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07.03.2017 22:36

Hochzeit, der schönste Tag im Leben

Viele glauben, beim Standesamt könne man "nur" heiraten. In Wirklichkeit begleitet sie das Standesamt wie kaum eine andere Institution ihr ganzes Leben lang.

Von: Kurt Lautensack

Standesbeamtin Christina Kleinert am Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung, Foto: Kurt Lautensack

Römhild – „Jung gefreit, hat nie gereut“, heißt es landläufig im Volksmund, was gerade von älteren Ehepaaren immer wieder bestätigt wird. Wie sonst würden sie sich glücklich schätzen, wenn sie ihre diamantene (60) oder eiserne Hochzeit (65) im Kreise ihrer Familien feiern. Andere dagegen meinen in Abwandlung von Schillers Zeilen aus dem „Lied von der Glocke“ scherzhaft, „drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bessres findet“ (eigentlich: ob sich das Herz zum Herzen findet). Allerdings haben sich in heutiger Zeit eben auch die Lebensumstände geändert, so dass seltener sehr jung geheiratet wird. Doch ob früher oder später, geheiratet wird immer und zu jeder Jahreszeit, unabhängig vom Alter.

Diese Feststellung kann auch Christina Kleinert, Standesbeamtin der Stadt Römhild, mit voller Überzeugung treffen, wenn sie von der Heiratsstatistik ausgeht. So kann sie auf 40 Trauungen im Jahr 2016 verweisen, wobei die Brautleute zwischen 18 und 55 Jahre alt waren. Im Vergleich zum Vorjahr mit 31 Trauungen sei es ein gutes Jahr zum Heiraten gewesen. Für manche Brautpaare sei zwar die kirchliche Trauung der Höhepunkt für den Beginn eines gemeinsamen Lebens, weil vielleicht die standesamtliche Hochzeit als nicht ganz so romantisch empfunden werde. Doch die Römhilder Standesbeamtin hat viele schöne Erinnerungen an romantische Augenblicke der Trauung, ob im kleineren oder größeren Kreis, ob im Trauzimmer mit maximal 30 Plätzen oder im Festsaal des Schlosses „Glücksburg“. Spontan fällt Christina Kleinert eine ganz besonders feierliche Trauung im Festsaal ein. „Es war eine große Hochzeit mit über 60 Personen und Live-Musik. In der Hochzeitsgesellschaft befand sich ein Pianist, der die Trauung auf dem vorhandenen Flügel wundervoll begleitete", das sei einfach ergreifend und romantisch zugleich gewesen, so die Standesbeamtin.

Beeindruckt vom Ambiente des Festsaales waren auch vier Paare aus der Partnerstadt Bad Königshofen, die ihre Ehe im Standesamt Römhild schlossen. Von den 40 Trauungen seien es insgesamt 13 Ehepaare gewesen, die ihren Wohnsitz außerhalb der Stadt Römhild haben. Da die standesamtliche Trauung in Deutschland keine Trauzeugen mehr erfordere, so Kleinert, habe es in Römhild sieben Eheschließungen gegeben, wo nur die Brautpaare da waren. Doch auch solche ganz individuelle Trauungen hätten ihren besonderen Reiz, auch wenn sie nur in vertrauter „Dreisamkeit“ stattfinden und das Brautpaar „nur mit mir vorlieb nehmen muss“, wie sie manchmal scherzhaft zu den Paaren sage. Ob nun im kleinsten möglichen Rahmen, ob bei Musik und Sektempfang (die Räumlichkeiten geben es her), sei auf Grund der Anzahl der Trauungen stets ein individuelles Eingehen, gerade auch in den Vorgesprächen, gegeben. Schließlich soll „die Hochzeit der schönste Tag im Leben sein und lange die Erinnerungen daran wach halten“.

Ob es nun die kirchliche Heirat ist oder nicht, das könne jedes Brautpaar für sich entscheiden, doch nur wer gemeinsam vor dem Standesbeamten tritt, sei laut dem deutschen Gesetz verheiratet. Dabei sind dem Ehenamen ebenfalls keine Grenzen gesetzt. So habe es in Römhild 35 Eheschließungen gegeben, erklärte Christina Kleinert, bei denen der Name des Ehemannes als gemeinsamer Name angenommen worden sei. Ein Ehepaar habe den Namen der Frau bevorzugt, zwei Paare einigten sich beim Partner auf einen Doppelnamen und bei zwei Trauungen behielt jeder seinen bisherigen Familiennamen.

Einen hoffnungsvollen Ausblick auf das Jahr 2017 konnte die Standesbeamtin ebenfalls geben. So gibt es bereits 25 terminlich vereinbarte Trauungen, wobei die wärmeren Monate etwas bevorzugt werden. Die erste Eheschließung des Jahres allerdings gibt es in Römhild am 27. Januar, einen Tag nach dem Kalten Markt. Immer wieder in den Fokus von Hochzeitstagen rücken bestimmte Tage und Monate in Verbindung mit der Jahreszahl. So sind für den 01.07.2017 drei Trauungen vorgemerkt und ebenfalls drei für den 17.07. 2017.

Doch Eheschließungen seien nur ein Aufgabenbereich, wenn auch für die Beteiligten ein sehr angenehmer, für den das Standesamt zuständig sei, erklärte Kleinert. Viele Bürger wüssten möglicherweise gar nicht, dass es im weit größeren Umfang andere amtliche Vorgänge betrifft, für die das Standesamt zuständig sei. So gehöre natürlich die Fortführung des gesamten Personenstands- und Eheregister dazu, angefangen von der Beurkundung einer Geburt über die Eheschließungen oder der Begründung von Lebenspartnerschaften bis hin zum Sterbefall. Dazu sei zu Beginn des Jahres 2009 das elektronische Personenstandsregister eingeführt worden, in das die bisherigen Personenstandsbücher überführt werden müssen, erklärte Kleinert die neuen gesetzlichen Regelungen. Vom Standesamt beurkundet wird, wie kürzlich geschehen, auch die „vorgeburtliche Vaterschaft“, um bereits vor der Geburt auch um Mutter und Kind schon eine gewisse Sicherheit zu geben.

Die Beurkundung betreffe auch Namensänderungen, Kirchenaustritte, von denen es 17 im Jahr 2016 gegeben habe sowie die Ahnenforschung. Die ältesten Geburten-, Ehe- und Sterbebücher gingen im Standesamt auf das Jahr 1876 zurück. In verschiedenen Situationen verweist Kleinert die Bürger auf die Kirchenbücher, so dass hier auch die Pfarrämter behilflich sein können. Natürlich gebe es auch Ehescheidungen, die im Eheregister aufgeführt werden müssen. Auf Grund der Mitteilungen aus dem Amtsgericht wurden im vergangenen Jahr 12 einst in Römhild geschlossene Ehen aufgelöst. Davon hätten vier Frauen wieder ihren Geburtsnamen angenommen. Eine Entscheidung, die jeder persönlich für sich treffen könne.

Einwohnerstatistik Stadt Römhild 2016 (Ortsteile in alphabetischer Reihenfolge)
01.01.16GeburtenSterbefälleZuzügeWegzüge31.12.16
Bedheim526 (2)412722536 (2)
Eicha198 (1)215 (1)5199(2)
Gleichamberg933 (11)4831 (6)29931 (17)
Gleicherwiesen302 (11)031014 (3)296 (8)
Haina826 (1)9831 (1)46812 (2)
Hindfeld1010072106
Mendhausen29201825274
Milz751 (1)7731 (1)19 (2)763
Römhild1872 (90)1639186 (34)188 (40)1847 (84)
Roth222 (1)13117 (1)224
Simmershausen23912911236
Sülzdorf1291104125
Westenfeld362 (1)441215 (1)359
Zeilfeld251 (1)2357248 (1)
gesamt7004 (120)5380291 (43)311 (47)6956 (116)

Die in Klammern gesetzten Zahlen beziehen sich auf den im Stadtbereich wohnenden Ausländeranteil. Die hohe Sterbeziffer von Römhild ist auch im Zusammenhang mit dem Pflegeheim zu sehen. Was die Differenz zwischen Zuzügen und Wegzügen betrifft, so ist ein stärkerer Wegzug bei Mendhausen und Haina auffällig, während Milz (eventuell auch dem neuen Wohnbaugebiet mit geschuldet) einen deutlich Zuzug zu verzeichnen hat.  Haina

 

 

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