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16.05.2017 21:50

Meine Lieder sind meine Lebensstraße

In einem voll besetzten Festsaal des Museums „Schloss Glücksburg“ erlebte des Publikum am Samstag nach Ostern mit dem „Trio Palazzo“ einen unvergesslichen Abend der gehobenen Unterhaltungsmusik unter dem Motto „..aber bitte mit Udo“.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – Die drei Musiker, Pianist und diplomierter Kapellmeister Uwe Kohls, Tenor Andreas Barth, auf vielen Konzert- und Opernbühnen schon unterwegs und der studierte Trompeter Jonathan Beisiegel, sie absolvierten alle drei zeitversetzt ein Studium an der Hochschule für Musik in Würzburg, begaben sich auf musikalische Spurensuche nach dem Ausnahmekünstler Udo Jürgens. Herausgekommen ist ein musikalischer Lebenslauf, eine Hommage an den einzigartigen Musiker und Entertainer Udo Jürgens. Sie nahmen das Publikum mit auf „die Lebens-Achterbahn des wohl größten deutschsprachigen Chansonniers aller Zeiten“, wie sie ihn bezeichneten und warfen im Laufe des Abends einen Blick hinter die glitzernde Showfassade auf den „privaten Udo“

Mit einem Medley aus bekannten Liedern wie "Merci Cherie" oder "Griechischer Wein" stimmte das Trio Palazzo bereits zu Beginn auf einen wundervollen Abend ein. Dabei deutete Jonathan Beisiegel bereits seine virtuosen Fähigkeiten auf seiner Trompete an, wenn er einzelne Lieder in einem Potpourri verband. „Ladies und Gentlemen, ich werde mein Bestes tun“, so kündigte sich auch gleich Andreas Barth an, als er erste Stationen aus dem Leben von Udo Jürgens nachzeichnete, der als zweiter von drei Söhnen am 30. September 1934 bei Klagenfurt/Kärnten geboren wurde. Bereits mit fünf Jahren habe er seine erste Mundharmonika erhalten und schon als Kind das Klavier lieben gelernt, zunächst als Autodidakt.

Ja Udo „weiß was er will“, hieß es schließlich im Lied und das schon sehr früh. Denn mit 16 Jahren gründete er seine erste Band und 1954 nahm er seinen Künstlernamen an. Seine „Gehversuche“ in den 1950er Jahren hätten ihm 42 Cent in der Stunde eingebracht. Doch Udo habe warten können, so die Musiker, denn Talent, Begabungen und Orientierungen seien ihm gegeben gewesen. Nach seinem ersten Grand Prix-Auftritt gelang ihm beim dritten Anlauf 1966 mit seinem Liebeslied „Merci Cherie“ der Durchbruch. Jürgens habe auch seinen ganz eigenen Stil gehabt, trat immer im Smoking auf, trank bei Liveauftritten Tee und das letzte Lied sang er im Bademantel. Denn hatte Palazzo allerdings an diesem Abend durch die vielen unterschiedlichen Konzerte, die sie bestreiten, vergessen.

„Ich kann mich nicht an alle meine Lieder erinnern, es waren auch etliche Gurken darunter", soll der Künstler einst geäußert haben. Doch einige Zahlen gaben sie ihrem Publikum doch mit auf den Weg. In seine erfolgreichste Tournee sei er 1970 gestartet, gab 222 Konzerte in 153 Städten mit über 500.000 Besuchern und unzähligen Autogrammen. In seiner 60-jährigen Bühnenpräsenz gab es über 1000 Eigenkompositionen und wurden über 105 Millionen Tonträger verkauft. Die Musiker nahmen ihre Zuhörer mit auf eine musikalische Reise nach New York, ließ sie eintreten in „ein ehrenwertes Haus“, kehrten ein bei „Griechischen Wein“ und ließen Udo „mit 66 Jahren“ nochmal so richtig mit dem Leben loslegen. Denn seine Lieder seien vor allem auch gekennzeichnet gewesen durch seine kritischen und tiefgründigen Texte, indem er gegen Fremdenfeindlichkeit auftrat und gesellschaftliche Ungereimtheiten unter die Lupe nahm.

Und zwischen den einzelnen Stücken erfuhren die Zuhörer immer wieder interessante Details aus seiner Biographie, gaben mit kleinen Anekdoten Einblicke in sein Privatleben. Dabei wurde natürlich auch das Liebesleben von Udo Jürgens beleuchtet. Denn bereits in seiner Jugendzeit wuchs sein Selbstbewusstsein, so die Musiker, als er merkte, dass er bei Frauen sehr beliebt sei. Und dies setzte sich wohl bis ins hohe Alter fort. Denn die „Liste seiner Verflossenen ist haremslang“, hieß es und das Trio zählte so manche Namen auf. Für Corinna entflammte er, da war sie gerade 17 Jahre alt, er wohl schon 44 - und so schrieb er für sie eines seiner bekanntesten Lieder "Siebzehn Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir". Zuvor habe es die Gitta, Panja (russ.-kleines Mäuschen) oder Gloria waren nur einige Frauennamen. Einer seiner Aussprüche sei gewesen: "Untreue ist keine Frage des Charakters, sondern der Chancen“ oder „Meine Lieder sind meine Lebensstraße“.

Diese Lebensstraße zeichnete das Trio par excellence nach. Die Auswahl, die sie vorgenommen hatten, war abwechslungsreich: mal besinnlich, mal fröhlich ausgelassen, mal nachdenklich. Und bei allen musikalischen Ausflügen in das Repertoire von Udo Jürgens erwiesen sich Pianist Uwe Kohls und Trompeter Jonathan Beisiegel als Könner ihres Faches, während Andreas Barth mit seiner Stimme brillierte. Das Publikum war von all dem hellauf begeistert und sparte nicht mit Applaus und erklatschten sich mehrere Zugaben. Natürlich durfte dabei das Motto prägende Lied „Aber bitte mit Sahne“ nicht fehlen. Und bei dem besinnlichen Lied „Schenk mir noch eine Stunde, lass diese Nacht nicht schon zu Ende gehen“, trafen sie voll und ganz die Gedanken ihrer Zuhörer, die wohl ebenfalls eine weitere Stunde die Musik sowie die ausgewählten Texte und Worte der Musiker in sich aufgenommen hätten.  

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