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20.09.2017 13:22

Als es in Römhild hell wurde

Mit der Ausstellung „Römhild im Strom der Zeit“ der Thüringer Energie AG wurde im Museum „Glücksburg“ der Stadt Römhild ein Stückchen der 700-jährigen Stadtgeschichte lebendig.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – „En Römeld is me jetzt debei ´s elektrisch Licht söll her. Ich häng mich en dann Kram net nei, obs nocher besser wär. Dös ho ich hie on her betrocht, zum End do kom ich nett. Es wird jo villes schö gemocht, hört selber, wies do gett“… und weiter am Schluss heißt es dann: „Dröm warte mrsch halt ruhig o, ´s is halt e neue Sach. Ich meen ner, ´s könnt ganz gut gegeh, mich fröts off alle Fäll, müßt jeder Frömme zugeschteh: En Römeld, do sense hell“. Die alteingesessenen Römhilder werden es längst erkannt haben, es sind die Anfangs- und Endzeilen des Mundartgedichtes „´S elektrisch Licht“ des Römhilder Apothekers Carl Kade von 1908. 

Sehr passend zur Ausstellungseröffnung wurde es von Doris Hochstrate aus Haina wundervoll vorgetragen, die zu den ca. 60 Gästen zählte, die Bürgermeister Günther Köhler begrüßen konnte. Im Namen des Stadtrates dankte Köhler den Vertreter der Thüringer Energie AG, Matthias Wenzel, dafür, dass mit dieser Ausstellung zugleich ein würdiger Beitrag zu „700 Jahre Stadtrecht Römhild“ geleistet werde. Sein Dank ging auch an Museumsleiterin Kerstin Schneider und ihrem Team für ihre tatkräftige Unterstützung sowie an Jan Spannaus, der die Ausstellung konzipierte und deren Aufbau und Gestaltung leitete. Es sei eine Wanderausstellung der Thüringer Energie, erklärte später Jan Spannaus, die inhaltlich mit Texten, Bildern und originalen Ausstellungsstücken den jeweiligen Standorten angepasst werde.

Matthias Wenzel war es vorbehalten, mit Unterstützung durch eine Power-Point-Präsentation in die Ausstellung „Römhild im Strom der Zeit“ einzuführen. Die Ausstellung könne gewissermaßen als „Dreiklang“ verstanden werden, so Wenzel, denn sie sei untergliedert in die „Stromgeschichte Thüringens und in die der Region Römhilds“. Dazu präsentiert die Ausstellung vor allem die Entwicklungsphase von Haushaltsgeräten aus den 1930er Jahren mit Originalcharakter. Aus den 1930er Jahren deshalb, weil diese Geräte über Jahrzehnte hinweg den Fortschritt im Haushalt und im Gewerbe symbolisierten. Und Wenzel hatte noch eine Besonderheit zu verkünden, die ihm bei der terminlichen Festlegung der Ausstellungseröffnung gar nicht bewusst gewesen sei. Es sei zwar kein Jubiläum, aber am Freitag auf den Tag genau waren es 109 Jahre, als „am 8. September 1908 die feierliche Eröffnung des kommunalen E-Werkes“ stattgefunden hatte.

Und so nahm er seine Besucher mit in eine 109-jährige Stromgeschichte von Römhild, die natürlich in Thüringen und Deutschland schon viel früher begann. Mit Worten, Zeittafeln und interessanten Details machte er seine Besucher mit der Entwicklung der Elektrifizierung vertraut. So verwies er auf die erste Gasanstalt 1840 in Weimar, der 1852 eine weitere in Gera folgte. Gaswerke entstanden 1859 in Meiningen, 1861 in Sonneberg und 1865 in Hildburghausen. Zu den ersten Stromerzeugern, die mit Einzelanlagen für eine Beleuchtung durch Gleichstrom sorgten, habe 1877 die Färberei Hirsch in Gera gehört. 1895 seien es bereits 95 Betriebe, vorrangig im Thüringer Wald, die Strom vor allem mit Gleichstromanlagen erzeugten. Denn auch die Art der Erzeugung, ob Gleich-, Wechsel- oder Drehstrom, spielte natürlich in der Entwicklung eine Rolle.

In unserem Kreis stellte Themar und Schleusingen den Abnehmern erstmals 1898 Strom zur Verfügung und in Eisfeld floss der Strom erstmals 1900. In Römhild wurde es, wie bereits erwähnt, 1908 mit 11 Motoren in 40 Häusern hell und 1910 waren es laut der gezeigten Übersicht bereits 123 Häuser die von den 40300 produzierten KWh profitierten. Ab Mai 1909 sei auch der Bahnhof elektrisch beleuchtet worden. In Milz sei das Angebot aus Römhild im Mai 1911 von 29 Interessenten angenommen worden und so floss dort der Strom ab dem 24 Oktober und die Gemeinde Haina sei am 25. August 1912 an die Stromversorgung angeschlossen worden. Auch damals wie heute habe es wohl schon Zahlungssäumige gegeben, so dass der Gemeinde das Recht eingeräumt wurde, für die Dauer des Rückstandes den Strom abstellen zu lassen. Die Waldhaussiedlung wurde 1925 an die Stromversorgung angeschlossen.

Elektrogeräte, die vor allem in den angesprochenen 1930er Jahren die Entwicklung in den Haushalten prägten, hatten natürlich einen Entwicklungsvorlauf. So wurden von Matthias Wenzel in einer Übersicht einige Haushaltsgeräte mit den Entwicklungsjahren bedacht. Den ersten Tauchsieder gab es demnach 1883, gefolgt vom Bügeleisen 1892, dem Staubsauger und die Waschmaschine 1901 oder dem Vollherd 1908. Die Geschirrspülmaschine erlebte ihre Geburt 1912 und aus „neuerer Zeit“ stammt die Kaffeemühle (1937) und die Mikrowelle (1946).

Technisch wie historisch betrachtet, war es ein äußerst interessanter Vortrag, dessen Inhalte sich in den beiden Ausstellungsräumen teilweise wiederfanden. Dazu gehören beispielsweise der Elektroherd, die beiden Waschmaschinen, die Kaffeebrühmaschine „Moccadur“, der Handmixer „Komet“ oder die Reisebügeleisen, um nur einige zu nennen. Für die gelungene Ausstellung dankte Wenzel „allen Mitstreitern, dem Museumsteam, dem Bürgermeister, seinen Kollegen oder Anneliese Wolf aus Milz, die verschiedene historische Aufzeichnungen aus der deutschen (Süderlin) in die lateinische Schrift übersetzte. Doch die Liste derer, die mitarbeiteten oder Text- und Bildmaterial zur Verfügung stellten, ist weitaus länger und findet sich im Begleitkatalog zur Fotoausstellung wieder. Dieser umfasst über 100 Seiten und wiederspiegelt zudem ein Stück Stadtgeschichte mit vielen interessanten historischen Aufnahmen.

Die Ausstellung wird bis zum 31. Oktober 2017 im Museum Schloss „Glücksburg“ zu sehen sein. Und wie Kerstin Schneider mitteilte, wird es am 7. Oktober 2017 um 14.30 Uhr für alle Interessierten wieder ein Museums-Café zur Ausstellung mit einer Führung durch Matthias Wenzel geben. 

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