige Tätigkeit als Imker der langjährige Vorsitzende Günter Ulrich aus Milz. Stephan Schüler und Wilfried Otto erhielt die Ehrennadel in Bronze für 15 Jahre Mitgliedschaft im Verein. Werner Graf und Karl-Heinz Stirtzel für 40-jährige Tätigkeit die Goldene Ehrennadel des Imkerverbandes.   

Kontextspalte

weitere News