Sie befinden sich hier

31.10.2017 16:04

10 Jahre Reit- und Springturnier auf der Grabfeld-Reitanlage in Römhild

Zweimal im Jahr heißt es „Hufschlag frei“, wenn sich Dressur- und Springreiter auf der Grabfeld-Reitanlage des „Reit- und Fahrverein Römhild/Grabfeld e.V.“ im Turnier messen.

Von: Kurt Lautensack

Römhild – Während sich die Dressurreiter zum traditionellen Pfingstturnier in der Reitanlage am Großen Gleichberg treffen, findet das Reit- und Springturnier im September statt. Dabei sind die Turniere keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, denn von den einstigen Reit- und Springturnieren im Landkreis, unter anderem in Reurieth (später Buchenhof), Schleusingen, Streufdorf und Themar, bleiben noch Römhild und Eisfeld als Turnierstandort übrig, dazu ein Fahrturnier in Buchenhof. Denn die Vorbereitung und Durchführung kosten viel Mühe und Fleiß aller Mitglieder, eine Portion persönliches Engagement einzelner Mitglieder und ein Brennen für die Sache, ohne aber die eigenen Grenzen nicht außer Acht zu lassen. Dass die Vereinsmitglieder mit ihrer Vorsitzenden Martina Gundelwein in den zurückliegenden Jahren oft an diese Grenzen der Belastbarkeit gehen mussten, sei oft genug der Fall gewesen, weiß auch Thomas Gundelwein aus eigenem Erleben. Dabei mag er gar nicht an das bisher schlimmste Ereignis, der vorsätzlichen Brandstiftung im vergangenen Jahr, denken. Doch der Blick ist nach vorn gerichtet, zu dem das 10-jährige Turnierjubiläum auf der Grabfeld-Reitanlage den richtigen Anlass bietet.

Das schließt natürlich einen Rückblick auf die Vereins- und Turniergeschichte nicht aus, bei der Gründungsmitglieder genau die richtigen Ansprechpartner sind. Bei der Gründung der „Sektion Pferdesport“ als Abteilung des Sportvereins Römhild, waren 1974 maßgeblich mit beteiligt: Herbert Kirchner, Wolfgang Scheller, Walter Heim, Manfred Benkert, Günther Schmidt, Gerd Erkenbrecher und Georg Schwarz. Träger dieser Abteilung, heute würde von einem Sponsor gesprochen, sei die LPG Pflanzenproduktion „Friedrich Engels“ Römhild gewesen, können sich Herbert Kirchner und Wolfgang Scheller im Gespräch auf dem Reitplatz noch gut erinnern. Denn über die LPG wurden die Pferde bereitgestellt, die zeitweise auf 16 angewachsen waren. In den Jahren 1975/76 sei dann der Reitplatz am Herrensee (im Wiesengrund hinter dem heutigen Busplatz) gebaut worden und das erste große Turnier habe es dann zu den Arbeiterfestspielen 1978 in Römhild gegeben. Damit wurde der Pferde-Turniersport zu einer festen sportlichen Größe weit über die Kreisgrenzen hinaus.

Mit der Neugründung des Vereins am 12.12.1990 als „Reit- und Fahrverein Römhild/Grabfeld e.V.“ wurde ein neues Kapitel im Pferdesport Römhild aufgeschlagen und die Turniere erfolgreich fortgesetzt. So fanden im Rahmen eines bundesweit offenen Reit- und Springturniers 1998 die Thüringer Landesmeisterschaften am Herrensee statt. Zu diesem Zeitpunkt wurde noch das Vielseitigkeitsspringen ausgetragen, bei dem Walter Heim und Wolfgang Scheller die Plätze 3 und 4 im Stil-Geländeritt belegten. Dies und vieles andere mehr ist natürlich Herbert Kirchner und seinen Pferdesportfreunden noch in bester Erinnerung. Auch er war erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter, ist Ausbilder im Verein und nimmt inzwischen als versierter Wagenlenker an Fahrturnieren wie dem Rhön-Grabfeld-Cup teil.   

Wie von Vereinsmitglied Thomas Gundelwein zu erfahren war, hätte es am „alten Standort“ einer rechtlichen Klärung der Eigentumsverhältnisse bedurft, was aber schwierig gewesen wäre. Eine Standortfrage habe also zur Diskussion gestanden, so sahen es auch einige Gründungsmitglieder. Mit dem Erwerb eines Teils der ehemaligen Anlage der DDR-Grenztruppen am Großen Gleichberg im Jahr 2000 sei die Standortfrage gelöst worden. Im Gebäudekomplex der heutigen AHG-Klinik eine Pionier-Einheit der Grenztruppen stationiert gewesen, bestätigten Scheller und Kirchner, die mit der Vereinsgeschichte bestens vertraut sind. Durch den Umzug kam natürlich der Turniersport auf eigenem zunächst zum Erliegen, nicht aber die Teilnahme an anderen Turnieren. So beispielsweise beim LSV Streufdorf 2003, wo Judith Gundelwein im L-Springen den dritten Platz belegte. Sie sitzt übrigens schon seit 1993 im Sattel, wurde 2003 Vize-Landesmeisterin im Springreiten, ist Trainerin und Reittherapeutin und reitet nach wie vor aktiv bei Turnieren mit, natürlich auch beim Jubiläumsturnier am vergangenen Wochenende.

In mühevoller und fleißiger Arbeit aller Mitglieder des Reitvereins sei die Anlage einschließlich der Pferdepensionshaltung schrittweise aufgebaut worden. Dabei habe es gerade in den Anfangsjahren auf der neuen Anlage einen sehr guten Kontakt und große Unterstützung durch die Suchtklinik gegeben, sowohl durch die Leitung, als auch durch die Insassen mit ihren beruflichen Fertigkeiten, sind sich Kirchner und Scheller einig. Mit einem Pferdetag im Jahr 2006 wurde nach siebenjähriger Pause 2007 erstmals wieder ein großes „eingetragenes Turnier“ ausgetragen. In den Folgejahren wurden im und am Gebäude sowie auf der Reitanlage ständige Verbesserungen vorgenommen, unter anderem auch ein neues Richterhaus gebaut. Heute umfasst die gesamte Anlage einen Spring-, Dressur- und Abreiteplatz, dazu eine große und helle Reithalle sowie Karussell und Paddocks.

Seit 10 Jahren nun, finden wieder jährlich hochklassige „eingetragene Turniere“ statt und Reitstadionsprecher Peter Freitag aus dem brandenburgischen Sonnewalde verwies mehrmals auf „die optimalen Bedingungen der herrlichen Reitanlage“, die vom Organisationsteam „bestens vorbereitet“ worden sei. Mit seiner Firma sorgte er für eine reibungslose Kommunikation und erwies sich selbst an allen drei Tagen als ein ausgezeichneter Sprecher mit pädagogischer Erfahrung. Sowohl für die Zuschauer als auch bei der Bewertung der Leistungen der Aktiven fand er stets die richtigen Worte. Sein Dank galt allen, die in irgendeiner Form am Gelingen des Turniers beteiligt waren, von der Parcoursmannschaft, dem Richterteam, dem Meldebüro, Klaus Menzel als Musikverantwortlichen, dem gesamten Versorgungsteam und natürlich allen voran dem RFV Römhild als Organisator und seinen Sponsoren. So sei auch die Entscheidung des Thüringer Reit- und Fahrverbandes, die Landesmeisterschaften im Dressurreiten vom 15. bis 18.6.2018 an den RFV Römhild zu vergeben, ist eine hohe Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit des Vereins und seiner Mitglieder, so Freitag.

Die Pferdesport begeisterten Besucher, aber auch Aktive, hatten nicht nur Oxer, Triplebarre, Mauer, Rick und Doppelrick im Blick, sondern auch das Rahmenprogramm, das einige Höhepunkte zu bieten hatte. So das Flutlichtspringen am Samstagabend, mit Sicherheit uch das Bullriding-Springen, einem sogenannten Glücksspringen im Zweier-Team. Dabei hatten der Reiter/Pferd den Parcours zu bewältigen bis der Partner vom elektronischen Bullen fiel, das für mehr als 100 Besucher ein Anziehungspunkt war. Mit dem Jump & Shot Springen in Biathlon-Manier (Springen-Laufen-Schießen mit Lasergewehr) fand dieses Jubiläumsturnier einen würdigen Abschluss. Und das Echo auf die Organisation und Durchführung des Turniers dürfte den Vereinsmitgliedern neuen Schwung für ihre weitere sportliche Arbeit geben. 

Kontextspalte

weitere News