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19.09.2017 17:15

Glücksburg - Schnittpunkte der Archäologie und Bauhistoriker

Über ihre Ergebnisse der Grabungen und der bautechnischen Untersuchungen im Schloss „Glücksburg“ referierten Regina Frimel und Knut Reichel.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – Die Stadt, die in diesem Jahr 700 Jahre Stadtrecht feiert, wurde in einer Urkunde erstmals im Jahre 800 erwähnt, wenn auch eine „Geburtsurkunde“, wie bei vielen anderen Ortschaften, weiter zurück datiert werden könnte. In einem langen Prozess entwickelte sich Römhild im Laufe der Jahrhunderte zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt der Grafen von Henneberg-Römhild. Untrennbar damit verbunden ist das Römhilder Schloss „Glücksburg“, das einen sehr umfangreichen Bau darstellt, der im Laufe der Jahrhunderte mehrfachen Veränderungen unterlag und verschiedenen Zwecken gedient hat. Graf Friedrich II. setzte 1465 den Grundstein, als er Schloss und Stadtmauer errichten ließ. Vollenden ließ den Bau sein Sohn Hermann VIII. 1491, der damit zum Residenzschloss der Linien Henneberg-Römhild wurde. 

Doch stellt sich natürlich auch die Frage, was war vorher an Stelle des Schlosses und welche erwähnten Veränderungen lassen sich nachvollziehen. Antworten darauf versuchten Archäologin Regina Frimel, Grabungsleiterin am Schloss „Glücksburg“ und Bauhistoriker Knut Reichel zu geben. In einem interessanten Vortrag stellten sie ihre „Ergebnisse der archäologischen Grabungen und bauhistorischen Befunde im Schloss Glücksburg“ einem breiten Publikum vor. In seiner Begrüßung der über 80 Besucher gestand Bürgermeister Günther Köhler, dass er oft „ein gespaltenes Verhältnis zu den Archäologen“ hatte, weil sie aus seiner Sicht „das Baugeschehen aufhalten“. Doch im Laufe der Untersuchungen und in Kenntnis der hervorgebrachten Ergebnisse revidierte er ausdrücklich seine Meinung und sagte: „Es ist gut, dass wir Archäologen und Bauhistoriker haben, die unsere Geschichte aufarbeiten“. Andererseits sei man „auch verpflichtet, solche Bauwerke der Nachwelt zu erhalten“, auch wenn die Kosten der Sanierung des Schlosses die geschätzte Anfangssumme von 800000 Euro ein mehrfaches übersteigen. Verwies aber auch gleichzeitig auf eine 80%-ige Förderung und sprach sich dafür aus, das begonnene Projekt „Schloss Glücksburg“ in den kommenden Jahren fortzusetzen.  

Für Regina Frimel sei es eine freudige Nachricht gewesen, so die Archäologin, „als 2015 die Nachricht kam, dass am Schloss (Nordflügel und Schlosshof) gebaut wird“. Denn die begleitenden Grabungen und deren Ergebnisse führten sie bis in das 13. Jahrhundert. Dabei machte sie die Besucher zunächst mit dem Grundriss der Schlossanlage vertraut, um ihren Ausführungen besser folgen zu können. Dabei erläuterte sie die Grabungsstandorte und die Verfahrensweise, um einen Einblick in der Arbeit zu erhalten. So werde jeder Schritt dokumentiert und beschrieben, es werde fotografiert, gezeichnet und vermessen, um so zu einem 3-D-Modell zu kommen. Mit Fotos, Skizzen und spektakulären Details weihte sie das Publikum in das Geschehen ein.

Der Schwerpunkt der Grabungen lag im Bereich des Nordflügels und des inneren Schlosshofes. Den meisten Besuchern werde auch noch das alte Pflaster des Schlosshofes in Erinnerung sein, so die Archäologin. Der umschlossene Hof mit seinen Gebäuden (Nord- und Südflügel, Mittel- und Hinterschloss) sei der älteste Teil der Anlage, während das Vorderschloss erst um 1700 angebaut worden sei. Bei den Grabungen im Schlosshof habe man herausgefunden, dass bereits 1,50 m unter der heutigen Hoffläche bereits ein Hof vorhanden gewesen sei. In weiterer Tiefe habe man dann die sensationelle Entdeckung von Resten eines Brennofens mit Bereichen der Befeuerung und der Brennkammer gemacht (Freies Wort berichtete).

Bei den Grabungen und Untersuchungen zu den Fundamenten der Burgmauern konnten auch Rückschlüsse auf ehemalige feuchte Gebiete gezogen werden. Die Fundamente an den Burgmauern würden teilweise sehr tief gehen, so dass man „mit den Grabungen das Ende nicht erreicht“ habe, so Frimel. Auch sei festgestellt worden, dass verschiedene Fundamente nicht immer gut gebaut waren, sich aber über die Stabilität gewundert habe. Zu den Entdeckungen gehörten auch verschiedene Leitungsgräben und der Burggraben des einstigen Wasserschlosse, der einen Durchmesser von vier bis fünf Metern hatte. Im Nordflügel habe man zudem Vorstellungen von der ehemaligen Schlosskirche erhalten.

Im zweiten Teil des Vortrages ging Knut Reichel schließlich auf bautechnische Merkmale und bauhistorische Befunde ein. Er erklärte den Zuhörern unter anderem, welche Möglichkeiten es zur Bestimmung des Baualters gibt. Dazu gehörten „stilistische Merkmale“, die sich in jeder Bauepoche durch jeweilige Konstruktionsweisen ergeben, aber auch durch typische Bauteilflächen, wie beispielsweise die Fensterformen und –größen am Schloss. So ließen sich Rückschlüsse auf die ehemalige Schlosskirche ziehen, aber auch auf die Nutzung des Nordflügels als Speicher. Herangezogen werden auch Archivaufzeichnungen, die allgemeine Fachliteratur oder die moderne Forschung zum Bestimmen des Baualters. So würden u.a. dem Holz der Balkenkonstruktion Bohrkerne entnommen und im Labor vermessen. Damit könne nicht nur die Baumart, sondern auf Grund der Jahresringkurve exakt das Jahr der Verwendung festgestellt werden.

Damit wurde der Nachweis erbracht, dass die Balken der historischen Dachkonstruktion aus dem Jahr 1492 stammen, die damit auch stilistisch dem Mittelalter zugeordnet werden könne, so Reichel. Die bereits erwähnte vielfache Verformung habe bei der Schlossanlage zu ständigen Veränderungen geführt, erklärte der Bauhistoriker. Im Bereich des Mittelschlosses stamme das „fantastische Fachwerk“ aus dem 16. Jahrhundert, während der „Nordflügel in den letzten 300 Jahren mehr überformt“ worden sei. Auch die Arkaden des Südflügel und der Überbau mit Fachwerk (beherbergt die Stadtverwaltung) deuten auf die baulichen Veränderungen hin. Auch Knut Reichel untermauerte seine Aussagen mit einer Reihe von Fotos. Sein abschließendes Fazit: Die Zusammenarbeit erwies sich als „Schnittstelle von Archäologie und Bauhistorik“, denn was der Architekt im oberen Teil der Gebäude vermutet hat, sei im unteren Teil durch die Archäologin bestätigt worden. Im Anschluss an den Vortrag standen beide Fachleute den Besuchern zu weiteren Fragen bereit. 

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