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30.08.2017 19:25

Jungunternehmer bleibt seinen Wurzeln treu

Paul Berghold aus Römhild, 2015 mit 19 Jahren als jüngster Fleischermeister der Bundesrepublik Deutschlands geehrt, ist seit Sonntag jüngster Geschäftsinhaber seiner Heimatstadt und blickt zuversichtlich in die Zukunft

Von: Kurt Lautensack

Römhild – Wer ihn kennt, weiß den sympathischen jungen Mann Paul Berghold zu schätzen, ob als Freund und hilfsbereiten Kumpel, als aktives Mitglied der Römhilder Karnevalsgesellschaft oder einfach nur als echten Römhilder Burschen, nun auch als Geschäftsmann, der sich mit seiner Region identifiziert. Sein bisher kurzer beruflicher Werdegang begann in der Grund- und Regelschule Römhild. Nach erfolgreichem Abschluss der 10. Klasse begann er in der Agrargenossenschaft „Werratal eG Reurieth“ seine Lehre als Fleischer. Dieser Beruf schien für ihn wie geschaffen, denn er machte ihm nicht nur Spaß, sondern er nahm ihn auch sehr ernst. So ging er am Ende des 2. Lehrjahres beim 11. Leistungsvergleich der Südthüringer Fleischerjugend vor seinen Berufskollegen aus Arnstadt und Brotterode als Sieger hervor.

Nach erfolgreichem Abschluss seiner dreijährigen Lehrzeit als Fleischergeselle nahm er mit Unterstützung der Handwerkskammer Südthüringen sofort Kurs auf seinen Meister. In der Meisterschule des Fleischerhandwerks im Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Rohr-Kloster, das er „in einem halben Jahr in Vollzeit“ absolvierte, wie er es selbst formulierte, erhielt er im Januar 2015 seinen Meisterbrief. Paul Berghold war zu diesem Zeitpunkt nicht nur jüngster Fleischermeister sondern auch Bester seines Faches in Thüringen. Mutig wie er war, nahm er im gleichen Jahr auch an der Europameisterschaft für Fleischergesellen und Meister teil und belegte unter 60 Teilnehmern einen hervorragenden 12. Platz. Weitere zwei Jahre arbeitete der frisch gekürte Fleischermeister in der Firma „Lay Gewürze OHG Würz- und Lebensmitteltechnologie“ in Queienfeld/Grabfeld. Im Bereich Entwicklung-Forschung-Anwendungstechnik, so Berghold, werde beispielsweise geforscht, wie Gewürze oder Zusatzstoffe auf die Fleischerzeugnisse wirken. „In den zwei Jahren in Queienfeld habe ich wahnsinnig viel gelernt und mitgenommen, was ich nun in meinem Fleischerberuf auch anwenden und umsetzen möchte“, sagt der Jungunternehmer.

Bei einer solchen beruflichen Entwicklung, lockte da nicht die Ferne oder kamen entsprechende Angebote? „Ja, die Angebote oder Anfragen hat es gegeben“ bestätigt Paul, dem diese Anrede im Gespräch lieber ist, „ich hatte eine Anfrage vom Adlon in Berlin, von der Tönnies Lebensmittel GmbH, Abt. Schlachtung und Zerlegung, in Rheda-Wiedenbrück (NRW) oder von der Gewürzfirma Raps aus Kulmbach, auch aus Schmalkalden“, erklärte Paul. Dies alles ohne Bewerbung. „Aber ich wollte schon immer hier bleiben“, gestand Paul, „hier habe ich meine Freunde, meinen Karnevalsverein, fühle mich wohl in der Region, bin einfach hier verwurzelt. Und in der Quelle von meinem Opa (Gasthaus „Zur guten Quelle“ Römhild) bin ich groß geworden. Inzwischen kann auch Mutter Mona als Gaststättenbetreiberin in diesem Jahr auf ein 25-jähriges Geschäftsjubiläum blicken.

Da auch die angrenzenden Grundstücke Familieneigentum seien, sei bei ihm der Gedanke zur Selbständigkeit aufgekommen, wobei er in der Familie Unterstützung fand. So nach dem Spruch: „Arbeit gern und sei nicht faul, gebratene Tauben fliegen nicht ins Maul“, machte er sich ans Werk. Innerhalb eines Jahres sei das Gebäude um- und ausgebaut worden und es entstand in Eigenleistung und Eigenmittel (ohne Förderung) die neue „Metzgerei Paul Berghold“. Hinzu kommt noch, dass er eine kleine Landwirtschaft mit 4 ha betreibt, wo er eigene Rinder hält und „Bentheimer Schweine“, die sich durch eine sehr gute Fleischqualität mit einem entsprechenden Speckanteil auszeichnen. Natürlich bezieht er einen Großteil seines Fleisches für seine Metzgerei über einen Schlachthof, aber er habe eben Möglichkeiten für Sonderwünsche.

Sein Geschäft in der Nierleinsgasse, bei dem er zur Eröffnung am Sonntag Hunderte von Leuten begrüßen konnte, wird er als Familienbetrieb führen, dem neben seiner Schwester noch zwei weitere Mitarbeiter angehören. Und bei einem Besuch „Zur guten Quelle“ werden natürlich die Fleischgerichte aus Pauls Metzgerei stammen, dem man einen guten Start und für die Zukunft viel Erfolg wünschen kann.

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